Marktreport

Smartphones und Systemkameras verdrängen die Spiegelreflex

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Auf dem Markt für Digitalkameras geht es weiter bergab. Global und in der Schweiz verkauften Händler und Hersteller weniger Geräte. Der Abwärtstrend ist unter anderem den immer besser werdenden Smartphone-Kameras geschuldet.

Der Markt für Digitalkameras schrumpft in der Schweiz seit mehreren Jahren. Verkauften Händler 2013 Waren im Wert von 358 Millionen Franken, nahmen sie 2019 nur noch 206 Millionen mit Digitalkameras und auswechselbaren Objektiven ein. Gegenüber dem Jahr 2018 gingen die Einnahmen 2019 um 6,4 Prozent zurück. Damals lag der Wert bei 220 Millionen Franken. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man die verkauften Stückzahlen betrachtet. Wie aus einer Studie von GfK ersichtlich wird, gingen 2013 insgesamt 703'000 Produkte über den Ladentisch. 2019 waren es noch 282'000. Im Jahr davor lag die Anzahl bei 314'000. ­Gegenüber dem Vorjahr gingen die Verkäufe 2019 damit um 10,3 Prozent zurück.

Verglichen mit 2018 gingen die Einnahmen in den Bereichen Digitalkameras mit fixem Objektiv, Spiegelreflexkameras und Wechselobjektive zurück. Am stärksten traf es das Segment Spiegelreflexkameras. Die Einnahmen sanken hier von 51 Millionen auf 26 Millionen Franken. Die Anzahl verkaufter Spiegelreflexkameras sank von 57'000 Stück im Jahr 2018 auf 27'000 im Jahr 2019.

Im Bereich der Digitalkameras mit fixem Objektiv sanken die Einnahmen von 46 Millionen im Vorjahr auf 41 Millionen Franken im Jahr 2019. Die Differenz, was die Anzahl verkaufter Kameras angeht, lag bei 17'000 Stück. 134'000 Kameras mit fixem Objektiv gingen 2018 über den Ladentisch. Ein Jahr später waren es noch 117'000. Zur dritten Kategorie, die einen Rückgang erfuhr, zählen Wechselobjektive. Während die Einnahmen von 72 auf 70 Millionen Franken sanken, ging es bei den Verkäufen um 5000 Stück zurück. Sie lagen 2018 bei 90'000 Exemplaren. Ein Jahr darauf waren es 85'000.

Das einzige Segment, in dem sowohl die Einnahmen als auch die Stückzahlen zulegten, sind Systemkameras. Die ersten Geräte kamen hier vor rund zehn Jahren auf den Markt. 2018 verdienten hiesige Händler 50 Millionen Franken. 2019 brachte das Segment 69 Millionen Franken ein. Die Verkäufe stiegen von 37'000 auf 49'000 Stück. "Bei den Systemkameras sehen wir die grössten technischen Innovationen", begründet Luca Giuriato, Client Business Partner Technology bei GfK Schweiz, die positive Entwicklung. Die steigenden Verkaufszahlen gingen jedoch auf Kosten der Spiegelreflexkameras.

Der Abwärtstrend geht weiter

Für 2020 erwartet GfK einen erneuten Anstieg bei den Systemkameras. Die Marktforscher rechnen mit Einnahmen in der Höhe von 76 Millionen Franken. Der Stückzahlenverkauf soll auf 56'000 steigen. Auch bei den Wechselobjektiven sollen die Verkäufe steigen – auf 88'000 Stück in diesem Jahr. Mit 70 Millionen Franken bleiben die Einnahmen auf dem Niveau von 2019.

Bei den Digitalkameras mit fixem Objektiv geht der Abwärtstrend weiter. Die Verkäufe sollen auf 98'000 Stück sinken und es sei noch mit Einnahmen von 36 Millionen Franken zu rechnen. Ähnlich sieht es bei den Spiegelreflexkameras aus. Es sollen 2020 noch 18'000 Stück über die Ladentische gehen. Die Einnahmen werden laut Prognose bei 16 Millionen Franken liegen. Laut Giuriato steht der gesamte Digital-Imaging-Markt durch die immer besser werdenden Smartphone-Kameras unter Druck.

Weltweit zeigt sich ein ähnliches Bild. So gingen die Auslieferungen von Digitalkameras mit fixem Objektiv um 22 Prozent gegenüber 2018 zurück. Im letzten Jahr wurden in dieser Kategorie insgesamt 6,76 Millionen Geräte ausgeliefert. Bei Kameras mit Wechselobjektiv betrug der Rückgang mit insgesamt 8,46 Millionen Auslieferungen 21,4 Prozent. Wie die Camera & Imaging Products Association schreibt, zeigt sich innerhalb der Kategorie ein Trend hin zu spiegellosen Kameras mit Wechselobjektiv. So gingen die Auslieferungen der spiegellosen Kameras um 4,4 Prozent zurück, während um 33 Prozent weniger Spiegelreflexkameras versendet wurden. Der weltweite Markt für Digitalkameras schrumpfte erstmals 2009. Von da an ging es mit den Auslieferungen (mit Ausnahme von 2017) jedes Jahr weiter bergab.

Aufnahmen, die mit dem Smartphone nicht möglich sind

Für 2020 rechnet der international tätige Verband mit einem noch stärkeren Rückgang. Insgesamt sollen die Auslieferungen um 23,3 Prozent sinken. Die Camera & Imaging Products Association geht davon aus, dass in diesem Jahr 11,67 Millionen Digitalkameras versendet werden. Im Bereich der Digitalkameras mit fixem Objektiv werden um 29 Prozent weniger Auslieferungen erwartet. Damit würde die Stückzahl auf 4,8 Millionen schrumpfen. Die Kategorie Digitalkameras mit Wechselobjektiv soll einen Rückgang von 18,8 Prozent erfahren. Der Verband rechnet mit 6,87 Millionen ausgelieferten Einheiten.

"Angesichts der Ergebnisse im Jahr 2019 haben wir konservative Prognosen für 2020 erstellt. Aber gerade weil wir in einer Zeit leben, in der jeder mit seinem Smartphone fotografieren kann, ist es realistisch, zu erwarten, dass es eine Zunahme an Konsumenten geben wird, die neue Digitalkameras wünschen, um Aufnahmen zu machen, die mit dem Smartphone nicht möglich sind", heisst es in der Studie der Camera & Imaging Products Association. So habe eine Umfrage gezeigt, dass viele junge Konsumenten mit dem Gedanken spielten, sich in nächster Zeit eine Digitalkamera zuzulegen.

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