Nvidia Geforce Now

Gamescom 2018: "Cloud-Gaming ist die Zukunft"

Uhr | Aktualisiert

Nvidia zeigt an der Gamescom 2018 nicht nur neue Grafikkarten für Gamer, sondern demonstriert auch seinen Streamingservice Geforce Now, der Grafikkarten komplett ersetzen kann. Sony setzt mit Playstation Now ebenfalls auf Cloud-Gaming, Microsoft arbeitet an einem entsprechenden Dienst. Die Redaktion hat sich mit Nvidia-Experten über das Gaming aus der Cloud und die Zukunft von Hardware für Gamer unterhalten.

Sridhar Ramaswamy, Director Technical Product Marketing bei Nvidia, reicht den Controller, und schon steuert man Lara Croft in ihrem neuen Abenteuer "Shadow of the Tomb Raider", das am 14. September in den Handel kommt. Das Spiel läuft in Full-HD und mit 60 Bildern pro Sekunde. Wo man neben dem Fernseher jedoch einen Gaming-PC erwarten könnte, befindet sich – nichts. Das Game läuft nicht lokal, es wird auf die Nvidia-Shield-Konsole gestreamt, die an den Fernseher angeschlossen ist. "Cloud-Gaming" wird der Prozess des Streamens von Videospielen auch genannt.

Geforce Now heisst der Streamingdienst von Nvidia. Er funktioniert so: Nutzer kaufen ein PC-Spiel, zum Beispiel über Steam, verlinken ihren Steam-Account mit ihrem Nvidia-Account, und können dann dieses Game über Nvidia-Server auf PCs oder Macs streamen. Dies biete sich für Leute an, die gerne ein PC-Game spielen möchten, aber nicht über die notwendige Hardware verfügen, um es flüssig zum Laufen zu bringen, sagt Ramaswamy.

Geforce Now befindet sich momentan in der Beta-Phase, die bis Ende Jahr dauern soll. Gestreamt würden die Games in Europa aus Rechenzentren in Frankfurt, Amsterdam und London. Die Games liefen auf Nvidias Tesla-GPUs. Wie Ramaswamy betont, sei auch Streamen in 4k technisch möglich. Nvidia verzichte aber darauf, weil nur wenige Leute Zugriff auf Internetgeschwindigkeiten hätten, die dafür schnell genug seien.

"Shadow of the Tomb Raider" läuft flüssig, auch wenn das Game aus einem Rechenzentrum gestreamt wird. (Source: Netzmedien)

Sony-Abo à la Netflix

Einen anderen Ansatz verfolgt Sony. Mit Playstation Now bietet auch der japanische Hersteller einen Streamingservice für Games an, dieser funktioniert jedoch mit einem Abo-Modell à la Netflix. Nutzer kaufen die Games also nicht, bevor sie mit Streamen beginnen. Playstation Now ist für das Streamen auf Playstation-Konsolen und für PCs ausgerichtet und kostet monatlich 16.50 Franken.

Die Cloud-Gaming-Technik zieht noch weitere Kreise. Publisher EA kündigte an der diesjährigen E3 im Juni an, mit einem Streamingservice starten zu wollen, und auch Xbox-Chef Phil Spencer gab auf der E3-Bühne bekannt, dass Microsoft an einem solchen Angebot arbeite. Diesen Softwareservice erwähnte er ironischerweise im gleichen Atemzug wie die Ankündigung, dass der Hersteller mit einer neuen Xbox-Konsole zeitgleich an Gaminghardware tüftelt.

Das Ende der Hardware?

Cloud-Gaming werde kontinuierlich an Popularität gewinnen, ist sich Ramaswamy von Nvidia sicher. Aber schaffen Hersteller mit den Streamingangeboten ihre eigene Hardware ab? Christian Beer, PR Manager EMEAI für Shield und Geforce bei Nvidia, winkt ab. Zumindest für Nvidia sieht er kein solches Problem. Mit Geforce Now könnten Games in Full-HD und 60 Bildern pro Sekunde gestreamt werden, Hardcoregamer, die aber mehr wollen – 4k, Raytracing, höhere Bildraten – würden weiterhin auf dedizierte GPUs setzen.

Ramaswamy pflichtet ihm bei. Wer die bestmögliche Erfahrung wolle, komme um lokale Hardware nicht herum. Für gelegentliche Gamer hingegen, die sich keinen Gaming-PC anschaffen wollen, sei Cloud-Gaming die Zukunft.

Und in Bezug auf Konsolen? Yves Guillemot, CEO von Ubisoft, sagte kürzlich in einem Interview, dass nach der nächsten Hardwaregeneration Schluss mit Konsolen sein könnte. Konsolen wurden zwar schon früher totgesagt. Aber das Streaming, das aus der Musik- und Filmbranche nicht mehr wegzudenken ist, dürfte den Gaming-Hardwaremarkt in den kommenden Jahren zumindest bedrängen.

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