One-to-One mit Björn Block, Ikea

"Wir sahen eine Chance, das Smarthome für alle erhältlich zu machen"

Uhr

Seit dem vergangenen Jahr hat Ikea mit Home Smart einen eigenen Geschäftsbereich für alle Themen rund ums Smarthome. Leiter Björn Block sagt im Interview, was sich dadurch für Ikea verändert hat und welche Rolle der Schweizer Markt für Ikea Home Smart spielt.

Björn Block, Business Leader Ikea Home Smart (Source: zVg)
Björn Block, Business Leader Ikea Home Smart (Source: zVg)

Ist Ihr eigenes Zuhause smart?

Björn Block: Selbstverständlich! Wir probieren alle Ikea-Home-Smart-Produkte auch selbst aus. Meine Familie schätzt die smarten Lampen und die Symfonisk-Lautsprecher. Wir sind alle sehr glücklich in unserem Zuhause.

Sie sind bereits seit 2012 für Ikeas Smarthome-Bereich tätig. Wie hat sich der Smarthome-Markt in dieser Zeit verändert?

Es war eine fantastische Reise für die Industrie, den Markt und auch für Ikea. Als wir im Smarthome-Bereich starteten, gab es bereits Anwendungen, mit denen man das Zuhause zum Smarthome machen konnte. Aber diese Möglichkeit stand aus Kostengründen und weil die Implementierung sehr kompliziert war, nur einigen wenigen offen. Hier sahen wir eine Chance, uns zu etablieren und das Smarthome für alle erschwinglich zu machen.

Was hat sich für Ikea während dieser Zeit verändert?

Mit Ikea Home Smart wagten wir etwas komplett Neues. Wir richteten eine App ein, schafften ein Ökosystem, schlossen neue Partnerschaften und arbeiten mit neuen Testinstituten zusammen. Dazu brauchte es neue Kompetenzen. Wir stellten IoT-Architekten, Sicherheitsspezialisten und Cloud-Entwickler ein. Diese neuen Mitarbeitenden tragen nicht nur zur Digitalisierung des Zuhauses bei, sondern treiben auch die digitale Transformation bei Ikea selbst voran.

Wie reagierten die Ikea-Kunden auf die smarten Lösungen?

Als wir unsere erste Smart-Lighting-Lösung lancierten, waren wir überrascht, wie viele Nutzer gleich mehrerer Lichter miteinander vernetzten wollten. Wir dachten, dass sich die Kunden erst ans Smarthome herantasten wollen. Darum lancierten wir als Erstes ein fixfertiges Kit, in dem eine smarte Glühbirne und ein kabelloser Dimmer enthalten waren. Die Idee war, dass die Kunden dann später ein Gateway und weitere Glühbirnen hinzufügen können. Wir sehen aber, dass der Trend allgemein hin zu etwas komplexeren Lösungen geht und die Konsumenten mutiger sind, als wir erwartet hatten.

Im Sommer 2019 erklärte Ikea den Smarthome-Bereich Ikea Home Smart zur eigenen Geschäftseinheit. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?

Für Ikea Home Smart bedeutet der Schritt, dass die Probezeit nun vorbei ist. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass Smarthome-Lösungen einen wesentlichen Teil der Wohnungseinrichtung und des zukünftigen Ikea-Geschäfts ausmachen können. Nun, da Ikea Home Smart vom internen Start-up zur eigenen Geschäftseinheit geworden ist, können wir von allen Aspekten der Ikea-Maschinerie profitieren und werden stärker in die normalen Geschäftsabläufe eingebunden. Es kommt nicht alle Tage vor, dass Ikea eine neue Geschäftseinheit bildet. Zuletzt wurde 2006 mit Ikea Food ein neuer Geschäftszweig gegründet. Und davor 1997 als wir die Kinderabteilung lancierten.

Was erhoffen Sie sich durch die Massnahme?

Unser Ziel ist es, das Smarthome zur Evolution des Zuhauses zu machen und nicht nur eine Anhäufung von Gadgets zu bieten.

Welche finanziellen Auswirkungen hatte das Bilden der neuen Geschäftseinheit?

Es ist noch zu früh, um eine genaue Auskunft zu den Finanzen zu geben. Wir sehen aber, dass sich unser Smart-Lighting-Segment gut entwickelt. Auch im Bereich Smart Sound, den wir vergangenen August eingeführt haben, sehen wir Fortschritte.

Wie wichtig ist der Schweizer Markt für Ikea Home Smart?

Konkrete Verkaufszahlen kann ich nicht nennen. Ich kann Ihnen aber sagen, dass der Schweizer Smarthome-Markt wächst und Ikea im Bereich Smart Lighting 25 Prozent des Marktanteils ausmacht. Viele unserer Schweizer Kunden sind Digital Natives und daher sehr offen für neue Technologien. Die Voraussetzungen für uns im Schweizer Markt sind also gut und wir haben uns für die Zukunft ehrgeizige Ziele gesteckt.

Und welche Rolle spielt das B2B-Geschäft?

Unsere Zielgruppe besteht primär aus Endkonsumenten. Das B2B-Geschäft bietet aber generell viele Möglichkeiten für Ikea, nicht nur im Smarthome-Bereich. Viele unserer Produkte und Lösungen sind gut für kleine Unternehmen und kleine Läden geeignet. Wenn Sie beispielsweise ein Geschäft haben, in dem Sie 35 Glühbirnen und 5 Lautsprecher integrieren möchten, ist die Ikea-Home-Smart-Lösung ideal, um diese zu vernetzen und zu steuern. Da wir in erster Linie als Einrichtungsspezialist für die eigenen vier Wände gelten, besteht die Herausforderung für uns darin, diese kleinen Unternehmen zu erreichen und auf unsere Website oder in unsere Läden zu bringen.

Was unterscheidet Ikea von anderen Playern im Smarthome-Markt?

Abgesehen von unserer Expertise im Einrichtungsmarkt, haben wir im Gegensatz zu anderen Anbietern nicht den Luxus, unsere Produkte nur in einer Region oder einem Land zu lancieren. Wir haben eine globale Verpflichtung, die auch mit viel Aufwand und Verantwortung verbunden ist.

Welche Trends dominieren momentan den Smarthome-Markt?

Es gibt grosse regionale Unterschiede, was die Trends betrifft. In den USA ist beispielsweise die Verwendung von Sprachassistenten weit verbreitet, während in Asien smarte Geräten für den Haushalt populär sind. Die regionalen Unterschiede basieren auch auf den unterschiedlichen Denkweisen und Bedürfnissen der Menschen in den jeweiligen Regionen. In den nordischen Ländern ist Beleuchtung allgemein ein grosses Thema. Entsprechend ist dort auch der Smart-Lighting-Markt wichtiger als an anderen Orten. In anderen Ländern ist Security gefragter. Dort tendieren die Konsumenten eher dazu, smarte Türschlösser oder vernetzte Überwachungskameras zu kaufen. Der europäische Markt wächst laufend und ist dabei, die USA und Asien einzuholen, wenn es um smarte Haushaltsgeräte und das vernetzte Zuhause geht. Für uns ist das ein Zeichen dafür, dass das Smarthome gekommen ist, um zu bleiben.

Ikea hat angekündigt, seine Home-Smart-Plattform zu überarbeiten. Wie wird sich das neue System von der bisherigen Lösung unterscheiden? 

Da sich das System noch in der Entwicklung befindet, kann ich nicht allzu viel dazu sagen. Wir prüfen momentan, wie wir den Onboarding-Prozess für die Kunden vereinfachen können. Jeder soll in der Lage sein, unsere Produkte zu nutzen. Das vereinfachte Onboarding ist ein Grundlegender Schritt, um die Verwendung der Home-Smart-Produkte zu vereinfachen und den Kunden mehr Spass dabei zu bieten.     

Wird es dadurch auch einfacher werden, Ikeas Smarthome-Produkte via Sprachbefehl zu steuern? 

Wir haben momentan weder Mikrofone noch einen eigenen Voice Service in unsere Produkte integriert. Das soll auch so bleiben. Unser Gateway ist mit Sprachassistenten von Apple, Amazon und Google kompatibel. So haben Kunden die Möglichkeit, die Bedienungsart zu wählen, die für sie und ihr Zuhause am besten geeignet ist. Sei das per Sprachbefehl, über die Ike-Home-Smart-App oder mit einem unserer drahtlosen Controller. Der grösste Erfolgsfaktor liegt darin, eine Lösung zu schaffen, die für alle Bedürfnisse bei jeder Gelegenheit geeignet ist. 

Hängt die Entscheidung keine Mikrofone in Ihre Produkte zu integrieren auch mit Fragen der Sicherheit zusamme?  

Uns ist es wichtig, dass die Nutzer aktiv entscheiden können, ob sie ein Mikrofon im Haus haben möchten oder nicht. Wer sein Smarthome per Voice Assistant steuern möchte, kann es mit unserem System auf einfache Weise tun. Wenn Sie sich aber einfach eine smarte Glühbirne von Ikea kaufen, heisst das nicht, dass Sie sich damit automatisch ein Mikrofon ins Haus holen müssen. 

 

Im Bereich Smart Sound ist Ikea eine Partnerschaft mit Sonos eingegangen. Planen Sie mit weiteren Herstellern zusammenzuarbeiten? 

Als neugieriges Unternehmen sind wir immer offen für Kooperationen und Partnerschaften, die uns sinnvoll erschienen. Die Partnerschaft mit Sonos war eine klare Win-Win-Situation. Wir hatten keine Erfahrung mit der Herstellung von Lautsprechern, waren aber sehr neugierig, was Musik zur Atmosphäre daheim beitragen kann. Sonos hingegen kannte sich weniger aus, wenn es um das Leben zuhause geht. Hier konnte Ikea eine Menge Einblicke bieten. Weder Ikea noch Sonos hätte die Produkte, die wir unter der Marke Symfonisk lancierten alleine herstellen können. 

 

Welche Pläne hat Ikea Home Smart für die nächsten Jahre? 

Wir werden unsere Partnerschaft mit Sonos weiter ausbauen und gemeinsam neue Produkte lancieren. Ausserdem ist das Segment Smart Lighting stärker gewachsen, als wir erwartet hätten. Darum arbeiten wir daran auch hier das Angebot zu erweitern. Generell möchten wir alle Segmente, die wir bereits abdecken ausweiten. Wir möchten auch neue Bereiche erschliessen. Welche das sind, kann ich Ihnen heute allerdings noch nicht verraten.

::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Persönlich

Björn Block wurde 1974 in Stockholm, Schweden, geboren. Er studierte Industriedesign an der Technischen Universität in Sydney und war schon immer daran interessiert, Ästhetik und Funktionalität zu verbinden. Nach zehn Jahren in der Küchenindustrie kam er 2012 als Home Smart Business Area Manager zu Ikea, um sich auf die Beleuchtung und Ikea Home Smart zu konzentrieren. Er ist verheiratet und hat Kinder. (Source: Ikea)

Webcode
DPF8_178111

Kommentare

« Mehr