Jeder vierte Neuwagen mit Ladeanschluss

Das sind die beliebtesten Elektroautos der Schweiz

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von Oliver Wietlisbach, (lha)

Das Model Y ist in der Schweiz beliebter als alle anderen Elektroautos und lässt auch Benziner hinter sich. Knapp 5000 der mit Strom betriebenen Tesla-SUVs wurden 2022 neu zugelassen. Jeder vierte Neuwagen hatte vergangenes Jahr einen Ladeanschluss.

(Source: Michael Marais/ Unsplash)
(Source: Michael Marais/ Unsplash)

Teslas Model Y ist 2022 allen davongefahren. Es war vergangenes Jahr nicht nur mit grossem Abstand das meistverkaufte Elektroauto in der Schweiz, sondern auch beliebter als sämtliche Benzin- und Dieselautos. Insgesamt wurden 4928 Stück des 55'000 bis 71'000 Franken teuren Elektro-SUV neu zugelassen. Elon Musks Model Y hat damit die Dauerbrenner VW Tiguan und den Familienkombi Skoda Octavia fast aus dem Stand überholt.

Dieses Kunststück gelang Tesla bereits 2021, als mit dem Model 3 zum ersten Mal überhaupt ein Elektroauto das meistverkaufte Auto der Schweiz war. 2022 reichte es Teslas Mittelklasse-Limousine Model 3 noch auf Rang fünf in der Verkaufshitparade aller Autos und auf Rang zwei bei den E-Autos. Hauchdünn dahinter verkaufte sich auch Skodas Elektro-SUV Enyaq aus dem Volkswagen-Konzern wie geschmiert.

(Source: Watson/Auto Schweiz

(Source: "Watson.ch"/Auto Schweiz)

Obwohl Tesla auf den ersten Blick die beliebteste E-Auto-Marke der Schweiz ist, setzt Volkswagen weiterhin am meisten Elektroautos bei uns ab. Gleich fünf Modelle des deutschen Herstellers finden sich auf den Rängen drei bis sieben in den Top 10 der meistverkauften E-Autos. In den Top 20 sind gar sieben Modelle der Volkswagen-Marken VW, Audi, Skoda, Cupra und Porsche vertreten.

Der Schweizer E-Auto-Markt bleibt somit fest in der Hand von Volkswagen und Tesla. Insgesamt sind zehn der 20 meistverkauften Modelle von deutschen Herstellern. Chinesische Marken spielen hierzulande noch kaum eine Rolle. Abgesehen von Volvo und Polestar, die zum chinesischen Geely-Konzern gehören, finden sich die aufstrebenden chinesischen E-Auto-Hersteller nicht in den Top 20.

Jeder vierte Neuwagen hatte 2022 einen Ladeanschluss

Knapp 18 Prozent der im vergangenen Jahr verkauften Neuwagen fahren ausschliesslich mit Strom, zusätzliche 8 Prozent haben sowohl einen Verbrennungs- als auch einen Elektromotor, lassen sich also ebenfalls via Stecker am Stromnetz aufladen. Diese sogenannten Plug-in-Hybride, die oft nur etwas über 50 Kilometer elektrisch zurücklegen können, sind aber bereits wieder auf dem absteigenden Ast. Sie verkauften sich rund 16 Prozent schlechter als im Vorjahr. Reine Elektroautos hingegen legten um 26 Prozent zu. Viele Hersteller hätten sich während der Chipkrise auf vollelektrische Modelle fokussiert, begründet der Verband Auto Schweiz den Abschwung bei den Teilzeit-Stromern.

Insgesamt war 2022 somit ein Viertel der hierzulande verkauften Neuwagen entweder rein elektrisch angetrieben oder ein Plug-in-Hybrid. Der Verband Auto Schweiz frohlockt, dass die Schweizer Neuwagenflotte so "stetig klimafreundlicher" werde. Allerdings bleibt viel Luft nach oben, wie ein Blick gen Norden zeigt: In Norwegen hatten Autos mit Ladeanschluss im Vorjahr einen Marktanteil von 88 Prozent (79 Prozent vollelektrisch und 9 Prozent Plug-in-Hybride).

Schweiz fällt zurück

Was den Anteil von Elektroautos angeht, fiel die Schweiz in der europäischen Rangliste hinter Deutschland zurück. Neu liegt sie auf Rang acht. Die Entwicklung sei absehbar gewesen, schreibt der Verband Swiss eMobility dazu. Als Grund sieht er den hohen Mieteranteil in der Schweiz. Denn Mieterinnen und Mieter hätten häufig schlechtere Voraussetzungen als Personen mit Eigenheim, wenn es darum gehe, zuhause eine Ladestation zu installieren.

Der Ausbau der öffentlichen Ladestationen gewinnt derweil gemäss dem Jahresrapport des Verbandes Swiss eMobility an Tempo. Insgesamt gibt es landesweit nun 12'560 Ladepunkte. Das sind 556 oder 35 Prozent mehr als im Vorjahr.

Laut Swiss eMobility sollen auch "Lieferprobleme und dadurch entstandene abschreckende Wartefristen" verantwortlich für das eher verhaltene Wachstum beim Verkauf neuer E-Autos sein. In der Tat hatten mehrere beliebte E-Auto-Modelle, je nach gewünschter Ausstattung, teils rekordverdächtige Lieferfristen von über einem Jahr. Die grosse Nachfrage und das knappe Angebot führten zudem dazu, dass selbst E-Autos in den günstigeren Fahrzeugklassen mit einem Mal mehrere Tausend Franken teurer wurden.

Hybrid-Autos boomen, Verbrenner verlieren

Ein Viertel der Immatrikulationen betrafen Hybrid-Fahrzeuge ohne Ladeanschluss. Dies entspricht einem Plus von 7,5 Prozent gegenüber 2021.

Noch rund die Hälfte der neu in Verkehr gesetzten Fahrzeuge hatten ausschliesslich einen Verbrennungsmotor. Der Anteil der Benziner betrug 38 Prozent, Dieselfahrzeuge kamen noch auf 12 Prozent.

In Norwegen entschieden sich 2022 nur 3,6 Prozent für einen Benziner und 3,1 Prozent für ein Dieselfahrzeug. VW will deshalb ab 2024 keine Verbrenner-Autos mehr in Norwegen anbieten.

Der Blick nach Norwegen zeigt, wohin die Reise geht: Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Autos sind bestenfalls Zwischenlösungen. Mit dem 2022 von der EU beschlossenen Aus für den Verkauf neuer Benzin- und Dieselautos bis 2035 ist der Wandel zur Elektromobilität unumstösslich. Zahlreiche Autobauer werden in Westeuropa bereits in den nächsten Jahren aus dem Verbrennungsmotor aussteigen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei "Watson.ch"

 

Apropos Elektroautos: Forschende aus den USA haben ein neues Material entwickelt, das Fast Charging auch bei Fahrzeugen ermöglichen soll. Mehr dazu erfahren Sie hier.

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