GfK Handelstagung

Corona schadet dem Schweizer Detailhandel weniger als gedacht

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Zum ersten Mal seit 2014 ist der Schweizer Detailhandel im vergangenen Jahr wieder gewachsen. Die Zahlen für 2020 sehen trotz Coronakrise besser aus als erwartet. Und der Markt für technische Konsumgüter soll sogar leicht zunehmen.

(Source: yong hong / Fotolia.com)
(Source: yong hong / Fotolia.com)

2019 war ein gutes Jahr für den Schweizer Detailhandel. Seit 2014 war er zum ersten Mal wieder auf Wachstumskurs. Das gab Marktforscher GfK an seiner Handelstagung bekannt. Zu Beginn der Präsentation gab Michel Rahm, GfK Client Business Partner, einen Überblick der Themen, die 2019 prägten. Dazu zählten die Klimabewegung, neue Technologien wie 5G und die damit verbundenen Ängste der Bevölkerung sowie der Bereich Gaming.

Die Gewinner im Detailhandel 2019 waren laut Rahm Discounter und der Onlinehandel. So wuchs der Konsum im Onlinehandel um 8,4 Prozent und stieg somit auf 800 Millionen Franken an. Innerhalb der letzten 10 Jahre stieg der Anteil des Onlinehandels an den Gesamteinkäufen durchschnittlich um 8 Prozent. Ausserdem nahm der internationale Einfluss auf die Schweizer Detailhandelslandschaft erneut zu.

Der im Internet getätigte Non-Food-Handel hatte 2019 einen Anteil am gesamten Schweizer Detailhandel von 16,9 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 16 Prozent. Der Online-Food-Handel verzeichnete einen Anteil von 2,8 Prozent.

(Source: Screenshot GfK-Handelstagung)

Die Liste der Top-10-Detailhändler aus Kundensicht veränderte sich 2019 laut Rahm nur geringfügig. Besonders erfreulich sei, dass sich unter den Top-10 neun Schweizer Konzepte befänden. Von den Top-10 verzeichnete Digitec Galaxus (auf Platz sieben) das grösste Umsatzplus mit einem Wachstum von 16,1 Prozent. Das entspricht einem Umsatz in Höhe von 1,06 Milliarden Franken. Der Migros Genossenschaftsbund auf Platz eins setzte 14,389 Milliarden Franken um. Coop (auf Platz zwei) und Denner (auf Platz drei) verzeichneten einen Umsatz von 13,387 respektive 3,407 Milliarden Franken.

B2B-Kunden treiben den Markt für technische Konsumgüter an

Einen detaillierten Einblick ins Geschäft mit technischen Konsumgütern gab Luca Giuriato, Market Expert Multimedia bei GfK. Die Bereiche Consumer Electronics, Photo, IT- und Office-Equipment, Telekom und SDA (Small Domestic Appliances) setzten 2019 insgesamt 5,2 Milliarden Franken um, was einer Zunahme von zwei Prozent entspricht. Am grössten war der Umsatz im Bereich IT- und Office-Equipment mit 2,2 Milliarden Franken, gefolgt von Telekom mit 1,3 Millarden. An dritter Stelle lag der Bereich Consumer Electronics mit 1 Milliarde Franken. Verglichen mit dem Vorjahr stiegen die Umsätze mit IT- und Office-Equipment, Telekom und SDA. In den Bereichen Consumer Electronics und Photo ging es hingegen leicht abwärts.

(Source: Screenshot GfK Handelstagung)

Der Blick auf den Markt mit technischen Konsumgütern trübt laut Giuriato allerdings. Denn es seien nicht die Verbraucher, die hier in erster Linie für das Gesamtwachstum sorgten, sondern Business-Kunden, die sich vermehrt im Retail mit Monitoren, Computern und Co. eindeckten. Das Wachstum im Bereich Telekom führt Giuriato in erster Linie auf Premium-Smartphones zurück. "Das Handy ist zum Statussymbol und täglichen Begleiter geworden, weshalb Konsumenten eher bereit sind, in ein gutes Smartphone zu investieren", sagte er. Auch der Rückgang im Photo-Markt ist laut Giuriato auf Smartphones zurückzuführen, genauer gesagt auf die mittlerweile sehr guten Handy-Kameras.

Kompensationseffekt nach dem Lockdown

Im ersten Quartal 2020 lag die Nachfrage nach Heimelektronik 2,4 Prozent im Plus. Kurz nach Bekanntgabe des Lockdowns – allerdings noch vor den Ladenschliessungen – sei die Nachftage nach TV-Geräten stark gestiegen. Vor allem der stationäre Handel profitierte laut Giuriato davon. Während des Lockdowns stieg dann die Nachfrage für Homeoffice- und Homeschooling-Produkte. Der Onlinehandel sei dabei an seine Grenzen gestossen und der Umsatz hätte im April 10,3 Prozent hinter dem Vorjahresumsatz gelegen.

Ein starkes Plus (58 Prozent) gab es hingegen kurz nach dem Lockdwon, in der Kalendwerwoche 20. Laut Giuriato hielt dieser Kompensationseffekt auch in den drei darauf folgenden Wochen an.

Die Marktforscher gehen davon aus, dass der Markt für technische Konsumgüter 2020 trotz der Coronakrise mit einer Zunahme von 2,3 Prozent leicht wachsen wird. Allerdings nur unter der Prämisse, dass es keine zweite Welle geben wird. Der Onlinehandel soll dabei 43 Prozent der gesamten Verkäufe ausmachen. GfK prognostiziert, dass der Gesamtumsatz des hiesigen Detailhandels 2020 ungefähr gleichauf mit dem Vorjahr liegen wird.

Wie einige Händler die vom Bund für die Wiedereröffnung vorgeschriebenen Schutz- und Hygienemassnahmen umsetzten, können Sie hier nachlesen.

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