Kopfhörer mit Noise-Cancelling

Mystery-Shopping: "Fairtec ist genau so gut wie Sony"

Uhr | Aktualisiert

Astrid T. hat sich auf die Suche nach einem Wireless-Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Funktion ­gemacht. Die Mystery-Shopperin wollte wissen, ob der Handel inzwischen mehr als nur Bose ­empfiehlt. Möglichkeiten zum Ausprobieren gab es wenige.

(Source: ©rohappy - stock.adobe.com)
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Astrid T. hat immer noch keinen Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Funktion. Sie wollte schon lange ein Modell, mit dem sie auf Flugreisen oder im Zug ungestört mal ein Nickerchen machen könnte. Der Kopfhörer sollte also möglichst bequem sein und Over-Ear, weil sie In-Ear-Modelle unbequem findet. Kabellos sollte er sein, hochwertige Musik- und Noise-Cancelling-Eigenschaften waren ihr natürlich auch wichtig und bis zu 400 Franken wert. Die vergangenen Male empfahlen ihr die meisten Händler Kopfhörer von Bose. Sie wollte wissen, was sich getan hat und ging in Begleitung von "CEtoday" auf Mystery-Shopping-Tour zu Interdiscount, Melectronics, Fust, Media Markt, Manor, Digitec und zum Fachhändler.

Interdiscount

Die erste Station war Interdiscount, wo ein Verkäufer Astrid beim Eintreten begrüsste. Sie erklärte ihm ihr Anliegen, worauf er sie zu einem Regal mit verpackten Kopfhörern führte. Er zeigte auf Modelle von Sony und Bose zu rund 150 bis 380 Franken, die gut seien. Astrid wollte wissen, warum er die Geräte empfahl. Da entgegnete er: "Die sind wirklich gut." Das war Astrid nicht genug, sie fragte ihn nach der Noise-Cancelling-Funktion, worauf er ihr wieder versicherte, dass die Leistung gut sei. Ausprobieren könne sie die Geräte aus Hygienegründen nicht. Damit war die Beratung nach anderthalb Minuten beendet.

Melectronics

Bei Melectronics fand Astrid wieder nur verpackte Kopfhörer. Sie ging zum Kassentresen und fragte einen Verkäufer nach Kopfhörern. Der führte sie zurück zu den Verpackungen, zeigte auf Modelle von Marshall, JBL, Bose und Sony und sagte: "Die Unterschiede liegen in der Marke und Optik. JBL ist für Jugendliche, Marshall elegant." Den besten Kopfhörer biete Bose für rund 400 Franken. Er sagte: "Seit ich bei Melectronics arbeite, sagt mir jeder, dass Bose das beste sei, was man verkaufen könne." Sony sei zwar auch gut, das Noise Cancelling von Bose aber unschlagbar. "Bose kriegte auch als Einziger In-Ear-Kopfhörer mit Noise Cancelling hin", sagte der Verkäufer. Dann sprach er über App, NFC und Bluetooth. Astrid wollte wissen, ob sie das Gerät ausprobieren könne. Doch der Verkäufer verneinte und sagte: "Wir haben noch vier Monate ein Provisorium wegen des Umbaus und deshalb keinen Platz für Ausstellungsgeräte. Versuchen Sie es doch bei Fust oder Media Markt." Er bot Astrid an, ein Gerät auszupacken, um es auszuprobieren. Das schien ihr aber ohne aufgeladenen Akku nicht sinnvoll. Sie verabschiedete sich nach gut 8 Minuten.

Fust

Astrid hörte auf den Rat des Melectronics-Verkäufers und ging zu Fust. Am Kassentresen erklärte sie dem Verkäufer, wonach sie suchte, worauf er sie wieder zu einer Menge Kopfhörerverpackungen führte. Er zeigte auf ein Fairtec-Modell zum Aktionspreis von rund 70 statt 140 Franken. Der Verkäufer meinte: "Fairtec ist unsere Eigenmarke, aber genauso gut wie Sony." Astrid sah den vom Melectronics-Verkäufer empfohlenen Bose-Kopfhörer, hier für 349 Franken. Sie wollte wissen, warum er so viel mehr kostet als der Fairtec-Kopfhörer. "Das ist eine völlig andere Liga. Falls Sie guten Sound mögen, dann lohnt sich Bose. Ich habe genau denselben", antwortete der Verkäufer und zählte wieder die Funktionen auf, diesmal mit deutlich mehr Begeisterung. Doch auch er könne "aus Hygienegründen keine Vorführung bieten". Auch ein Umtausch sei bei Kopfhörern nicht möglich. Astrid verabschiedete sich nach 4 Minuten Beratung.

Media Markt

In der Media-Markt-Kopfhörerabteilung sah Astrid zahlreiche ausgestellte Modelle ohne Verpackung. Ein Verkäufer kam auf sie zu und bot ihr Hilfe an. Er fragte sie nach ihrem Budget und empfahl zwei Geräte: Der Bose Quietcomfort 35 II biete den besseren Sound, der Sony 1000 MX3 das bessere Noise Cancelling. Sein Favorit sei das Sony-Modell. Er setzte ihn sich auf und führte die Touch-Bedienung an der Hörmuschel vor. Er schwärmte von Noise-Cancelling-Funktionen wie Druckausgleich und erklärte jeweils auch die Technik in für Astrid verständlichen Worten. Er bedauerte, dass die Kopfhörer nicht angeschlossen seien wie in der Filiale, wo er zuvor gearbeitet habe. Er würde ihr gerne das Noise Cancelling vorführen, sagte er. Deshalb solle sie doch nächste Woche wiederkommen, damit er das Gerät bis dahin aufladen könne. Sich mehrmals entschuldigend begleitete er Astrid nach gut 7 Minuten begeisterter Beratung fast bis zum Ausgang und schwärmte vom Kopfhörer.

Manor

Astrid ging zu Manor und sprach eine Verkäuferin an. Die fragte einen Kollegen, der sich besser auskenne, sagte sie. Weil der aber ebenfalls einen Kunden beriet, sagte er Astrid, sie solle funktionsbereite Kopfhörer von Bose und Beats ausprobieren. Astrid tat wie geraten und probierte den Bose-Kopfhörer aus. Nach weniger als einer Minute kam der Verkäufer zu ihr und schwärmte in höchsten Tönen vom Bose-Hörer und dessen Eigenschaften. Auch er besitze das Modell und habe es mit zahlreichen anderen verglichen. Er erklärte, wie das Noise Cancelling funktioniert, und lobte Bose für die Kulanz bei Garantiefällen. Das sei etwa bei Beats ganz anders. "Beats ist cool, die gehören zu Apple, das ist auch cool, aber die gehen schnell kaputt, und die Garantieleistungen sind nicht cool." Er sagte, dass der Bose-Kopfhörer derzeit zum Aktionspreis von 379 Franken erhältlich sei und falls Astrid eine Manor-Kundenkarte bestelle, bekomme sie zudem 10 Prozent Rabatt auf den ersten Einkauf. Astrid bedankte sich nach gut 5 Minuten.

Digitec

Bei Digitec zog Astrid eine Nummer und war sofort an der Reihe. Ein Verkäufer hörte sich ihr Anliegen an und zeigte am Bildschirm wieder die Kopfhörer von Bose und Sony für bis zu 350 Franken. Damit könne Astrid nichts falsch machen, das sehe sie auch an den Kundenbewertungen. Nachdem er den Ton der beiden Modelle lobte, riet er Astrid nach gut 2 Minuten, die ausgestellten Kopfhörer auszuprobieren. Das tat sie für eine Weile und ging schliesslich zur letzten Station ihrer Tour.

Kopfhörer-Fachhändler

Beim auf Kopfhörer spezialisierten Fachhändler begrüsste ein Verkäufer Astrid, der gerade zwei weitere Kunden bediente. Trotzdem hörte er sich Astrids Anliegen an und sagte, sie solle die Kopfhörer am Tisch nebenan mit einer anderen Kundin ausprobieren, die dasselbe suche. Die Kopfhörer kosteten zwischen 250 bis 400 Franken und seien alle gut, aber ausprobieren müsse sie sie selbst. Es gebe so vieles wie den Ton oder die Verarbeitung, worauf zu achten sei. Bei Bose sei etwa vieles aus Plastik, dafür der Ton gut. "Das muss man selbst fühlen und hören", sagte er und liess Astrid Hörer von Sennheiser, Kef und Bowers & Wilkins ausprobieren. Während sie das tat, kaufte die Kundin neben ihr ein Modell von Sennheiser. Der Verkäufer fragte Astrid, ob sie sich entschieden habe. Das hatte sie nicht, mehrere Modelle gefielen ihr. Sie verabschiedete sich nach gut 8 Minuten und beendete die Mystery-Shopping-Tour.

Fazit

Astrid war zufrieden, der Abschluss fiel gut aus. Die ersten besuchten Händler waren zwar meist begeistert von den Geräten, die sie verkauften. Besonders lobenswert zu erwähnen war der Media-Markt-Verkäufer. Doch sie alle konnten Astrid kein Modell vorführen. Der subjektive Eindruck ist nun einmal entscheidend beim Kopfhörer-Kauf, wie auch der Verkäufer beim Fachhändler sagte. Er war auch der Einzige, der ihr nicht zum Bose-Modell riet.

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