Smarthome-News

Der Nachhaltigkeit verschrieben?

Uhr | Aktualisiert
von René Senn, Fachgruppe Intelligentes Wohnen der GNI

Intelligentes Wohnen ist heute kein Luxus mehr, sondern notwendig, um die Gebäudeeffizienz zu verbessern. Mit den meisten Systemen zur intelligenten Gebäudesteuerung lassen sich vielfältige Funktionen einrichten. Wie steht es aber um deren Nachhaltigkeit?

Das bekannteste intelligente Haus der Schweiz ist lange Zeit das Futurelife in Hünenberg gewesen. Es wurde im Jahr 2000 realisiert und wartet seit 16 Jahren mit intelligenten Funktionen auf. Intelligentes Wohnen ist also längst gelebte Realität. Wie es gemacht wird, ist bekannt. Doch nun beginnt eine neue Ära: Das Smarthome wird massentauglich. Allein in der Schweiz wird der Begriff "Smarthome" heute 8-mal häufiger gegoogelt als noch 2011, in Deutschland in derselben Periode sogar 25-mal häufiger. Die Geschichten von PC und Handy zeigen: Was bei der Entwicklung noch komplex, umständlich und nicht für den Massenmarkt gedacht war, wird von den Endnutzern akzeptiert, sobald ein einfaches Plug-and-Play-System verfügbar ist. Gleiches dürfte jetzt im Smarthome-Markt passieren, denn mit der Digitalisierung reduziert sich die Komplexität von Installation und Steuerung sowohl für den Installateur als auch den Endnutzer zunehmend.

Die Vernetzung der Dinge über das Internet (IoT, Internet of Things) wird dem Smarthome-Markt nochmals zusätzlichen Auftrieb geben. Etablieren werden sich wohl zwei unterschiedliche Ansätze: zum einen die professionelle Installation mit einer umfassenden Vernetzung gemäss einer langfristigen Strategie, zum anderen die Ad- hoc-Vernetzung, bei der kleinere, unabhängige Systeme dank Netzwerkanbindung miteinander verbunden werden.

Immer kürzere Lebenszyklen

In der Branche wird stets von Nachhaltigkeit im Sinne eines Investitionsschutzes gesprochen. Zumindest im Bauwesen bekommt man das Gefühl, dass Investitionen für die Ewigkeit sein sollten. Bei den Smarthome-Systemen sieht es leider ganz anders aus: Bei vielen der neuen, oft kleinen Systeme, die in immer kürzeren Abständen auf den Markt drängen, scheint Nachhaltigkeit kein grosses Thema zu sein. Ihre softwarebetriebenen Geräte funktionieren manchmal plötzlich nicht mehr, sei es, weil es die Firma nicht mehr gibt, sei es, weil ein "altes" Gerät den neuesten Softwarestand nicht mehr unterstützt (dem Autor ist dies mit einem etwa einjährigen Gerät passiert). Deshalb überschrieb auch das Magazin "Die Zeit" am 5. April einen Artikel zum Thema Smarthome mit dem Satz: "Heute aktuelle Technik, morgen Briefbeschwerer."

Ein Grund dafür, dass solche "Briefbeschwerer" entstehen, ist einfach: Je vernetzter die elektronischen Geräte untereinander sind, desto häufiger sind Sicherheitsupdates und Aktualisierungen nötig. Viele Systeme benötigen zudem einen zentralen Server, der irgendwo auf der Welt stehen kann. Wird er abgeschaltet, ist es dann auch rasch mit dem Smarthome in den eigenen vier Wänden vorbei. Das ist alles schon passiert.

Die Entscheidung liegt beim Kunden

Dass langlebige Systeme grosse Vorteile haben, zeigt das Futurelife in Hünenberg. Dort werkelt immer noch dieselbe Technik wie vor 16 Jahren, das eingesetzte System (KNX) ist heute noch am Markt. Das heisst jedoch nicht, dass Stillstand herrscht: Derzeit wird die Technik des Futurelife mit neuen Geräten ergänzt und sie lässt sich bereits übers Smartphone steuern. Beim Bau vor 16 Jahren war die WAP-Technologie das höchste der Gefühle, sie funktionierte zwar ähnlich wie ein Smartphone, war aber längst nicht so komfortabel. Die professionelle Installation mit einer umfassenden, langfristig ausgerichteten Vernetzung ist daher die beste und nachhaltigste Lösung für ein Gebäude, das auch morgen noch up to date sein will. Die Entscheidung liegt aber letztlich beim Kunden.

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