Hands-on

Sonos: "Die Probleme sind wahrscheinlich auf das Netzwerk zurückzuführen"

Uhr

Seit Juli habe ich rund 4000 Franken in mein smartes Zuhause investiert. Alles funktioniert bestens. Aber dann beginnen einige Dinge schiefzulaufen.

Die Sonos Soundbar Arc (Source: Netzmedien)
Die Sonos Soundbar Arc (Source: Netzmedien)

Wie wohl auch einige andere habe ich mich während des Lockdowns vor allem mit meinem Zuhause und der Verschönerung desselben befasst. Das nicht verbrauchte Ferien-Budget will ja ausgegeben sein.

Alles fängt mit dem Wunsch an, dass ich eine Stehleuchte bei mir im Wohnzimmer aus- und einschalten will, ohne mich vom Sofa erheben zu müssen. Natürlich denke ich bei der Lösung an eine smarte Hue-Lampe von Philips und ich bestelle schliesslich nicht nur eine, sondern gleich das Starterset mit drei Lampen und Hue Bridge, denn ich will auch die kleine Tischleuchte auf der Kommode in der Ecke mit einer smarten Lampe ausstatten.

Meine Freude ist gross, als das Paket mit den neuen "Spielsachen" eintrifft. Sogleich installiere ich die beiden Lampen und verbinde sie mit der Bridge, integriere sie mit Apple Homekit und aktiviere Siri für die Sprachsteuerung.

Nach dem Verbinden der Brigde mit dem WLAN steuere ich die Lampen easy über die Hue-App beziehungsweise über Siri auf meinem iPhone. Das gefällt mir so gut, dass ich sogleich meine gesamte Wohnung mit smarter Beleuchtung ausrüste.

Im Smarthome-Rausch

Und so bestelle ich weitere 18 farbige LED-Lampen mit GU10-Fassung als Ersatz für meine Halogenspots und zwei weitere weisse Lampen mit E27-Gewinde für die Leuchte über dem Esstisch. Natürlich schlucke ich leer, als mir der Warenkorb des Onlinehändlers den Gesamtpreis anzeigte. Der Impuls zum "Habenwollen" ist aber stärker als die schmerzhafte Zahlung.

Auch die Installation der weiteren Lampen funktioniert so reibungslos wie bei der ersten, allerdings dauert es rund acht Stunden, bis alle Lampen ihr Software-Update gemacht haben ...

Trotzdem habe ich wieder grosse Freude, dass ich nun je nach Stimmung und Tageszeit verschiedene Farben in verschiedenen Lichtstärken in meinem Heim erleuchten lassen kann. Und für die Bedienung spreche ich einfach mit Apples smarter Assistentin Siri: "Hey Siri, schalte das Licht im Wohnzimmer ein", "Hey Siri, dimme das Licht im Schlafzimmer auf 25 Prozent", "Hey Siri, schalte das Licht im Bad auf violett um." Ich bin begeistert. Und natürlich will ich mehr.

(Source: Netzmedien)

Um die Sommerhitze im August erträglicher zu machen, besorge ich mir einen Ventilator. Diesen will ich natürlich nicht von Hand ein- und ausschalten und ich kaufe mir bei Ikea einen Trådfri Smartplug. Schnell nach Hause, alles installieren. Ich bin im Smarthome-Rausch. Auch Trådfri, wovon es ebenfalls Lampen gibt, lässt sich über Apples Home-App steuern und so kann ich nun quasi mit meinem Ventilator sprechen: "Hey Siri, schalte den Ventilator ein." Jetzt gibt es für mich kein Halten mehr.

Und jetzt Multiroom

Was könnte ich wohl sonst noch mit Siri steuern? Fernseher, Musikanlage, Webcams etc. Ich entscheide mich für die Musik. Wie schön (und günstig) wäre es gewesen, wenn meine erst ein Jahr alte Technisat-Soundbar Sonata 1 über Apple Homekit steuerbar gewesen wäre oder sich vernünftig zu einem Multiroom-Audio-System à la Sonos hätte erweitern lassen. Doch das bleibt leider ein Traum. Dass sich die Sonata offenbar nicht mit anderen Technisat-Multiroom-Lautsprechern koppeln lässt, gibt den Ausschlag, dass ich mir die neue Arc-Soundbar mit Subwoofer und zwei One SL als Surround-Kanäle von Multiroom-Marktführer Sonos ins Wohnzimmer stelle.

Die Pakete kommen an, ich installiere wieder alles brav nach Anleitung, hample wie von Sonos gewünscht mit dem iPhone in der Hand durch die Wohnung, um den Sound mit der Sonos-S2-App einzumessen. Und dann beginnen die Dinge schiefzulaufen.

Die Party muss warten

Wie von Sonos empfohlen, stecke ich bei der Installation der Lautsprecher das LAN-Kabel in die Soundbar Arc, in der Hoffnung, dass sich damit mein "Repeater-Problem" lösen würde. Funken nämlich verschiedene Sonos-Lautsprecher über verschiedene WLAN-Accesspoints, lassen sich offenbar die Lautsprecher nicht synchron betreiben - es gibt also keine Party, bei der in allen Räumen dieselbe Musik läuft.

Wenn aber ein LAN-Kabel in einem Sonos-Gerät steckt, baut Sonos ein eigenes Funknetz auf und löst das Problem, sofern das Signal bis in die hinterste Ecke der Wohnung reicht. Nun bei mir reicht es. Schlafzimmer und Soundbar orgeln gemeinsam "Need You Tonight" von INXS. Aber wo sind plötzlich die beiden Surround-Kanäle? Die geben keinen Mucks mehr von sich. Deinstallieren, installieren, zurücksetzen auf Werkseinstellungen, repeat - sie sind nicht wiederzubeleben. Stunden und einige Drinks später: Ich ziehe der Arc den Netzwerkstecker. Und plötzlich lassen sich die Surround-Lautsprecher wieder zum Home­-Cinema-System mit der Arc vermählen.

(Source: Netzmedien)

Ein neues Netzwerk muss her

Es ist 0.30 Uhr und ich falle erschöpft ins Bett. Ich denke noch eine Weile über mein Heimnetz nach. Leider hat die alte Fritzbox ihre besten Tage wohl hinter sich und kommt bandbreitentechnisch gerne mal an den Anschlag. Klar, dass ich mir einen neuen WLAN-Accesspoint kaufe, um die nötige Funk-Power in der ganzen Wohnung zu verbreiten. Es wird ein, laut diversen Online-Testberichten, gutes Mittelklassemodell von Asus namens Rog Rapture GT-AC2900, das selbst "hohen Ansprüchen von Gamern in puncto Latenz und Bandbreite" gerecht werden soll. Die Installation des neuen WLAN-Netzwerks klappt problemlos.

Probleme, Probleme, Probleme

Aber leider goutieren einige Sonos-Komponenten auch die neue WLAN-Installation nicht. Nichtnachvollziehbarerweise verschwinden immer wieder einzelne Lautsprecher aus der Sonos-App, oder auch ganze Räume (etwa die Symfonisk Shelf von Ikea im Bad), oder die Sonos-App benennt das Bad unaufgefordert in Wohnzimmer um.

Was tut der beflissene Technologie-Journalist in so einem Fall? Er sucht online auf Support-Seiten des Herstellers und in Foren nach der Lösung des Problems. Ich stosse auf die Information, dass sich viele Netzwerk-Schwierigkeiten lösen liessen, wenn man nur eine Sonos-Boost installiere. Denn dieser Sonos-eigene Accesspoint baut ein eigenes Netzwerk für die Verteilung des Sound-Signals an die verschiedenen Sonos-Komponenten auf. Ich wähne mich der Lösung nah und bestelle eine Sonos-Boost, installiere alles wieder brav nach Anleitung und siehe da - keine Verbesserung. Neu hinzukommen, aber nach der Installation von Boost: Unterbrechungen beim Musikhören, so alle 30 Sekunden.

Für Sonos ist klar, dass "die Probleme wahrscheinlich auf das Netzwerk zurückzuführen" sind. Dies schreibt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage. Bei der Online-Recherche über Sonos-Probleme im Allgemeinen und die neue Sonos-App S2 im Speziellen, erkenne ich, dass die von mir erlebten Schwierigkeiten wohl keine Einzelfälle sind.

Folgende Kundenreaktionen lese ich im App-Store: "Keine Woche vergeht ohne Abstürze, verliert laufend Speaker, Räume, Verbindung zu Apple Music; allgemeine Verbindungsprobleme, iPhone erkennt System nicht, App unbeständig und unzuverlässig, immer wieder Unterbrüche; Speaker verloren, müssen neu gesucht werden, ständige Unterbrüche, ständig verschwinden Boxen und auch die Namen fliegen raus; very unstable system, frequent interruptions, many radios don't work, music stream is lost without reason; App ist instabil, Lautstärke lässt sich manchmal nicht regeln, kein Empfang in einzelnen Räumen" etc. pp. Eine Stellungnahme zu diesen Problemen lehnte Sonos gegenüber "CEtoday" übrigens ab.

Meine Rettung heisst Novis

Ich stelle mir vor, wie Lieschen Müller beziehungsweise Otto Normalverbraucher in solchen Situationen reagieren würde. Geräte wieder zurückschicken? An diesem Punkt bin ich selbst mehrmals - verhindert hat dies allein die professionelle und freundliche Unterstützung von Sonos-Importeurin Novis und ihres Produktmanagers Renato Kunz. Auch er verortet die Probleme beim Netzwerk und insbesondere bei meiner UPC-Horizon-Box. Es gebe das bekannte Problem, das die UPC-Horizon-Box durch einen begrenzten IP-Pool des DHCP-Servers im Zusammenspiel mit Sonos verursache. Ich soll ein neues Kabelmodem von UPC bestellen. Das würde die Probleme lösen.

Selbst wenn die Probleme "wahrscheinlich auf das Netzwerk" zurückzuführen sind, verstehe ich nicht, wa­rum Sonos diese Netzwerk-Issues nicht gemeinsam mit den Providern löst. Es ist wohl einfacher, die Verantwortung für die fehlerhafte Funktion auf andere abzuschieben.

Nun, das neue Modem von UPC ist noch nicht eingetroffen ... Fortsetzung folgt.

Hey Siri: Guten Morgen

Meine Sonos-Erfahrung zeigt, dass die Einrichtung eines Smarthomes mit verschiedenen Komponenten trickreich sein kann, wenn sie miteinander in demselben Netzwerk funktionieren sollen. Auch läuft leider die Homekit-App von Apple nicht ganz reibungslos zusammen mit Philips Hue Bridge. So ignoriert Siri etwa partout eine einzelne smarte Lampe aus dem Hue-Universum - diese muss ich immer separat in der Hue-App ein- und ausschalten.

Auch vermischen sich selbstständig einzelne Lichtszenen, die ich in der Homekit-App programmiert habe. So bleiben etwa drei von sechs Deckenspots in der Küche violett, auch wenn ich über Siri die Szene "Guten Morgen" aktiviere. Violett ist aber die Farbe für den gemütlichen Fernsehabend und die Szene heisst "TV" ... Sehr gut funktioniert mit Siri hingegen das Sprengen meines Rasens mit dem smarten Wasserhahn Eve Aqua.

So ein Smarthome ist etwas Feines und Komfortables. Und wenn es funktioniert, ist auch der Wow-Effekt bei Gästen garantiert - der Weg dorthin ist aber steinig und bei mir auch noch nicht zu Ende.

Webcode
DPF8_193682

Kommentare

« Mehr