Besuch im Handel

Mystery-Shopping: "Drohnen sind gar nicht meine Welt"

Uhr | Aktualisiert

Mystery-Shopperin Astrid T. hat sich nach drei Jahren wieder einmal auf die Suche nach einer Drohne gemacht. Damals waren Drohnen im stationären Handel noch kein Thema. Seither hat sich einiges getan – aber nicht überall.

(Source: DJI)
(Source: DJI)

Astrid T. hat sich wieder einmal mit Drohnen beschäftigt. Sie suchte eine Drohne, die den Sohn in den Winterferien beim Snowboarden filmen soll. Daher war ein sogenannter Follow-me-Modus ein Muss. Bei der letzten Suche vor drei Jahren waren fast alle der besuchten Händler noch nicht bereit für das Thema Drohnen. Die beste Beratung erhielt sie online bei Brack.ch. Astrid wollte wissen, was sich seither im stationären Handel getan hat und ging in Begleitung von "CEtoday" erneut auf Mystery-Shopping-Tour, die sie zu Melectronics, Interdiscount, Media Markt, Conrad und in den Euronics- und EP-Fachhandel führte.

Melectronics

Bei ihrer ersten Station, Melectronics, begab sich Astrid zum Kassentresen und fragte nach einer Beratung zu Drohnen. Die Verkäuferin entgegnete hektisch: "Wir haben rechts in der Ecke welche. Für eine Beratung müssen Sie an den entsprechend angeschriebenen Tresen gegenüber, ich bin allein an der Kasse." Astrid tat wie geheissen und stellte sich ans Ende einer kurzen Warteschlange vor den Beratungstresen. Dahinter standen zwei Verkäufer, die sich aber nach kurzer Zeit ins Lager oder sonst wohin verabschiedeten. Astrid wartete fast 9 Minuten, bis sich eine Verkäuferin ihrer annahm und sie zu drei ausgestellten Drohnen von DJI führte und sagte: "Zu Drohnen kann ich leider nichts sagen, das ist gar nicht meine Welt." Sie zeigte auf eine ausgestellte Mavic 2 Zoom für fast 1400 Franken und sagte: "Die ist schön kompakt und folgt Ihnen, aber wenn Sie eine bessere Beratung wünschen, müssen Sie auf den Kollegen warten." As­trid wünschte sich natürlich eine bessere Beratung für so viel Geld. Nach zwei weiteren Minuten hatte sie aber genug gewartet. Sie hoffte, in der nahegelegenen Interdiscount-Filiale eine ausführlichere Beratung zu erhalten.

Interdiscount

Bei Interdiscount fand Astrid keine ausgestellten Drohnen, weshalb sie sich wiederum zum Kassentresen begab. Nach weniger als 2 Minuten Wartezeit erklärte sie einem Verkäufer ihre Suche, worauf der sagte, er werde im Lager nach Drohnen suchen. Nach 2 weiteren Minuten kam er mit einer verpackten DJI Spark in der Hand zurück und sagte: "Das ist die Einsteigerserie von DJI für 550 Franken, aber auch die ist schon viel besser als Drohnen für 100 Franken. Sie fliegt besser, hat einen besser auskorrigierten Gimbal und natürlich ist auch die Kamera besser." Astrid wollte wissen, was der Unterschied zum höherwertigen Modell sei, worauf der Verkäufer sagte, dass das Modell Mavic Pro von DJI den noch besseren Gimbal habe, weiter fliege und zusammenklappbar sei. Das Modell sei der Topseller, koste aber doppelt so viel wie die Einstiegsserie. Astrid wollte wissen, welches Modell er ihrem Sohn für die Winterferien empfehlen könne. Der Verkäufer meinte aber nur, dass beide sehr gut seien und Astrid wissen müsse, wie viel es ihr wert sei. Astrid bedankte sich nach gut 6 Minuten Beratung und sagte, sie wolle sich Zeit nehmen und überlegen, welches der beiden Modelle sie nehmen möchte.

Media Markt

Astrid war zufrieden, der Interdiscount-Verkäufer kannte sich mit Drohnen aus. Sie hätte sich aber eine genauere Empfehlung gewünscht. Sie ging weiter zu Media Markt, wo sie kurz nach Betreten des Ladens auf einen Verkäufer traf und ihn ansprach. Er führte sie zu etwa einem halben Dutzend ausgestellter Geräte zu Preisen von rund 400 bis 1300 Franken. Er riet "für ihren gewünschten Anwendungszweck zum Mittelklassemodell Mavic Air für rund 700 Franken, unser absoluter Topseller". Er zeigte ihr, wie sich die Drohne zusammenklappen lässt, was besonders auf Reisen wichtig sei. Astrid wollte wieder wissen, was das Modell von den teureren unterscheide. Der Verkäufer antwortete, dass der einzige Unterschied sei, dass der Akku 21 statt 31 Minuten im Vergleich zur Mavic 2 Zoom halte. Nach rund 2 Minuten schien er das Verkaufsgespräch beenden zu wollen. Er wollte wissen, ob sich Astrid auch für Zubehör interessiere, worauf Astrid dankend ablehnte und sich verabschiedete. Der Verkäufer schien informiert, aber etwas wortkarg, fand sie.

Euronics-Fachhändler

Ausführlichere Beratung erhoffte sich Astrid im Fachhandel. Beim Euronics-Fachhändler kam gleich ein Verkäufer auf sie zu, antwortete ihr aber auf ihre Frage nach Drohnen: "Das führen wir nicht, wir haben nur Fernseher und Radios." Wo sie eine Beratung für Drohnen erhalten könne, konnte er ihr ebenfalls nicht sagen. Also ging Astrid nach einer halben Minute wieder und versuchte es beim EP-Fachhändler.

EP-Fachhändler

Auch bei EP war sofort eine Verkäuferin zur Stelle, doch auch sie sagte: "Wir können ganz wenige Drohnen bestellen, aber kennen uns nicht wirklich aus. Wir sind nicht die richtige Anlaufstelle für eine Beratung." Immerhin riet sie aber, für eine Beratung ins Modellbaufachgeschäft oder zu Conrad zu gehen. Astrid verliess den EP-Fachhändler nach einer Minute und folgte dem Rat.

Conrad

In der Conrad-Filiale sprach Astrid wieder einen Verkäufer auf ihre Suche an, der sie zu einem Kollegen hinter einem Tresen führte. Der stellte das Modell DJI Spark für 550 Franken auf den Tresen und sprach über dessen Eigenschaften wie Achsenstabilisierung und Kameraauflösung. Die nächste Stufe bekomme sie mit der DJI Mavic Air zum Aktionspreis von rund 700 Franken. "Davon bin ich Fan", sagte er und begann, von der Marke zu schwärmen. "Die Drohne bietet 4k-Auflösung, dafür brauchen Sie aber den richtigen PC." Sie fliege schneller und länger als das günstigere Modell und lasse sich ausserdem zusammenklappen. Er sprach über die Funktionen des Verfolgungsmodus, erwähnte programmierbare Filmmodi und zahlreiche Sicher­heitseinstellungen. Anschliessend erklärte er die Fernbedienung und liess die Drohne kurz starten, ohne abzuheben, damit sich Astrid ein eigenes Bild machen konnte. Der Verkäufer schien in seiner Begeisterung über die Drohne kaum zu bremsen zu sein und sagte, dass er sich persönlich dafür eingesetzt habe, dass das Gerät zum Aktionspreis erhältlich sei. Er habe sich gerade ein zweites Gerät gekauft. Nach gut 9 Minuten Beratung voll Enthusiasmus bedankte sich Astrid und beendete die Tour.

Fazit

Astrid war zufrieden, der Besuch bei Conrad stimmte sie versöhnlich. Dass sich ein Verkäufer so viel Zeit für sie nahm, ihr die Drohne erklärte, die einzelnen Funktionen vorführte und mit technischem Wissen, Praxiserfahrung und persönlicher Begeisterung punktete, erlebte sie selten. Genau so sollte eine Beratung in ihren Augen immer ausfallen. Damit kann der stationäre Handel der Onlinekonkurrenz trotzen. Nichts getan im Vergleich zur letzten Tour vor drei Jahren hat sich im Fachhandel. Noch immer möchte er sich offenbar des Themas Drohnen nicht annehmen. Immerhin war der Tipp der EP-Verkäuferin zu Conrad Gold wert. Am schlechtesten empfand Astrid die Beratung bei Melectronics. Auch geduldige Kunden wie sie sind es irgendwann leid und verlassen den Laden, wenn sie lange warten müssen und dann nichts weiter zu hören bekommen als: "Damit kenne ich mich nicht aus, warten Sie auf den Kollegen." Wem so etwas widerfährt, der kommt für gewöhnlich nicht so schnell wieder.

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DPF8_122010

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