Besuch im Handel

Mystery-Shopping: "Hier lohnt sich das teurere Gerät"

Uhr | Aktualisiert

Filmen aus luftiger Höhe. Dazu braucht es nur Kamera und Drohne. Doch wo gibt es diese neue ­Produktkategorie und welcher Verkäufer kennt sich darin aus? Mystery-Shopperin Astrid T. machte den Test.

Drohnen sind der letzte Schrei. Davon hat sich Astrid T. durch ihren Sohn überzeugen lassen. In Kombination mit seiner Gopro-Action-Kamera könnte er spektakuläre Aufnahmen aus luftiger Höhe machen. Das wäre vergleichbar mit den Videos auf Youtube, die er so gerne schaut. Nachdem die professionelle Mystery-Shopperin vor rund zwei Jahren eine Action-Cam für ihren Sohn besorgt hatte, sollte sie ihm nun die dazu passende Drohne finden. An der Finanzierung würden sie sich beide beteiligen. Das war so abgemacht. Aber was eine gute Drohne kosten sollte, wussten sie damals noch nicht.

Während der Action-Cam-Mystery-Shopping-Tour vor zwei Jahren dominierte Gopro den Markt. Ob es im Drohnenmarkt ebenfalls eine solche Dominanz gibt? Sind Drohnen überhaupt schon angekommen im Handel? Astrid T. machte den Test und ging auf Mystery-Shopping-Tour. Die Stationen: Media Markt, Manor, EP- und Euronics-­Fach­händler, Fotopro, Melectronics und Brack.

Media Markt

Im Media Markt fand Astrid zwischen Regalen voller PCs und iPad-Hüllen eine Drohne, das Modell Phantom 2 von DJI. Gleich daneben stand ein Verkäufer, den sie nach Beratung fragte. Ob die Drohne in Verbindung mit der Gopro-Kamera funktioniere, wollte Astrid wissen. Der Verkäufer antwortete: "Nicht offiziell, da müssen Sie etwas basteln. Aber das würde gehen." – "Taugt sie denn etwas?", fragte Astrid, worauf der Verkäufer erklärte, dass die Drohne neu sei im Sortiment. Er brauchte deshalb die Hilfe eines Kollegen. "Der arbeitet in der Fotoabteilung und macht solche Dinge privat", sagte er und suchte den Mitarbeiter eine Etage tiefer.

Der Gesuchte zeigte sich begeistert vom Thema und schwärmte As­trid vor, wie er seine eigene Drohne in der Freizeit herumschwirren lasse. Eine Drohne für die Gopro-Kamera müssten sie aber bestellen, das koste schnell über 600 Franken. Dazu brauche es eine Kamerahalterung, in diesem Fall Gimbal genannt (Anm. d. Red.: engl. für Tragbügel). So ein Gimbal koste dann nochmals gut 400 Franken. Der Vorteil sei die Aufwärtskompatibilität zu neuen Gopro-Modellen. Der Verkäufer ergänzte, dass es auch Drohnen mit vorinstallierten Kameras gebe, bei diesen funktioniere die Steuerung aber meist ungenau über Wi-Fi. Bei Live-Übertragungen gebe es dann schnell Probleme. "Deshalb lohnt sich hier ein teureres Gerät mit richtiger Fernbedienung. Ich kann damit in die Berge und auf 3000 Metern Höhe Videos drehen. Die hat auch Schienen mit Achsenstabilisierung, sodass die Aufnahme nicht wackelt." Astrid solle sich doch online erkundigen, wie viel sie ausgeben wolle.

Manor

Astrid bedankte sich für die enthusiastische Beratung. Sie fragte sich tatsächlich, wie viel sie wohl für eine Drohne ausgeben wollte und wo sie sie erhalten könnte. Sie setzte aber nicht online, sondern bei Manor ihre Suche fort. Dort holte die Verkäuferin in der Unterhaltungselektronik-Abteilung auf ihre Anfrage Hilfe beim Kollegen. Der meinte: "Wir haben nur Spielzeugdrohnen. Was Sie brauchen, gibt es vielleicht im Modellbauhandel." Astrid bedankte sich, befolgte diesen Ratschlag aber auch nicht. Stattdessen versuchte sie es im Fachhandel.

EP-Fachhändler

Beim EP-Fachhändler war ein Kunde vor ihr an der Reihe, also vertrieb sich Astrid die Zeit mit dem Virtual-Shelf-Display, fand dort aber keine Drohnen. Auch diese Verkäuferin meinte, als Astrid an der Reihe war, dass sie keine Drohnen im Sortiment hätten. Sie erkundigte sich aber noch bei einem Kollegen, der ihr dies bestätigte. Bestellen könnten sie kleine Modelle mit integrierter Kamera. Astrid brauche jedoch "eine richtig grosse von DJI, die kostet dann aber auch um die 1000 Franken. Bei Conrad können Sie so etwas bestellen", meinte der Kundenberater.

Wie der Verkäufer im Media Markt schwärmte auch dieser davon, wie toll eine Drohne sei. "Da können Sie auch die Spiegelreflexkamera dranhängen. Ein Mitarbeiter von uns macht das. Bei DJI haben Sie einen Body, bei dem Sie alles ersetzen können. Und die 4,5-Gigahertz-Fernsteuerung ist wie früher bei den Autos. Das macht richtig Spass. Die Steuerung ist zwar ein bisschen schwieriger als über das iPad, aber dementsprechend auch genauer." Astrid spürte die Begeisterung des Verkäufers. "Schade, dass sie hier keine Drohnen führen, der hätte mich sicher toll beraten", dachte sich Astrid. Sie befolgte aber wiederum nicht den Vorschlag des Verkäufers, zu Conrad zu gehen, sondern machte sich auf den Weg zum Euronics-Fachhändler.

Euronics-Fachhändler

Dort angekommen begrüssten sie vier Verkäufer hinter dem Kassentresen. Auf ihre Frage hin erklärte einer von ihnen, dass sie keine Drohnen führten, er war sich aber nicht ganz sicher und erkundigte sich beim Chef. Nach kurzer Wartezeit kam er zurück und bestätigte: "Nein, wir haben nichts hier. Wir sind eher auf Hi-Fi und Fernseher ausgelegt. Wir können deshalb auch nicht tief dazu beraten. Wenn Sie wissen, welches Produkt Sie wollen, können wir es bestellen. Aber versuchen Sie es doch mal im Fotofachhandel."

Fotopro

Diesmal befolgte Astrid den Rat. Sie bedankte sich und ging zum Fotofachhandel. Dort grüsste sie eine Verkäuferin, die ihr ebenfalls sagte, dass sie keine Drohnen führten. Und wieder: "Wir könnten sie aber bestellen. Light & Byte ist unser Partner, der hat eine grössere Auswahl." Die Verkäuferin stöberte auf der Website des Distributors und Händlers und bot Astrid an, dort nach einer Drohne anzufragen. Astrid lehnte dankend ab. Sie würde es direkt bei Light & Byte versuchen, sagte sie, ging aber wie geplant weiter zu zwei Discountern.

Melectronics und Interdiscount

Beide waren eine schlechte Wahl. Bei Melectronics und bei Interdiscount hiess es jeweils nur: "Drohnen führen wir nicht."

Brack

Jetzt hatte Astrid genug. Sie versuchte es, wie vorgeschlagen, online. Volltreffer. Bei Brack.ch fand sie Drohnen im Onlineangebot, griff zum Hörer und fragte beim Kundenservice nach. Sie kam ohne Warteschleife zu einer Frau, die sie nach kurzer Erklärung direkt zu einer Verkäuferin weiterleitete. Vorbildlich. Die Verkäuferin meinte, sie hätten verschiedene Drohnen, die beliebtesten seien aber von DJI. "Die Marke arbeitet mit Gopro zusammen, die passen die Gimbals genau den Kameras an. Die haben aber ihren Preis, eine gute gibt es für 989 Franken. Da ist alles dabei, Gimbal, Fernbedienung, Akku und Ladegerät, also gleich einsatzbereit."

Astrid war überrascht über die Kenntnisse der Verkäuferin. "Kennen Sie die Drohne?", fragte sie. "Leider nicht. Aber ich durfte mal eine andere Marke testen", antwortete die Verkäuferin. Und weiter: "Wir haben ein günstigeres Modell als Testgerät. Das könnten Sie ausprobieren und bei Gefallen zurückschicken und das bessere Modell bestellen. Soll ich es Ihnen schicken oder wollen Sie online bestellen?" Astrid bedankte sich. Sie wollte es sich noch überlegen und verabschiedete sich.

Fazit

Astrid hatte sich aber entschieden. Sie würde das Testgerät bei Brack bestellen. Das Angebot schien toll zu sein. Nicht so das Angebot an Drohnen im stationären Handel. Ausser einem Modell bei Media Markt hätte sie keines gleich kaufen können. Obwohl viele durchaus Bescheid wussten, führte fast keiner die Kategorie im Sortiment. Bestellen kann jeder, aber da macht Brack doch deutlich, wie gute Beratung ­online geht.

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