Nachgefragt bei Dieter Erhardt

Update: Aus für Fotopro

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Die Fotofachhandelsgruppe Fotopro hat Insolvenz angemeldet. Von der Schliessung betroffen sind alle Filalen in Bern, Luzern, Winterthur und Zürich. Die rund 90 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

(Source: Marcin Wichary / Flickr.com)
(Source: Marcin Wichary / Flickr.com)

Update: 22.11.2018: Dieter Erhardt, Verwaltungsratspräsident der Fotopro Group, beantwortet im Interview Fragen zum Insolvenzverfahren von Fotopro.

Wird Fotopro komplett schliessen oder gibt es eine Möglichkeit, einzelne Filialen oder das Onlinegeschäft zu behalten?

Dieter Erhardt: Sobald das Konkursamt die Insolvenz abgewickelt hat, wird Fotopro definitiv aufgelöst. Es ist aber möglich, dass Filialen von der Gruppe herausgelöst weitergeführt werden. Unsere Mietverträge sind aufgelöst. Mögliche Interessenten können sich ab Ende der Woche beim zuständigen Konkursamt melden. Der Onlineshop war für Fotopro eine Kommunikationsplattform und ist ohne stationäre Läden nicht interessant für uns.

Wieso fand sich kein Nachfolgelösung?

Wir haben intensiv nach Lösungen gesucht, aber leider nichts gefunden. Wir hatten schon vor fünf Jahren ein Management Buy Out, das hat aber leider nicht geklappt. Es ist schwierig, bei einem Management Buy Out die nötigen Finanzierungsmöglichkeiten von Banken zu bekommen.

Was geschieht mit den rund 90 Mitarbeitern von Fotopro? Gibt es einen Sozialplan?

Wir mussten keinen Sozialplan fertigen, weil wir alle Löhne und Sozialkosten bezahlt haben und gut abgesichert sind. Für die Lehrlinge suchen wir nach Arbeitsplätzen und haben auch schon einige Lösungen gefunden.

Was geschieht mit dem Fotoschiff?

Das Fotoschiff wird nicht mehr stattfinden können, weil es genau zur selben Zeit wäre wie die Photokina in Köln. Das ist schade, aber Messen sind nicht mehr so gefragt wie früher. Das zeigt sich auch am Ende der Züspa. Früher kam der Kunde in den Laden und liess sich ein Produkt zeigen. Anschliessend überlegte er zu Hause, ob er es kaufen möchte. Heute sind Kunden informiert durch das Internet.

Würden Sie wieder ein Fotofachgeschäft eröffnen?

Nein. Ich komme zwar aus einer Fotofachhandelsdynastie, meine Vorfahren eröffneten 1903 das erste Fotofachgeschäft in Deutschland. Aber heute würde ich meinen Kindern zu etwas anderem raten. Fotografie ist nur noch ein Nischengeschäft, das grosse Geld lässt sich mit Handys verdienen. Zudem übernehmen Hersteller immer mehr Direktgeschäfte und umgehen so den Handel.

Was raten Sie anderen Fotofachhändlern?

Ich empfehle ihnen, auf das Passbild- und Porträtgeschäft zu setzen, das bleibt aktuell. Ausserdem rate ich, nur noch zwei- oder dreijährige Mietverträge abzuschliessen. Händler müssen die Miete unter Kontrolle halten, die Mietkosten sind oft viel zu hoch. Als ich 1983 meinen ersten Laden von der Firma Ganz übernahm, war mein grösster Fehler, dass ich nicht auch die Liegenschaft übernahm.

Marktforscher Luca Giuriato von GfK Switzerland sagt auf Anfrage, dass es einen harten Preiskampf im Fotomarkt gibt. Fotografie sei eines der am stärksten nachgefragten Segmente im Onlinehandel. Der Fachhandel könne mit fachkundiger Beratung und Dienstleistungen wie Workshops trotzdem seine Berechtigung haben und erfolgreich sein.

Originalmeldung vom 21.11.2018:

Fotopro hat seine Läden zugemacht. Wie Fotointern unter Berufung auf Unternehmensangaben berichtet, meldete die Gruppe am 19. November Insolvenz an. Die Filialen in Bern, Luzern, Winterthur und Zürich bleiben wohl für immer geschlossen. Die rund 90 Mitarbeiter seien gestern Nachmittag über die Unternehmenspleite informiert worden. Ob ein Sozialplan existiert, ist unbekannt.

Fotopro schreibt, dass die Gruppe mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses und dem Wechsel des Einkaufsverhaltens vom Inland ins Ausland innerhalb kürzester Zeit erheblich an Umsatz verloren habe. Die finanziellen Probleme vergrössert hätten der Erfolg des Smartphones, das die Kompaktkamera substituiert habe, und die Verschiebung vom stationären Handel zu den verschiedenen Onlinekanälen.

Die 1996 gegründete Gruppe trat mit dem Ziel an, günstigere Einkaufsbedingungen für ihre Mitglieder zu schaffen, gemeinsame Ressourcen zu nutzen und gegenüber den Mitbewerbern im Markt besser bestehen zu können. Doch dem Fotohandel geht es generell nicht gut. Wie der Blick unter Berufung auf den Branchenverband Imaging Swiss schreibt, halbierte sich die Zahl der Mitglieder in den vergangenen zehn Jahren auf nun 150. Zuletzt verkaufte Fotopro seinen Leica-Store in Zürich an Leica Camera (Schweiz).

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DPF8_116770

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