Erster SRG-Autoworkshop

"Big Business" mit DAB+ im Auto

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Die SRG hat den ersten Autoworkshop veranstaltet. Mehrere Referenten sehen die DAB+-Nachrüstung im Auto als vielversprechende Geschäftsmöglichkeit. Die SRG nannte auch einige Neuheiten zum DAB+-Netz.

Gils Glauser (l.) und Martin Acklin-Peyer von der SRG. (Source: SRG)
Gils Glauser (l.) und Martin Acklin-Peyer von der SRG. (Source: SRG)

Am Donnerstag hat die SRG zum ersten Autoworkshop nach Opfikon geladen. In der Nähe der Fernseh- und Radiostudios sprachen ein halbes Dutzend Referenten über das Thema "Bereit für das Ende von UKW? DAB+ im Auto nachrüsten". Über 50 Teilnehmer waren vor Ort, die hauptsächlich aus der Autobranche kamen. Niklaus Kühne, Leiter Fachkommunikation der SRG, erklärte: "Wir wollen die wichtigsten Keyplayer der Automobilindustrie zusammenbringen, um DAB+ gemeinsam zu planen."

Niklaus Kühne erinnerte daran, dass das Aus von UKW nach 70 Jahren besiegelt ist, den Abschaltzeitpunkt fixierte die zuständige Arbeitsgruppe Digitale Migration aber noch nicht. Zwei Varianten stünden zur Diskussion: Eine Abschaltung der SRG-Radiosender bis 2022/2023 und darauf folgen die Privatsender bis Ende 2024, oder eine Abschaltung aller Sender Ende 2024. Anfang 2021 wolle die Arbeitsgruppe den definitiven Entscheid kommunizieren.

DAB+ hat UKW überholt

Kühne nannte Gründe für das UKW-Aus. Dieses Jahr hat DAB+ laut GfK-Umfrage UKW überhol. Lesen Sie hier mehr dazu. Zwei Drittel der Radionutzung seien bereits digital, nur noch gut 17 Prozent der Bevölkerung würden Analogradio hören. Deshalb seien die 20 Millionen Franken, welche die SRG für UKW pro Jahr investiert, nicht mehr gerechtfertigt. Die Investitionen würden teurer, Technik und Infrastruktur für UKW seien veraltet. Manch Antenne sei verrostet. Ausserdem habe die SRG ab nächstem Jahr keine UKW-Versorgungspflicht mehr. Ab dann sei es möglich, dass einzelne Sender, etwa wegen verrosteter Antennen abgeschaltet würden.

DAB+ bietet laut Kühne gegenüber UKW viele Vorteile: Das digitale Radio ermögliche etwa rauschfreien Empfang, biete mehr Programme, grössere Verbreitungsgebiete, mehr Energie- und Kosteneffizienz sowie Zusatzinformationen wie Text und Bild. Auch gegenüber 5G sei DAB+ im Vorteil, weil das Netz weniger Sender und Antennen brauche, die Nutzung anonym sei und auch im Notfall funktioniere. Zudem sei auch kein Abo wie beim Handy nötig. In Norwegen kam das Aus für UKW Ende 2017 und parallel zur Schweiz sollen andere Länder folgen. Verstärkt werde die DAB+-Durchdringung, weil Ende nächsten Jahres eine EU-Pflicht für Digitalempfänger komme.

Niklaus Kühne begrüsste mehr als 50 Teilnehmer am ersten Autoworkshop der SRG. (Source: SRG)

Besserer Empfang in der Ostschweiz

Die SRG baut das DAB+-Netz stark aus, wie Martin Acklin-Peyer sagte. So sei seit vergangener Woche besserer DAB+-Empfang in der gesamten Ostschweiz verfügbar, sagte der Fachspezialist Architecture und Solution Design der SRG. Bis Ende 2019 würden zudem alle Tunnel mit mehr als 300 Meter Länge mit DAB+ ausgerüstet. Neu biete die SRG auch alle Verkehrsdaten für Navigationsgeräte mit DAB+, wodurch die Daten schneller, präziser und umfassender als zuvor seien. Ausserdem veröffentlichte die SRG einen neuen Einkaufsberater Digitalradio. Weitere Infos dazu finden sich auf broadcast.ch.

Der Digitalradiopionier Ernst Werder gab einen kurzen Einblick, worauf man beim Nachrüsten von DAB+ im Fahrzeug achten muss. Er empfahl etwa, Adapter und Antenne einzeln statt im Paket zu kaufen, denn meist sei die Qualität der Antenne im Paket ungenügend. Werder nannte Störquellen für den Empfang im Auto wie Thermoscheiben, Dashcams oder nachgerüstete LEDs. Für die Vollintegration empfiehlt Werder den Gang zum Profi in der Garage. Er leitet in Zusammenarbeit mit dem Autogewerbeverband Schweiz einen Tageskurs für die DAB+-Nachrüstung im Auto für Garagisten und Fachhändler. Der Kurs wird mit einer Prüfung abgeschlossen.

Der Digitalradiopionier Ernst Werder gab Tipps zur DAB+-Nachrüstung im Auto. (Source: Netzmedien)

Nächster Halt: Lausanne

Ernst Werder sieht ein "Big Business" mit DAB+ im Auto. Rund 3 Millionen Autos müssten in der Schweiz nachgerüstet werden. Ins gleiche Lied stimmte Sandro Francescutto, Leiter Garagenkonzepte Schweiz bei Robert Bosch. Francescutto schwärmte von den Servicemöglichkeiten bei der DAB+-Nachrüstung. Für dieses Geschäft müssten Garagisten und Händler laut Werder aktiv sein und Werbung machen, die Kunden mit Emotionen statt mit dem Preis überzeugen. Darauf folgte eine längere Diskussion mit den Teilnehmern, ob sich eine Installation zum 99-Franken-Radio verkaufen lässt. Die Meinungen gingen stark auseinander.

Die SRG zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des ersten Workshops zu DAB+. Der Anlass habe gezeigt, dass das Bedürfnis da sei, dieses Treffen weiterzuführen, sagt Niklaus Kühne. Nächstes Jahr werde sicher wieder ein solcher Workshop stattfinden. Dann würde er sich mehr Teilnehmer inklusive Privatradios wünschen. Als nächstes folgt dieselbe Veranstaltung kommenden Donnerstag in Lausanne, wofür noch Anmeldungen möglich sind.

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