Mystery-Shopping: TV

"Ich würde nicht 50 Prozent mehr für den neuen TV bezahlen"

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Astrid T. wünscht sich einen neuen Fernseher. Gross sollte der TV sein und knackig scharfe Bilder zeigen. Ein neuer 65-Zoll-OLED-TV wäre das Richtige. Doch der Handel riet ihr vom Kauf der neuesten TV-Geräte ab.

(Source: iStock)
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Astrid T. will endlich einen OLED-TV haben. Eine Freundin schwärmt immer wieder von den knackigen Kontrastwerten und auch im Handel empfahlen die Verkäufer der Mystery-Shopperin schon mehrmals einen Fernseher mit OLED-Technologie. 65 Zoll gross sollte er sein, fand Astrid, ein Preislimit hatte sie nicht und die Marke war ihr egal. Der Handel sollte ihr das beste Gerät empfehlen. Also ging sie in Begleitung von "CEtoday" auf Mystery-Shopping-Tour, die sie zu Fust, Interdiscount und Melectronics sowie zum Euronics- und EP-Fachhändler führte.

Fust

Bei Fust sah Astrid keine 65-Zoll-TVs. Sie ging auf einen Verkäufer zu und fragte bei ihm nach. "Das haben wir nicht ausgestellt, aber wir bieten bis zu 85 Zoll grosse TVs", antwortete dieser, schnappte sich ein Tablet und suchte im Fust-Onlineshop nach infrage kommenden Modellen. Währenddessen erklärte er Astrid die OLED-Technologie. Dann wollte er wissen, ob Astrid eine im TV integrierte Soundbar wünsche. Denn die Fernseher seien heutzutage so dünn, dass kein guter Sound mehr möglich sei. Er zeigte ihr den Philips OLED 903 in der 55-Zoll-Variante mit integrierter Soundbar von B&W und spielte Youtube-­Videos ab, um die Tonleistung zu demonstrieren. Dann erklärte er Astrid das Ambilight-System und sagte, für die 65-Zoll-Variante müsse sie rund 3800 Franken bezahlen. "Etwas Besseres gibt es nicht", sagte er überzeugt. Günstiger seien Fernseher von LG, wo sie schon ab 1200 Franken OLED-Modelle bekomme. Das Bild sei nicht viel schlechter, aber dafür der Ton. Doch mit dem eingesparten Geld könne sie die Soundbar Bose Soundtouch 300+ für 1200 Franken kaufen und falls sie mehr Power wünsche auch noch den Subwoofer für 800 Franken extra. Er führte Astrid die Soundbar am Samsung-TV vor und sagte, er habe sie sich selbst gekauft. "Es ist eine grosse Investition, aber es lohnt sich", sagte er und zeigte Astrid Bilder auf seinem Smartphone, wie er seine Soundbar zuhause installierte. Er erwähnte Ratenzahlungsoptionen, drückte Astrid eine Visitenkarte in die Hand und riet ihr, sich gut zu überlegen, für welche Variante sie sich entscheide. Nach 12 Minuten Beratung verabschiedete sich Astrid und ging zur nächsten Station.

Interdiscount

Bei Interdiscount kam nach kurzer Zeit ein Verkäufer auf Astrid zu und bot ihr Hilfe an. 65-Zoll-OLED-TVs hätten sie zwar keine ausgestellt, aber er könne ihr die Unterschiede zum LCD-TV auch am 55-Zoll-Modell zeigen, sagte er. Er präsentierte OLED-TVs von Sony und LG und schwärmte von der Bildqualität. TVs von LG seien etwas günstiger, hätten aber nicht so gute Lautsprecher wie die Sony-Modelle, die den ganzen Bildschirm zum Vibrieren brächten. Er ging an den Kassentresen und zeigte Astrid am PC verschiedene Modelle beider Marken zu Preisen von 2000 bis 10 000 Franken. Das teuerste Gerät biete Lautsprecher wie im Kino, schwärmte er. Nachdem er mehrere Modelle gezeigt hatte, deren Unterschiede bei Prozessor und Ton lagen, wie er erklärte, riet er schliesslich zum LG-TV OLED 65 G8 mit integrierter Soundbar zum Aktionspreis von rund 2500 statt 3800 Franken, weil Astrid bei dem Angebot den grössten Rabatt habe. Der Sound sei so gut, wie wenn Astrid eine zusätzliche Soundbar für 600 Franken kaufe. Astrid müsse sich aber schnell entscheiden, es sei nur noch ein Modell in der Zentrale vorhanden. Bei 200 Interdiscount-Filialen sei dieses schnell verkauft. Er druckte Astrid ein Datenblatt aus. Nach etwa 9 Minuten Beratung verabschiedete sie sich und ging weiter.

Melectronics

Bei Melectronics sprach Astrid eine Verkäuferin an. Diese antwortete, sie bediene bereits einen Kunden und wolle sich später um Astrid kümmern. Nach etwa 4 Minuten kam sie zurück und erwiderte auf Astrids Frage lediglich: "Wir haben keine 65-Zoll-TVs hier. Die müssen Sie online bestellen oder in eine grössere Filiale gehen."

Euronics-Fachhändler

Astrid versuchte es beim Fachhandel. Der Euronics-Fachhändler begrüsste sie beim Eintreten und riet ihr zum Modell KD-65AF9 von Sony. Er schwärmte vom Prozessor und Ton des TVs, der über den Bildschirm komme, und erklärte ihr die Technik, die dahintersteckt. Dann zählte er die Vorteile der OLED-Technologie im Vergleich zu LCD auf, erwähnte aber auch, dass das Bild beim OLED-TV "einbrennen" könnte, wenn sie das Gerät als Bilderrahmen nutze. Bei normalem Fernsehbetrieb sei das aber kein Problem, ausserdem sorge eine Elektronik im Gerät dafür, dass sich die Bildpunkte nach ein paar 1000 Betriebsstunden regenerierten. Dann erwähnte er das Android-Betriebssystem und die App-Möglichkeiten und demonstrierte schliesslich die Tonqualität über die Youtube-App. "Für so einen Ton bräuchte es normalerweise eine Soundbar. Ich staune jedes Mal, dass es so etwas gibt", schwärmte er. Der Verkäufer wies Astrid darauf hin, dass sie den Fernseher für 4000 Franken inklusive Heimlieferung und Installation sowie fünf Jahre Garantie bekomme. Grund für die Aktion sei, dass es das letzte Modell sei und im Juni der Nachfolger auf den Markt komme, der etwa 4800 Franken kosten werde, sich aber nur beim Fuss unterscheide. "Wenn Sie die Garantie dazurechnen, sparen Sie so 1000 Franken", sagte er. Nach gut 16 Minuten Beratung gab er Astrid ein Datenblatt inklusive Visitenkarte mit und notierte sich ihren Namen und das Angebot, das er ihr machte, "damit wir das festgehalten haben und der Kollege auch Bescheid weiss, wenn ich mal weg bin."

EP-Fachhändler

Beim EP-Fachhändler kam nach kurzer Zeit ein Verkäufer auf Astrid zu und sagte auf ihren Wunsch nach einem OLED-TV, dass je nach Verwendungszweck auch die Konkurrenztechnologie QLED von Samsung empfehlenswert sei. Die Spitzenhelligkeit sei bei QLED höher und deshalb bei Tageslicht besser als OLED, in der Nacht kehrten die Vorteile aber. Die Testberichte seien sich uneins, OLED und QLED führten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ausserdem biete Samsung die One-Connect-Box, über die nur ein Kabel zum TV führe, was sehr elegant aussehe. Zudem könne sie QLEDs bündig an der Wand montieren, was bei OLEDs nicht der Fall sei. Er zeigte Astrid mehrere QLED-TVs von Samsung und zwei 55-Zoll-OLED-TVs von Sony und Loewe und riet schliesslich zum Sony OLED-TV KD65AF8 für 1999 statt 2999 Franken inklusive fünf Jahre Garantie oder zum QE65Q9FN von Samsung für rund 2200 Franken. Die seien beide vom letzten Jahr, aber die Unterschiede zu den neuen Modellen so gering, dass sich der Aufpreis nicht lohne. "Das Niveau ist nicht so unterschiedlich, dass ich 50 Prozent mehr für einen neuen TV bezahlen würde", sagte er und fügte an: "Ich würde immer den älteren TV aus der Top-Serie nehmen als einen neuen aus einer tieferen Serie." Er gab Astrid aktuelle und letztjährige Prospekte mit, damit sie die Leistungswerte vergleiche könne. "Ich kann Ihnen nicht sagen, ob QLED oder OLED besser ist, aber Sie können nichts falsch machen, beide TVs sind top", versicherte er Astrid. Nach 15 Minuten Beratung verabschiedete sich Astrid und beendete die Mystery-Shopping-Tour.

Fazit

Astrid war zufrieden. Nur bei Melectronics fiel die Beratung enttäuschend aus. Hier verwies die Verkäuferin sie auf den Onlineshop oder eine grössere Filiale. Alle anderen Verkäufer nahmen sich viel Zeit, schwärmten von der OLED-Technologie und demonstrierten die Geräte, auch wenn es oftmals nur ein 55-Zoll-Modell war. Interessant fand Astrid, dass mehrere Verkäufer ihr ein älteres Gerät empfahlen, weil die Unterschiede im Vergleich zu den aktuellen Modellen nicht gross seien. Spannend fand sie auch die Beratung durch den EP-Fachhändler, der ihr auch QLED-TVs schmackhaft machte. Tatsächlich zeigten auch die Samsung-Fernseher knackige Bilder, wie sie fand. Sie müsste sich wohl noch schlauer machen, was das Beste für sie wäre.

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