Twint gewinnt gegen Apple Pay & Co.

Mobile Payment nimmt in der Schweiz Fahrt auf

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von Joël Orizet und ebe

Schweizerinnen und Schweizer sind im DACH-Raum Vorreiter im mobilen Bezahlen. Vor allem die Nutzung von Twint ist hierzulande stark gestiegen - Apple Pay wird derweil beliebter bei der jungen Generation.

(Source: martin-dm / iStock.com)
(Source: martin-dm / iStock.com)

Mobile Payment kommt in der Schweiz an. Im Vergleich mit Deutschland und Österreich kommen mobile Bezahllösungen in der Schweiz bei weitem am häufigsten zum Einsatz, wie aus einer Befragung des IT-Beraters Bearingpoint hervorgeht.

Twint ist hierzulande die Mobile-Payment-Lösung Nummer eins. Den Umfrageergebnissen zufolge stieg die Twint-Nutzung im Jahresvergleich von 27 auf 45 Prozent. Im Ranking der Zahlungsmittel sei Twint nach Bargeld und Debitkarte das am dritthäufigsten genutzte Zahlungsmittel in der Schweiz. Andere Mobile-Payment-Anbieter wie Apple Pay (5 Prozent), Google Pay (3 Prozent) und Payback Pay (1 Prozent) hinken weit hinterher.

Die Nutzung von Bargeld in der Schweiz sei im Jahresvergleich von 71 auf 64 Prozent gesunken. Dennoch bleibt Cash hierzulande das wichtigste Zahlungsmittel – gefolgt vom kontaktlosen Bezahlen per Debitkarte, das um neun Prozentpunkte auf einen Anteil von 47 Prozent gestiegen sei.

(Source: Bearingpoint)

In Deutschland und Österreich bezahle nach wie vor nur ein kleiner Teil der Bevölkerung via Smartphone und Bezahl-App. In Deutschland verwenden gemäss der Befragung 7 Prozent Paypack Pay, 5 Prozent Apple Pay, 4 Prozent Google Pay und 1 Prozent gibt an, mit dem App Bluecode zu bezahlen. In Österreich würden Apple Pay (5 Prozent), Google Pay (3 Prozent) und Bluecode (3 Prozent) genutzt.

Apple Pay gewinnt bei der jungen Generation an Zuspruch

Auffällig sei, dass Apple Pay bei der jungen Generation inzwischen beliebter werde. Unter den 18- bis 24-Jährigen nutzen in der Schweiz und in Deutschland mittlerweile 12 Prozent und in Österreich 14 Prozent die Bezahlmöglichkeit per Apple Pay. Im Vorjahr hätten nur sechs Prozent der jungen Altersgruppe in der DACH-Region diesen Paymentdienst genutzt.

Das kontaktlose Bezahlen mit Debitkarte sei in der Schweiz (47 Prozent) und in Österreich (67 Prozent) nach Bargeld die zweithäufigste Zahlungsmethode. In Deutschland hingegen stehe an zweiter Stelle Paypal (59 Prozent) – noch vor der kontaktlosen Debitkarte. In der Schweiz ging die Nutzung von Paypal in den vergangenen 12 Monaten von 44 Prozent auf 31 Prozent zurück, wie es im Ergebnisbericht heisst.

Schnelligkeit spricht fürs kontaktlose Bezahlen

Die am häufigsten genannten Vorteile des kontaktlosen Bezahlens sind in allen drei Ländern die Schnelligkeit und Hygiene. Schnelligkeit steht als Grund in der Schweiz für 69 Prozent, in Österreich für 66 Prozent und in Deutschland für 52 Prozent der Befragten ganz oben in der Liste. Die hygienische Sicherheit spiele für viele Schweizer (56 Prozent), Deutsche (47 Prozent) und Österreicher (56 Prozent) ebenfalls eine grosse Rolle.

(Source: Bearingpoint)

Als Gründe für die zunehmende Nutzung von Mobile Payment sieht Bearingpoint unter anderem die steigende Bekanntheit von Neobanken wie Neon, N26 und Revolut. "Darüber hinaus hat die Pandemie unser Konsumverhalten verändert und das kontaktlose Bezahlen weit verbreitet", sagt Marco Kundert, Partner bei Bearingpoint Schweiz. Der starke Anstieg im E-Commerce habe die Nutzung von digitalen Zahlungsmitteln ebenfalls gefördert.

Die genannten Zahlen beruhen auf einer Onlineumfrage, die von Yougov im Auftrag von Bearingpoint vom 2. bis 21. Juni 2021 durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 3119 Personen in der Schweiz, in Deutschland und Österreich an der Umfrage teil.

Der "Swiss Payment Monitor" der Universität St. Gallen und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW geht weiter in die Details: Den Ergebnissen zufolge geniessen Bankkarten aktuell (noch) grössere Sympathien als Mobiltelefone und werden vergleichsweise deutlich häufiger als Zahlungsmittel eingesetzt, weil sie länger existieren. Das Zahlungsverhalten hängt also stark mit eingespielten Gewohnheiten zusammen. Tobias Truetsch, Head of Swiss Payment Behaviour Lab der Universität St. Gallen, wirft in seinem Fachbeitrag einen Blick in die Zukunft: Dereinst könnten sich "unsichtbare" Bezahlvorgänge durchsetzen. Der "Schmerz des Bezahlens", der bei Bargeld aufgrund der hohen Transparenz am grössten ist, werde verschwinden, schreibt Truetsch. Konsumenten geben dadurch mehr aus - und die Gefahr der Ver- und Überschuldung steigt.

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