Besuch im Handel

Mystery-Shopping: "Mystery-Shopping funktioniert bei uns nicht"

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Astrid T. hat sich auf die Suche nach einem qualitativ höherwertigen Ersatz für Apples Airpods gemacht. In der Schweiz musste sie – wie schon in Asien – nicht lange suchen. Zu hören bekam sie allerdings kaum etwas.

Astrid T. hat sich ein neues iPhone und dazu kabellose In-Ear-Kopfhörer besorgt. Doch mit den Airpods ist sie nicht zufrieden. Sie will Kopfhörer mit besserer Soundqualität. Astrid suchte im Handel nach Alternativen für die kabellosen Apple-Kopfhörer und ging in Begleitung von "CEtoday" auf Mystery-Shopping-Tour, die sie zu Melectronics, Fust, Apple und zwei Fachhändlern führte. Bereits zuvor war sie in ihren Ferien in Singapur bei zwei Retailern gewesen.

Retailer 1 in Singapur

Astrid war in den Ferien auf Asien-Reise, als in ihr der Wunsch nach qualitativ höherwertigen Kopfhörern reifte. In einer grossen Shopping-Mall in Singapur ging sie zu einem CE-Retailer, wo sie ein Verkäufer ansprach, der ein T-Shirt von Klipsch trug. Nachdem sie dem Verkäufer erklärte hatte, wonach sie suchte, war sie deshalb kaum überrascht, als er ihr zum Modell T5 True Wireless von Klipsch riet. Das Modell sei erst seit einem Monat erhältlich, sagte der Verkäufer. Dennoch war es bereits zum Aktionspreis von umgerechnet rund 224 statt 245 Franken erhältlich. Die Variante von Beats koste etwa gleich viel, biete aber nicht dieselbe Soundqualität. Als weitere Variante zeigte er ihr das Modell Momentum True Wireless von Sennheiser, das aber deutlich teurer sei und über einen schlechteren Akku als das Gerät von Klipsch verfüge. Dann sprach er über die 70-jährige Geschichte des Herstellers. Um Astrid von der Soundqualität zu überzeugen, nahm er die Klipsch-Kopfhörer aus einer Vitrine und gab sie ihr zum Testen. Astrid war angetan von der Leistung der Hörer, wollte aber noch weitere Meinungen einholen. Sie verabschiedete sich nach gut 5 Minuten Beratung und ging zum nächsten CE-Retailer in der Mall.

Retailer 2 in Singapur

Beim zweiten Retailer bot ein Verkäufer Astrid seine Hilfe an, verwies sie aber an eine Kollegin, nachdem er erfahren hatte, worum es geht. Die Kollegin meinte, dass das Modell Momentum True Wireless von Sennheiser die beste Soundqualität aller kabellosen In-Ear-Kopfhörer biete. Astrid wollte wissen, warum das Modell mit umgerechnet rund 310 Franken deutlich teurer ist als die Konkurrenzmodelle, worauf die Verkäuferin knapp entgegnete: "Weil Sennheiser so viel besser als die anderen ist." Auch sie wollte Astrid mit einer Demonstration vom Produkt überzeugen. Diese scheiterte jedoch daran, dass der Akku des Kopfhörers nicht aufgeladen war. Stattdessen wollte sie Astrid ein Sportkopfhörer-Modell von Sony vorführen, das "nicht schlecht" und gerade zum Aktionspreis von umgerechnet rund 140 Franken erhältlich sei. Astrid wollte aber das Beste oder gar nichts und verabschiedete sich deshalb nach rund 3 Minuten Beratung.

Melectronics

Zurück in der Schweiz ging Astrid zu Melectronics und sprach eine Verkäuferin hinter dem Tresen auf ihre Suche an. Auch diese Verkäuferin meinte, dass das Sennheiser-Modell das beste auf dem Markt sei, aber rund doppelt so teuer wie Apples Airpods. Dafür bekomme man einen Hörer, der bei hohen, mittleren und tiefen Tönen stark sei und ausserdem eine App biete, mit der sich der Tuner anpassen lasse. In Youtube-Videos würden die meisten Tester vom Produkt schwärmen. Ebenfalls empfehlenswert sei das Modell Powerbeats Pro, das sie selbst besitze und sehr bequem zu tragen sei. Den Sennheiser-Hörer habe sie noch nicht ausprobiert, sie wisse aber, dass er noch eine Stufe höher als das Beats-Modell einzustufen sei. Demonstrieren könne sie die Hörer aber nicht, weil sie nicht an Lager vorrätig seien. Astrid bedankte sich nach gut 4 Minuten Beratung und ging weiter.

Fust

Bei Fust sprach Astrid wiederum einen Verkäufer auf ihre Suche an, worauf der ihr zu einem Modell mit Nackenbügel riet, damit keine Gefahr bestehe, einzelne Hörer verlieren zu können. Er empfahl ein Modell von Awei für rund 60 Franken, "weil es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet". Astrid wollte wissen, warum das Modell im Vergleich zu anderen so viel günstiger ist, worauf der Verkäufer sagte: "Der hohe Preis ist meist nur Marketing. Technisch gesehen ist das Modell gleich gut wie ein Kopfhörer von JBL oder anderen Herstellern." Nur Bose und B&O seien eine bessere Klasse. Astrid wollte wissen, ob sich ein Modell der beiden Hersteller nicht besser für sie eignen würde. Doch der Verkäufer sagte: "Mir reicht die Qualität von Awei völlig aus. Musik ist mir wichtig, aber ich würde nie mehr als 120 Franken für ein Audiogerät ausgeben." Astrid bedankte sich nach rund 3 Minuten Beratung.

Apple

Sie ging weiter zu Apple, wo sie von einer Verkäuferin begrüsst wurde. Diese zeigte ihr kabellose Kopfhörer von Apple und Beats. Qualitative Unterschiede gebe es dabei nicht viele, der Klang sei genau gleich, meinte die Verkäuferin. Der Powerbeats Pro sei für Sport ausgelegt und biete einen etwas besseren Akku. Astrid bedankte sich nach gut 2 Minuten und schaute sich schliesslich ohne die Verkäuferin die Modelle in der Verpackung an. Kurz darauf sprach sie eine weitere Verkäuferin an. Astrid fragte sie, ob sie ein Produkt ausprobieren könne. Das sei zwar möglich, die Akkus der Kopfhörer aber im Moment nicht aufgeladen. Falls Astrid zu einem späteren Zeitpunkt erneut vorbeikomme, könne sie die Hörer ausprobieren, erhielt sie als Antwort.

Radio-TV-Fachhändler

Astrid ging aber nicht in das Ladengeschäft zurück. Sie versuchte es beim Fachhändler. Der war aber geschlossen. An der verschlossenen Eingangstür prangte ein Zettel, der auf einwöchige Betriebsferien hinwies.

Kopfhörer-Fachhändler

Also ging Astrid zum nächsten, diesmal auf Kopfhörer spezialisierten Fachhändler. Doch dort erkannte der Verkäufer Astrids Begleitung von "CEtoday" und sagte: "Mystery-Shopping funktioniert bei uns nicht, wir kennen euch!" Darauf brachen sie die Tour ab.

Fazit

Astrid beendete die Mystery-Shopping-Tour etwas ernüchtert. Ausser in Singapur konnte sie keine Kopfhörer ausprobieren. Möglich gewesen wäre das wohl beim Fachhändler, der das Team von "CEtoday" allerdings erkannte, und auch bei Apple, wenn sie wieder vorbeigegangen wäre. Doch alle weiteren Verkäufer boten ihr aus unterschiedlichen oder gar keinen Gründen keine Vorführung an. Ausserdem fühlte sie sich von manch einem Verkäufer wie bei Fust nicht ernst genommen. Riet ihr dieser doch zu einem der günstigsten Modelle. Ihr war unverständlich, dass der Verkäufer vom qualitativ höherwertigen Produkt aufgrund des höheren Preises abriet. So sollte keine Beratung ausfallen, fand Astrid.

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