Umstieg von UKW auf DAB+

DAB+ im Zentrum des SRG-Branchenforums

Uhr | Aktualisiert
von Bettina Deggeller Fachspezialistin Fachkommunikation bei der SRG SSR im Bereich Operationen

Das diesjährige SRG-Branchenforum hat ganz im Zeichen von DAB+ gestanden. Dabei interessierten die Besucher vor allem zwei Fragen: Wann wird UKW abgeschaltet? Und: Welche Vorbereitungen müssen dafür noch getroffen werden? Klar scheint: Die Umstellung kommt früher als 2024, und Baustellen sind vorhanden – wenn auch immer weniger.

Am SRG-Branchenforum am 4. Juni in Bern hat Marco Derighetti, Direktor Operationen SRG, vor rund 130 Besuchern über zukünftige Herausforderungen für die SRG gesprochen. Für DAB+ sieht er die Zeit gekommen. Philippe Zahno, Präsident der Arbeitsgruppe "Digitale Migration", attestierte der Schweiz gute Rahmenbedingungen für den Umstieg von UKW auf DAB+. Die Arbeitsgruppe favorisiere die UKW-Abschaltung 2022. Auch René Burger, CTO beim grössten privaten Schweizer DAB+-Netzbetreiber Swissmediacast, sei mit dem Netzausbau auf Kurs. Die Nachfrage von privaten Radioveranstaltern nach der DAB+-Verbreitung ihrer Programme scheint ungebrochen. René Wehrlin vom Bundesamt für Kommunikation wies darauf hin, dass die UKW-Technologie 60-jährig und für die Digitalisierung nicht geeignet sei. "Ohne den Umstieg auf digitales Radio werden Spotify, Youtube und Smartspeaker wie Alexa das Zepter vollständig übernehmen", sagte Wehrlin.

Knackpunkt Autonachrüstung

Das DAB+-Netz wird bald die gleiche Abdeckung wie UKW erreichen. Bei DAB+-Geräten zeichnete SRG-CTO Damien Corti ein durchzogenes Bild: Die Mehrheit der getesteten Kleinradios und Hi-Fi-Anlagen erreichten die geforderten Empfangsempfindlichkeitswerte, enttäuschend dagegen die Resultate bei den meisten Autonachrüstungslösungen. Autoschweiz-Direktor Andreas Burgener sieht die Automobilbranche darauf gut vorbereitet. Rund 75 Prozent oder zirka 3,5 Millionen Personenwagen hätten in der Schweiz noch kein DAB+. Viele würden erst umrüsten, wenn das UKW-Netz abgeschaltet sei. Bei Neuwagen sieht er den Käufer in der Pflicht: Internationale Autokonzerne bauten Autos für die ganze Welt. Global sei DAB+ aber nicht so weit wie in der Schweiz. Wer ein DAB+-fähiges Auto will, müsse dies aktiv fordern. 85 Prozent der Neuwagen bieten DAB+ an.

Handlungsbedarf bei Autonachrüstungslösungen sieht auch Ernst Werder, der sich mit seiner Firma Weer darauf spezialisiert hat. Das Auto selbst nachzurüsten koste ab 150 Franken aufwärts und sei für Laien anspruchsvoll. Er empfiehlt den spezifisch geschulten Fachmann, der ab zirka 350 Franken verrechne. Weer bereitet mit dem Bakom und dem Autogewerbeverband Schweiz eine Zertifizierung für fachgerechte DAB+-Nachrüstung vor.

Sind die Konsumenten bereit?

Ob die Konsumenten für die Umstellung bereit sind, blieb am Forum umstritten: Ein Forumsgast merkte an, dass negative Kommentare zu Onlinenews bei DAB+-Berichten ein schlechtes Image förderten. Oliver Fueter, Redaktor der Konsumentensendung "Espresso", kritisierte, dass die DAB+-Werbung zu früh begonnen und die Leute verwirrt habe. Wichtig seien ein lückenloser Ausbau der DAB+-Versorgung und die Bekanntgabe eines klaren UKW-Abschaltplans.

Dass die Werbeanstrengungen Wirkung zeigen, unterlegte GfK-Experte Luca Giuriato mit Fakten: Der Einfluss der Kampagnen auf den Verkauf der Geräte sei gut sichtbar gewesen, die Bekanntheit von DAB+ von 55 auf 89 Prozent gestiegen.

Um den Konsumenten DAB+ verständlicher zu machen, wolle man in der laufenden Kampagne die Elektrofachhändler stärker einbeziehen oder Autoumrüstungen thematisieren. Nora Müller von der Agentur Republica, die im Auftrag des Bundes die DAB+-Kommunikationskampagne "Radio zieht um auf DAB+" führt, nannte diese Schwerpunkte. Das nächste SRG-Branchenforum findet am 3. Juni 2019 statt.

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