Langzeitstudie

Videospiele mit Gewaltinhalten machen nicht gewalttätig

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Kinder und Jugendliche, die regelmässig Games mit gewalttätigen Inhalten spielen, werden dadurch nicht automatisch aggressiv. Zu diesem Befund kommen Wissenschaftler, die 10- bis 23-jährige Gamer über zehn Jahre lang beobachteten. Ältere Studien lassen allerdings andere Schlüsse zu.

(Source: Fábio Silva / Unsplash)
(Source: Fábio Silva / Unsplash)

Wer Videospiele mit gewalttätigen Inhalten spielt, wird dadurch nicht automatisch aggressiv oder gewalttätig. Auch wer über mehrere Jahre hinweg solche Spiele zockt, muss nicht mit psychologischen Folgen rechnen. Dies ergibt gemäss "Heise" eine im Fachjournal "Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking" veröffentlichte Langzeitstudie. Wissenschaftler beobachteten während zehn Jahren eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus den USA im Alter von 10 bis 23 Jahren.

Die Studienautorinnen Sarah Coyne von der Brigham Young University in Idaho und Laura Stockdale von der Loyola University Chicago teilten die Probanden in drei Gruppen auf:

  • Kinder und Jugendliche, die von Anfang an gerne Spiele mit gewalttätigen Inhalten spielten und bereits im frühen Alter häufig zu solchen Games griffen (4 Prozent).

  • Kinder und Jugendliche, die zu Beginn der Studie eine moderate Affinität zu Gewalt-Games hatten (23 Prozent).

  • Kinder und Jugendliche, die Games mit wenig oder gar keinen gewaltsamen Inhalten bevorzugten (73 Prozent).

Die Autorinnen fanden zudem zu Beginn der Studie heraus, dass Jungs einen grösseren Hang zu gewalttätigen Spielen haben als Mädchen.

Abneigung gegenüber Gewalt nimmt mit zunehmendem Alter ab

"Die Gruppen mit hoher anfänglicher Gewaltbevorzugung und ihr moderates Pendant zeigten laut den Resultaten ein kurvenförmiges Muster des gewalthaltigen Videospiels im Zeitverlauf", heisst es bei "Heise". Die Studienteilnehmenden, die anfangs wenig von Gewalt in Games hielten, hätten ihre Abneigung gegenüber solchen Inhalten mit fortschreitendem Alter etwas abgelegt.

Im Grossen und Ganzen fanden die Forscherinnen auch nach zehn Jahren keine Unterschiede im prosozialen Verhalten der drei Gruppen. Gemäss Studie gibt es also keinen Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten und Videospielen mit gewalttätigen Inhalten.

Andere Studien, andere Ergebnisse

Immer wieder beschäftigen sich Forschende mit dem Zusammenhang von Gewalt in Videospielen und dem Verhalten der Spieler und Spielerinnen und kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. So zeigte eine Studie der American Psychological Association aus dem Jahr 2017, dass ein Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten und dem Spielen von Games mit Gewaltinhalten besteht. Die Autoren verglichen mehrere Studien zum Thema aus den Jahren 2009 bis 2013. Sie schreiben von erhöhtem aggressivem Verhalten, erhöhter Desensibilisierung, verringerter Empathie und erhöhter psychologischer Erregung bei Spielern und Spielerinnen solcher Games.

Das muss aber nicht heissen, dass Gamer, die regelmässig zu Call of Duty, Grand Theft Auto, Doom und Co. greifen, automatisch sozial auffällig oder gar zu Straftätern werden. "Unsere Arbeitsgruppe kam zum Schluss, dass die Nutzung von gewalthaltigen Videospielen einen Risikofaktor darstellt, fand jedoch nicht genügend Studien, um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Nutzung gewalthaltiger Videospiele und Delinquenz oder kriminellem Verhalten zu untersuchen", schreiben die Autoren von der American Psychological Association.

Egal, ob man gerne Baller-Games oder lieber Spiele ohne gewalthaltige Inhalte spielt, die Auswahl der richtigen Hardware ist nicht immer leicht. Im Beitrag "Playstation, Xbox oder Switch: Das zeichnet die einzelnen Konsolen aus" erfahren Sie, welche der drei Konsolen sich für welchen Gamer-Typ eignet.

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