One-to-One

Wie Aslan Khabliev Loewe wieder auf Erfolgskurs bringen will

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Es war ein langes Hin und Her um Loewe. Doch das Traditionsunternehmen hat mit Aslan Khabliev seit Ende 2019 einen neuen CEO und Eigentümer. Im Interview sagt er, wie er Loewe wieder auf Kurs bringen will und was er im Produktbereich vorhat.

Wie wollen Sie Loewe wieder auf Kurs bringen?

Aslan Khabliev: Es gibt keine Zauberformel, die ein nicht erfolgreiches Unternehmen in ein erfolgreiches Unternehmen verwandelt. Dazu ist immer eine Kombination aus unterschiedlichen Faktoren und Massnahmen nötig. Das Allerwichtigste ist das richtige Team, denn ohne die richtigen Leute ist es unmöglich, die gesetzten Ziele zu erreichen. Dann spielt auch die Finanzierung eine wichtige Rolle. Es war ein grosses Problem für Loewe, dass die Firma in den letzten Jahren auf externe Finanzierung angewiesen war. Dieses Problem haben wir gelöst, sodass das Unternehmen heute finanziell unabhängig ist. Und dann sind natürlich auch die richtigen Produkte nötig, um erfolgreich zu sein.

Was haben Sie im Produktbereich vor?

Wir arbeiten momentan an einer Produktlinie, die sowohl aus traditionellen Loewe-Geräten wie auch aus komplett neuen Produkten besteht. Unsere Priorität für dieses Jahr liegt darin, ein neues TV- und Audio-Line-up zu lancieren. Später werden wir auch einige Produkte, die nichts mit diesen Bereichen zu tun haben, auf den Markt bringen. Es ist allerdings noch zu früh, um hier Genaueres zu verraten.

Wann kommt das neue TV- und Audio-Line-up auf den Markt?

Sofern alles nach Plan läuft im vierten Quartal 2020. Allerdings wissen wir nicht, wie sich die Coronakrise entwickeln und den Launch beeinflussen wird.

Welchen Einfluss hatte der Ausbruch des Coronavirus bisher auf Loewe?

Wir planen für das gesamte Jahr sehr konservativ – zu konservativ vielleicht. Ursprünglich rechneten wir für 2020 mit einem Umsatz von über 50 Millionen Euro. Das entspricht etwa der Hälfte des bisherigen Loewe-Umsatzes. Aufgrund der Coronakrise gehen wir aktuell von einer Reduzierung der geplanten Umsatzgrössen um zirka ein Drittel aus. Entsprechend gab es auch Anpassungen in der Lieferkette. Tatsächlich war die Nachfrage aber um einiges höher, als wir erwartet hatten. Unsere Verkaufszahlen gingen während der Monate März, April und Mai nicht wirklich zurück. Seit wir im Februar mit dem Produktverkauf starteten, setzten wir jeden Monat etwa 2 Millionen Euro um. Was die Verkaufszahlen angeht, sieht es für uns also recht positiv aus. Aber aufgrund der Coronakrise dauert die Vorlaufzeit für unsere neuen Produkte länger, da gewisse Lieferanten mehr Zeit benötigen. Ausserdem ist es ein grosses Problem, dass wir nicht physisch nach Asien reisen konnten/können, um uns mit den Hauptlieferanten der Komponenten zu treffen. Ein Videoanruf kann ein persönliches Treffen aus meiner Sicht nicht in jedem Fall vollständig ersetzen.

Was ändert sich für Händler nun, da Sie am Steuer sind?

Für bisherige Loewe-Händler ändert sich nichts, was die Beziehung, den Support oder die Vertriebsstrategie angeht. Wir möchten unsere Partner weiterhin unterstützen und sind der Ansicht, dass sie für uns die beste und einzige Lösung für den Verkauf an die Konsumenten sind. Vor einem Jahr arbeitete Loewe mit mehr als 1000 Händlern in Europa zusammen. Im Januar waren es null. Bisher konnten wir ungefähr die Hälfte der Händler zurückgewinnen. Wir arbeiten momentan daran, auch die restlichen wieder an Bord zu holen. Aber das wird nicht von heute auf morgen geschehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir nicht nur die bisherigen Partner, sondern auch neue Händler dazugewinnen werden, wenn wir unsere neuen Produkte lancieren.

Welche Resonanz haben Sie von Kunden und Partnern bisher erhalten?

Insgesamt war das Feedback recht positiv. Nach zwei Konkursen innerhalb von fünf Jahren hätte die Situation viel schlimmer sein können. Alle Partner, die ich bisher getroffen habe, waren sehr daran interessiert, mit Loewe weiterzumachen. Das liegt wohl nicht nur daran, dass wir uns persönlich getroffen haben und ich ihnen unsere Pläne präsentiert habe, sondern auch an der traditionsreichen Geschichte der Marke. Ich bin überzeugt, wenn wir alle unsere momentanen Pläne in die Tat umsetzen, werden wir das volle Vertrauen der Händler zurückgewinnen.

Wie sieht Ihre Beziehung zum Schweizer Loewe-Distributor Telion aus?

Wir haben eine stabile, vertrauensvolle Beziehung mit Telion und mit ihnen auch eine neue Vertriebsvereinbarung abgeschlossen. Ich habe das Telion-Team persönlich kennengelernt und einen sehr guten Eindruck von seiner Professionalität. Ich glaube, dass Telion grossartige Arbeit für uns leisten kann und wird.

Welche Bedeutung hat der Schweizer Markt für Loewe?

Der Schweizer Markt war und ist sehr wichtig. Genauso wie der österreichische Markt. Wir möchten natürlich, dass Loewe auch weiterhin eine wichtige Marke am Schweizer Markt bleibt. Ausserdem kenne ich den Schweizer Markt sehr gut. Ich kenne auch die grossen Händler wie Fust, Media Markt, Manor, Interdiscount und Co. gut.

Wie unterscheidet sich der hiesige Markt von anderen ­europäischen Märkten?

In der Schweiz kaufen die Konsumenten viel mehr Premium-Geräte. Während in anderen Ländern eher Einstiegs- TV-Modelle wie Loewe Bild 1 und 2 verkauft werden, sind in der Schweiz der Loewe Bild 3, 5 und 7 sehr erfolgreich.

Anfang des Jahres hiess es, dass die Produktion eventuell nach Osteuropa ausgelagert wird. Warum produzieren Sie nun weiterhin in Kronach?

Es kursierten zu Beginn des Jahres viele Informationen in der Presse, die nichts mit mir oder meinen Plänen mit ­Loewe zu tun hatten. Diese Aussage stammt also nicht von mir. Ich habe mich dazu entschieden, die OLED-Produkte weiterhin in Kronach herzustellen, weil das "Made in Germany"-Element der Loewe-Geräte einen sehr ­hohen Wert für die Kunden hat.

Wie viele Mitarbeitende sind momentan in Kronach tätig?

Über 90. Viele von ihnen stammen aus dem ehemaligen Loewe-Team. Alle Abteilungen des Unternehmens – dazu zählen Finanzen, Vertrieb, Support, After Sales Service, Technik, Projektmanagement, Produktmanagement, Personalwesen, Marketing etc. – befinden sich in Kronach. Auch das Management ist mit Ausnahme von mir dort. Aber auch ich verbringe immer mehr Zeit in Deutschland und plane künftig noch häufiger vor Ort zu sein.

Einblick in die OLED-Produktion in Kronach. (Source: Loewe)

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit als Loewe-CEO von ­Ihren bisherigen Tätigkeiten?

Es gibt viele Dinge, die sich ähneln. Die Grundlagen des Fabrikbetriebs, der Lieferkette, der Distribution, des Verkaufs und so weiter konnte ich in meinem vorherigen Job erlernen. Bei Sharp war ich für mehr als 1000 Personen verantwortlich und weiss daher, wie es ist, eine grosse Firma zu betreiben. Ohne dieses Wissen wäre ich heute nicht hier. Unterschiedlich sind die Produkte. Loewe verkauft qualitativ hochwertige Produkte der Unterhaltungselektronik. Das Design und die Materialien sind völlig verschieden und man kann den Verkauf von Massenprodukten nicht mit dem von Premium-Produkten vergleichen.

Gibt es überhaupt noch einen Markt für Fernseher in ­Loewes Preiskategorie?

Es gibt definitiv einen Markt für Loewe. Ich schätze, dass es in Europa rund eine Million Loewe-Kunden gibt. Diese gilt es nun zurückzugewinnen. Hinzu kommt, dass Loewe in mehr als der Hälfte der europäischen Länder gar nicht vertreten war. Die meisten Produkte wurden in der DACH-Region, den Benelux-Staaten und in Spanien verkauft. Wenn wir es schaffen, auch in anderen Ländern Fuss zu fassen, können wir die Anzahl der verkauften Geräte mindestens verdoppeln – ich spreche hier nur von Europa.

Wo sehen Sie Loewe in fünf Jahren?

Ich sehe Loewe als Marke, die sich auch weiterhin nur im Premium-Bereich bewegt. Ausserdem werden wir in mehr unterschiedlichen Produktkategorien vertreten sein, um unsere Präsenz im Zuhause der Kunden weiter auszubauen – aber auch hier nur im Premium-Bereich. Ein grosses Anliegen ist mir auch, mehr Menschen mit der Marke vertraut zu machen. Gerade bei jungen Leuten ist Loewe weitestgehend unbekannt. Auch diese wichtige Zielgruppe werden wir für Loewe erschliessen.

Wie wollen Sie die Marke bekannter machen?

Indem wir als allererstes in unsere Produkte investieren und diese dann mit den passenden Marketingmassnahmen unterstützen.

Die Meldung zur Übernahme von Loewe durch Skytech können Sie hier nachlesen.

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persönlich

Aslan Khabliev (42) hat Ende 2019 die deutsche Traditionsmarke Loewe übernommen. Als CEO und Eigentümer nimmt er mit der neu gegründeten Loewe Technology GmbH zügig Fahrt auf: Im März konnte die Produktion wiederaufgenommen werden, weite Teile des Portfolios sind wieder verfügbar. Khabliev ist bekannt in der CE-Branche: Als CEO der Skytec-UMC-Gruppe hielt er zuletzt die europaweiten Lizenzrechte an Blaupunkt und Sharp. Khabliev hat mehrere Master-Abschlüsse in den Bereichen Wirtschaft, Finanzen und Management. (Quelle: Loewe)

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