SRG-Händlertagung

Bald wirds Ernst mit DAB+ und Transponderumstieg

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Bei der SRG gibt es momentan zwei grosse Themen: den Wechsel von UKW zu DAB+ und den Transponderumstieg. An der Händlertagung hat die Rundfunkveranstalterin über die nächsten Schritte in diesen Bereichen informiert und aufgezeigt, weshalb die SRG sich zunehmend über Gebühren finanziert.

Wie so viele Veranstalter hat auch die SRG für ihre Händlertagung dieses Jahr aufs Internet gesetzt. Am 22. Oktober informierte sie live aus dem Studio Bundeshaus über den Umstieg auf DAB+ und die Transponderumstellung.

"In einem speziellen Jahr braucht es auch ein spezielles Medium", begrüsste Nik Kühne, Leiter Fachkommunikation bei der SRG, die Zuschauerinnen und Zuschauer. Die SRG habe alles daran gesetzt, auch im Studio alle Sicherheitsmassnahmen einzuhalten, um den Online-Teilnehmenden trotz Corona die Neuigkeiten vorzustellen.

Nik Kühne, Leiter Fachkommunikation bei der SRG. (Source: Screenshot SRG-Händlertagung)

Digitalisierung und veränderte Mediennutzung bereiten Bauchschmerzen

Eine Übersicht des aktuellen Standes lieferte Marco Derighetti, Direktor Operations SRG. "Ich glaube, es ist klar: Die SRG steht vor finanziellen Herausforderungen", sagte Derighetti. Als Gründe dafür nannte er die fortschreitende Digitalisierung und das veränderte Verhalten bei der Mediennutzung. So werden Video- und Audio-Inhalte heute auf ganz unterschiedlichen Plattformen konsumiert.

Die SRG sei momentan zu 80 Prozent gebührenfinanziert. Vor einigen Jahren waren es noch 75 Prozent. Jährlich gingen die kommerziellen Einnahmen im Schnitt um 15 Millionen Franken zurück. Dieses Jahr betrage der Rückgang über 60 Millionen Franken. Darum sind bei der SRG nun sparen und reformieren angesagt. "Damit wir unseren Auftrag der gesamten Bevölkerung gegenüber wahrnehmen können, müssen wir unser Angebot ständig anpassen", sagte Derighetti.

Teil dieser Anpassungen ist die neue Plattform Play Suisse. Alle Inhalte auf der Streaming-Plattform werden in drei bis vier Sprachen vorhanden sein - entweder synchronisiert oder mit Untertiteln. Starten soll Play Suisse im November. Ausserdem will sich die SRG vom Teletext verabschieden und in zwei bis drei Jahren nur noch auf HbbTV setzen. Services für sinnesbehinderte Menschen wie Untertitelung und Gebärdensprache werden laut Derighetti dann via HbbTV abrufbar sein.

(Source: Screenshot SRG-Händlertagung)

Ab Mai sendet nur noch der neue Satellit

Um über eines der zwei Hauptthemen der Händlertagung, den Transponderumstieg, zu sprechen, übernahm Derya Aydemir, Fachspezialistin Business Analyse bei der SRG. Momentan verwendet die SRG den Satelliten TR17. Dieser soll jedoch im Mai 2021 abgeschaltet werden. Ab dann will die SRG nur noch über den Transponder 123 senden. Für alle SRG-Satellitenkunden und -kundinnen bedeutet das laut Aydemir, dass sie einen neuen Sendersuchlauf durchführen müssen. Auch Hotels, Spitäler und andere Einrichtungen, die das SRG-Angebot über Satellit beziehen, sind davon eingeschlossen. Ein Umtausch der Empfangsgeräte sei aber nicht nötig.

"Jeder bei uns registrierte Sat-Nutzer wird einen Brief oder eine E-Mail erhalten, inklusive Info-Flyer", versicherte Simon Blumer, Leiter Support, Service & Publishing Fachkommunikation bei der SRG. Die Gesellschaft werde im Dezember mit dem Brief- und E-Mail-Versand beginnen. Im Januar 2021 soll dann die Neukonfiguration des Transponders 123 beginnen. Einen Monat später werden Nutzerinnen und Nutzer auch über eine Laufschrift an ihrem TV-Gerät selbst über den Transponderwechsel informiert.

Auch im Studio Bundeshaus war Abstand halten angesagt. (Source: Screenshot SRG-Händlertagung)

Digitalradio ist in allen Sprachregionen der Favorit

Nicht nur die Übertragungssatelliten stellt die SRG um, sondern auch den Übertragungsstandard beim Radio. Der Umstieg von UKW auf DAB+ ist für August 2022 angelegt. Dieser Termin gilt aber vorerst nur für die Radiosender der SRG. Private Radiostationen sollen den Wechsel im Januar 2023 vollziehen, wie Iso Rechsteiner, Projektleiter Digimic, sagte. Allerdings sei der Umstieg in der Schweiz - anders als in Norwegen, wo der Umstieg bereits abgeschlossen ist - keine politische Entscheidung. Hierzulande habe sich die Radiobranche selber geeinigt. Für den definitiven Umstieg steht allerdings noch die Zustimmung der Privatradiosender aus. Der Verband Schweizer Privatradios (VSP), die Union Romande des Radios Régionales (RRR) und die Union nicht-gewinnorientierter Lokalradios (Unikom) werden bis Ende November 2020 die Zustimmung ihrer Mitglieder einholen, teilte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) Ende August mit.

Laut Rechsteiner sind die Schweizerinnen und Schweizer bereit für den Umstieg auf DAB+: "Wir sehen, dass 71 von 100 Radiominuten mittlerweile Digital gehört werden. Vor einem Jahr war es noch 50/50", sagte er. Wie die Grafik unten zeigt, sind DAB+ und IP-Radio in allen drei Sprachregionen die beliebtesten Übertragungswege. "Das sind Zeichen, die uns dazu ermutigen, mit DAB+ wirklich vorwärts zu machen", so Rechsteiner.

(Source: Screenshot SRG-Händlertagung)

Aber die beste Technologie nützt nichts, wenn sie bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht ankommt. Darum hat das Bakom eine landesweite Kommunikationskampagne gestartet, um die Bevölkerung auf den Umstieg zu und die Vorteile von DAB+ aufmerksam zu machen. Gesicht der Kampagne ist laut Tobias Händler, CEO der Werbeagentur Scholz & Friends, das DAB+-Radio Dabsy. "Dabsy begegnet Ihnen hoffentlich an vielen Orten", sagte Händler. Auch Fachhändler könnten Teil der Kampagne werden. Für sie gäbe es einen freien Zugang zu Werbemitteln mit Dabsy. Auch bei der SRG können Händler Broschüren zum Umstieg auf DAB+ anfordern, die zum Auflegen am POS gedacht sind.

"Ich hoffe, wir sehen uns dann wieder einmal zu einem Bier oder bei einem persönlichen Austausch", sagte Nik Kühne zum Ende der Veranstaltung. "Ich glaube, wir freuen uns alle darauf, wenn wir dann nicht mehr mit Maske herumlaufen müssen", schloss er ab.

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