Marktreport

Wie der stationäre Handel im Gaming-Markt mitspielen kann

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Im Schweizer Gaming-Markt findet ein grundlegender Umbruch statt. Wegen Streaming und Downloads verdient der stationäre Handel immer weniger Geld mit Games. Doch mit Gaming-Hardware insbesondere im PC-Bereich tun sich vielversprechende Möglichkeiten für den Handel auf.

(Source: Blurrystock / Unsplash)
(Source: Blurrystock / Unsplash)

Der Trend im Schweizer Gaming-Markt vom vergangenen Jahr setzt sich auch 2019 fort. "Das Onlinegeschäft wächst ununterbrochen weiter, beim stationären Verkauf von Hard- und Software müssen leichte Einbussen in Kauf genommen werden", sagt Peter Züger, Präsident des Branchenverbands Swiss Interactive Entertainment Associa­tion (SIEA). Im vergangenen Jahr blieb der Umsatz mit Games laut SIEA gegenüber 2017 stabil. Doch beziehen Gamer ihre Spiele immer weniger im stationären Handel, nicht nur wegen des Smartphone-Booms, sondern auch wegen alternativen digitalen Vertriebskanälen wie Streaming und der Download von Games. Dennoch betrug der Anteil des stationären Handels am Gesamtumsatz inklusive Konsolen im vergangenen Jahr immer noch 70 Prozent, der Rückgang im Vergleich zu 2017 entsprach lediglich 2 Prozent. SIEA-Präsident Züger sagte damals auch, dass der stationäre Handel für die gesamte Branche immer noch von grosser Bedeutung sei. Der Anteil der Onlineverkäufe von Games stieg im vergangenen Jahr um 3 auf 47 Prozent. Es sei spannend zu sehen, wie sich die neuen Streaming- und Abo-Modelle wie Google Stadia entwickeln werden, sagte Züger. Für eine genaue Analyse und Empfehlung sei es zurzeit aber noch zu früh.

Vielversprechendes Weihnachtsgeschäft

2018 verkaufte der Schweizer Handel nach Angaben des SIEA noch Konsolen wie Playstation, Nintendo Switch & Co. sowie die entsprechenden Games im Wert von 276 Millionen Franken. Im Vorjahr nannte der SIEA einen um 42 Millionen Franken tieferen Gesamtumsatz. Damals war die Datenbasis zwar nur ein Teilmarkt, doch auch im Fünfjahresvergleich war das Wachstum fast identisch, als der Umsatz 2014 noch 244 Millionen Franken betrug. Das Jahresend- und insbesondere das Weihnachtsgeschäft dürfte vielversprechend werden für den Schweizer Handel. Züger rechnet damit, dass einige spannende neue Games im November und Dezember erscheinen werden. Zudem erwartet er gute Angebote für die aktuellen Konsolen, die die Verkäufe ankurbeln dürften. Playstation 4 und Xbox One sind mittlerweile sechs Jahre auf dem Markt. Für nächstes Jahr haben die Konsolenhersteller Sony und Microsoft nun die Nachfolger von Playstation 4 und Xbox One angekündigt.

Portable Konsolen sind hingegen kaum noch gefragt, schliesslich besitzt fast jeder ein Smartphone. Zudem werden die Smartphones immer besser, bieten mehr Möglichkeiten und Apps. So sind die Umsätze der sogenannten Handhelds seit Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr machten Playstation Vita, Nintendo 2DS und 3DS nur noch 6,5 Prozent aller verkauften Konsolen aus, sagt Züger. Eine Ausnahme sei aber die Nintendo Switch, die als innovatives Gerät auch die mobile Nutzung ermögliche, was bei den Konsumenten sehr guten Anklang finde. Die Hybrid-Konsole, die sich stationär und portabel nutzen lässt, ist erst seit März 2017 im Handel erhältlich, verkaufte sich bis im Herbst 2019 aber bereits über 41,6 Millionen Mal und dürfte schon bald die Xbox One überholen, deren geschätzte Verkaufzahlen laut VGchartz bei rund 43 Millionen liegen.

Raytracing sorgt für Gaming-Notebook-Nachfrage

Nicht nur Konsolen-, sondern auch Gaming-Hardware scheint ein vielversprechendes Geschäft für den stationären Handel zu sein. Marktforscher IDC rechnet etwa damit, dass der Gaming-PC-Markt weltweit in den nächsten vier Jahren zulegen kann. Vor allem Gaming-Notebooks seien beliebt. Viele aktuelle Modelle aus allen Preisklassen unterstützten die Raytracing-Technik für 3-D-Grafiken – für IDC ein wichtiger Umsatzfaktor. Langfristig werde der gesamte Markt für Gaming-Hardware weiter wachsen, auch wenn IDC die Erwartungen leicht nach unten schraubt. Man erwartet für das Jahr 2023 Auslieferungen von 55,2 Millionen Einheiten aus allen drei Sektoren. In diesem Jahr sollen es 42,8 Millionen Einheiten sein, was einem Jahreswachstum von 9,6 Prozent entspräche. Durch Investitionen in die Hardware und eine breitere Zugänglichkeit soll der Gaming-Markt auch in Zukunft weiter wachsen. Allerdings könnten mobile Spiele und Cloud-Gaming einen negativen Einfluss auf den Verkauf von Premium-Hardware haben.

Auch in der Schweiz sieht SIEA-Präsident Züger einen starken Trend, dass sich spezielle Game-Notebooks und -PCs sowie auch das Game-Zubehör-Geschäft einer gros­sen und steigenden Nachfrage erfreut.

Schon seit einiger Zeit sieht Züger eine zunehmende Spezialisierung von E-Sports in der Schweiz, wie er schon in früheren Interviews sagte. Laut einer aktuellen ZHAW-Studie mit Umfrage geben Gamer und E-Sportler durchschnittlich 1270 Franken für ihr Gaming-Equipment aus. Insbesondere E-Sportler, die laut Umfrage hauptsächlich am PC spielen, dürften ausserordentlich viel für Gaming-Hardware ausgeben. Schliesslich können bei ihnen schon mal Details wie ein langsamer Monitor oder eine ungenau kalibrierte Maus spielentscheidend sein.

Der globale E-Sports-Markt wuchs laut ZHAW-Studie in den vergangenen Jahren stark an, von 325 Millionen US-Dollar im Jahr 2015 auf über 900 Millionen Dollar im vergangenen Jahr und auch in der Schweiz dürfte der Anstieg gross sein. Laut den ZWAW-Studienautoren dürfte ausser den Einnahme- und Marketingpotenzialen auch die Entwicklung des E-Sports an sich weitergehen.

Peter Züger vom SIEA empfiehlt Händlern, die den E-Sports-Trend aufgreifen möchten, sich mit ihrem Sortiment und auch in der Kommunikation nahe an den entsprechenden Themen und Events zu positionieren. Es sei aber nicht genug, nur die Produkte anzubieten, man solle sich in der Szene entsprechend integrieren. Dann dürften auch sie vom E-Sports-Boom profitieren, sagt Züger. Dazu dienen könnte die neue Branchenplattform Swiss Gaming, die der SIEA laut Züger auch darum lancierte, um die Branche zu vernetzen, damit sie das Potenzial des Gamings in der Schweiz besser realisieren kann.

Für 2020 hat sich ein weiteres Trendthema etabliert: Das Streaming von Games. Wie Gaming-as-a-Service abläuft und was der Trend für den Konsolenverkauf bedeutet, lesen Sie hier.

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