Podium EU-Halogenlampenverbot

Was es beim EU-Halogenlampenverbot zu beachten gilt: Adrian Schwarzenbach von Otto Fischer

Uhr | Aktualisiert

Seit September gilt das Halogenlampenverbot der EU. Die Redaktion hat bei Herstellern und Distributoren nachgefragt, was Händler dazu wissen müssen und was das Verbot für Kunden bedeutet. Es antwortetet Adrian Schwarzenbach, Produktmanager von Otto Fischer.

Adrian Schwarzenbach, Produktmanager, Otto Fischer (Source: Otto Fischer)
Adrian Schwarzenbach, Produktmanager, Otto Fischer (Source: Otto Fischer)

Welche Folgen erwarten Sie durch das Halogenlampenverbot? Beobachten Sie Hamsterkäufe von Händlern?

Adrian Schwarzenbach: Durch das Halogenverbot werden die Absatzstückzahlen von Halogenlampen, die noch beträchtlich sind, unweigerlich zu den LED-Lampen fliessen. Der LED-Ersatz für Halogenlampen kostet zurzeit noch etwas mehr, dafür ist die Lebensdauer höher und der Stromverbrauch tiefer, was sich langfristig auszahlt. Meine Erwartungen zu den Auswirkungen sind folglich, dass der Umsatz bei Lampen in der Schweiz anfangs ansteigt und der gesamte Stromverbrauch, der für Beleuchtungen aufgewendet wird, weiter sinkt. Hamsterkäufe haben wir bis jetzt keine festgestellt. Vielleicht hat dies auch mit den guten Absichten zu tun, die das Verbot beinhaltet. Ich kann mir vorstellen, dass es schwieriger wird, gute Argumente zu finden, um Halogenspots zu verkaufen.

Was glauben Sie, wie lange es noch Halogenlampen im Handel zu kaufen gibt?

Aus meiner Sicht werden Halogenspots wahrscheinlich schnell ausverkauft sein. Es ist mir nicht bekannt, dass ein Lieferant noch seine Lager aufgefüllt hätte, weil ja Lagerbestände noch abverkauft werden dürfen. Deshalb schätze ich, es wird innerhalb einer Jahresfrist kaum noch Halogenlampen zu kaufen geben wird und auch keine Projekte mehr mit Halogenleuchtmitteln durchgeführt werden.

Laut Umfrage wissen viele Konsumenten nichts vom kommenden Verbot. Wie sollten Händler ihre Kunden informieren?

Wir bei Otto Fischer publizierten in unserem monatlichen Magazin im September 2018 einen Beitrag zum Verbot, und auch unsere Licht-Fachaussendienstler beraten die Kunden auf Wunsch. Viele Lichtfirmen informieren im gleichen Rahmen über persönliche Beratung und Fachbeiträge, wo sich Interessierte das Wissen aneignen können. Grundsätzlich kann man nichts falsch machen, solange man keine Halogenlampen in die Schweiz importiert.

Was gilt es beim Ersatz von Halogenlampen durch LED zu beachten?

Halogenlampen besitzen im Vergleich zu LED einen höheren Color-Rating-Index-Wert, kurz CRI. Der Wert gibt die Sättigung und Echtheit der Farben an, die von einem Leuchtmittel angestrahlte Objekte wiedergeben. Weil bei Halogenlampen ein Verbrennungsprozess geschieht, ist der Wert 100. LED-Lampen funktionieren mittels elektrisch durchflossenen Halbleiterdioden, wo kein Verbrennungsprozess passiert, und deshalb erreicht LED nicht CRI 100, sondern je nach Produkt CRI 70 bis 98. Bei Anwendungen, bei denen eine hohe Farbwiedergabe essenziell ist, wie in Verkaufsflächen oder in Kunstgalerien, ist zu beachten, dass LED-Leuchtmittel mit hohem CRI verwendet werden. Auch sind nicht alle LED-Lampen dimmbar, hier sollte darauf geachtet werden, dass für jede Anwendung das passende Leuchtmittel verwendet wird. LEDs werden dafür nicht annähernd so heiss wie Halogenlampen und können angefasst werden, ohne Verbrennungen zu erleiden.

Welche technologischen Entwicklungen und welche Trends erwarten Sie im Leuchtenmarkt?

In Zukunft werden meiner Einschätzung nach vermehrt steuerbare Systeme, also vernetzte Beleuchtungen, die mittels Funk oder Bluetooth kommunizieren, Einzug in Beleuchtungslösungen halten. Oder es werden umfassende Gebäudeautomationssysteme, in denen unter anderem die Lichtsteuerung ein wesentlicher Bestandteil ist, in die Bauten integriert werden – was übrigens für Privathäuser genauso gilt wie für Geschäftsgebäude. Denn solche Steuersysteme ermöglichen es, die Beleuchtung optimal zu regulieren, indem beispielsweise der biologische Rhythmus – englisch: human centric light – der Lichtfarben mit Kunstlicht simuliert werden kann. Oder aber die Beleuchtung so programmiert wird, dass das Licht nur gerade dort brennt, wo es gebraucht wird. Was die neuesten Trends im Beleuchtungsbereich anbelangt, so beobachte ich, dass viele Leute die Vorteile einer gezielten Lichtgestaltung, die Design und Einrichtung hervorhebt, mehr und mehr schätzen. Auch wird das Design der Leuchten ein immer wichtigeres Thema, weil diese ebenfalls als Design- und Einrichtungsobjekt angesehen werden.

Welche wirtschaftliche Entwicklung erwarten Sie im Schweizer Leuchtenmarkt für dieses und nächstes Jahr?

Voraussichtlich wird der Absatz von Lampen zurückgehen, weil die LED-Leuchten zum grössten Teil in Kombination mit bereits fest verbauten LED-Modulen hergestellt werden. Wir erwarten folglich im Gegenzug einen Anstieg bei den Absatzzahlen von LED-Leuchten. Das bedeutet im Endeffekt, dass die Verkaufszahlen zwar vom rückläufigen Absatz der LED-Lampen negativ beeinflusst werden, sich der kumulierte Gesamtumsatz aber dennoch leicht erhöht.

Die Links zu den Antworten der anderen Podiumsteilnehmer (in alphabetischer Reihenfolge):

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