One-to-One mit Peter Ogley

Warum Pure die Marke Braun Audio nach 30 Jahren zurückbringt

Uhr

Seit August ist Peter Ogley CEO des Digitalradio-Spezialisten Pure. Im Interview sagt der 47-Jährige, worauf er den Fokus bei Pure legt, warum die Marke Braun nach 30 Jahren zurück ist und wie sich das Unternehmen auf den UKW-Ausstieg in der Schweiz vorbereitet.

Peter Ogley, CEO von Pure (Source: zVg)
Peter Ogley, CEO von Pure (Source: zVg)

Wie hören Sie am häufigsten Musik?

Peter Ogley: Das Radio ist der stetige Begleiter bei uns zuhause. Meine Familie und ich kabbeln häufig, wessen Lieblingsprogramm wir hören. Meistens ist eines meiner Kinder am schnellsten beim Radio und gewinnt darum. Auch wenn ich auf Reisen bin - was häufig vorkommt - höre ich Musik. Dann über Kopfhörer, wenn ich etwa am Flughafen warte oder im Flugzeug sitze. So bekomme ich auch beim Reisen ein bisschen "Me Time".

Was haben Sie als Pure-CEO als Erstes in Angriff genommen?

Das Team hatte vor meinem Start viele Monate lang extrem hart an zwei wichtigen Produktreihen gearbeitet. Einerseits an der neuen Pure-Elan-Reihe und andererseits an unserer Braun-Audio-Serie. Aufgrund der Coronakrise und des damit verbundenen Lockdowns brauchten die Projekte aber eine Neuausrichtung. Ich bin also direkt zur Sache gekommen, habe neue Arbeitsmuster eingeführt und den Teams Mut gemacht, um sicherzustellen, dass die neuen Produkte auch wirklich zur Hauptverkaufssaison bei den Händlern ankommen. Ich bin wirklich stolz darauf, was das Team geleistet hat. Es waren ein paar verrückte, aber auch spassige Wochen.

Ab wann sind die neuen Produkte erhältlich?

Unsere Elan-Reihe ist seit Oktober in ganz Europa und Australien erhältlich. Mitte November folgt dann das Braun-Sortiment. Wir lancieren die Braun-LE-Serie in zwei Phasen. Zuerst konzentrieren wir uns vor allem auf den Onlineverkauf und werden mit einigen spezialisierten Resellern zusammenarbeiten. In der ersten Phase wollen wir vor allem Design-Enthusiasten ansprechen. In einer zweiten Phase im Januar oder Februar weiten wir den Vertrieb etwas aus, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

Was möchten Sie bei Pure ändern?

Ich möchte die Customer Experience in den Vordergrund stellen, noch mehr vom Kunden ausgehend denken und Produkte entwickeln. Pure gibt es seit rund 20 Jahren. Anfangs war das Unternehmen Teil von Imagination Technologies und sehr stark auf Technologie fokussiert. Pure diente als Vehikel, um Chipsätze und DAB-Produkte am Markt einzuführen. Mittlerweile ist Pure komplett unabhängig. Wir wollen uns nun mehr darauf konzentrieren, die Bedürfnisse vieler verschiedener Arten von Kunden zu verstehen und ihnen Produkte zu bieten, die diesen Bedürfnissen wirklich gerecht werden. Natürlich müssen wir, um besondere und aufregende Produkte herzustellen, auch immer an der Technologie feilen. Aber es soll nicht mehr Ziel sein, einfach eine Technologie auf den Markt zu bringen. Stattdessen wollen  wir dem Kunden oder der Kundin eine Lösung bieten, die seine oder ihre Bedürfnisse komplett abdeckt.

Sie sind seit rund 25 Jahren in der Audiobranche tätig und waren unter anderem für Bose und Sennheiser im Einsatz. Was unterscheidet Pure von Ihren bisherigen Arbeitgebern?

Das Format. Meine beiden vorherigen Arbeitgeber waren viel grösser. Ausserdem war ich bisher noch nie für eine britische Firma tätig. Pures einfache Struktur macht das Unternehmen sehr spannend. Wir haben die Chance, zu wachsen, uns zu verändern und unseren Platz am Markt zu finden. Anders als bei meinen vorherigen Arbeitgebern habe ich hier zudem die Möglichkeit, mit jedem einzelnen Pure-Mitarbeitenden und auch mit denen der Schwesterorganisationen zusammenzuarbeiten und den persönlichen Kontakt zu unseren Distributoren intensiver zu pflegen. So kann ich mich stärker einbringen und das Unternehmen ist dadurch insgesamt agiler. Ausserdem macht es auch einfach Spass, in allen Bereichen der Wertschöpfung für die Kunden involviert zu sein.

Das klingt alles sehr positiv. Welche Schwierigkeiten gibt es für kleinere Unternehmen? 

Mit jedem Vorteil kommt meist auch ein Nachteil. Grosse Unternehmen haben den Vorteil, dass sie bereits am Markt etabliert und bekannt sind. Aber gerade im Moment, wo sich die Welt und die Kundenbedürfnisse so schnell verändern, sind kleine Unternehmen, die schnell reagieren und handeln können, häufig besser dran. Ich würde klein momentan nicht gegen gross tauschen.

Was für einen Einfluss hatte die Coronakrise auf Pure?

Das Radio war während Corona nie weg, sondern hat einen grossen Aufschwung erlebt. Viele Leute sassen zuhause fest und konnten nicht ins Büro. Während dieser Zeit wurde das Radio, beziehungsweise wurden Radioinhalte zum stetigen Begleiter. Einerseits hörten die Leute mehr Newsinhalte, um bezüglich der aktuellen Situation und der Weisungen der Regierung auf dem Laufenden zu sein. Andererseits gab es auch das Bedürfnis, der Situation zu entfliehen. Dort konnte das Radio mit Musik- und Unterhaltungsprogrammen helfen. Ich betrachte das Glas immer gerne als halb voll, muss aber auch zugeben, dass Pure negative Auswirkungen gespürt hat. Es war während der letzten Monate schwierig, ein Unternehmen am Laufen zu halten. Die Lieferkette wurde gleich zu Beginn des Jahres stark in Mitleidenschaft gezogen, da Corona Asien als Erstes traf. Als sich die Situation in Asien wieder erholte, begann der Lockdown in den meisten europäischen Ländern. Wir mussten darum unsere Arbeitsweise komplett umstellen. Ein Beispiel: Normalerweise schicken wir, bevor wir mit der Produktion neuer Geräte beginnen, ein Ingenieurteam in die Produktionsstätten nach Asien. Das ging nicht mehr. Also liessen wir unsere Ingenieurteams in Schichten ab 5 Uhr morgens arbeiten, damit sie zumindest Live-Videokonferenzen mit der Produktion führen konnten. Ausserdem gingen die Konsumenten nicht mehr in den stationären Handel, was für viele unserer Einzelhandelspartner eine schwere Zeit bedeutete. Wir haben viel Sympathie für die Einzelhändler und haben versucht, sie in dieser Zeit so gut wie möglich im Onlineverkauf und -Support zu unterstützen.

Konnten Sie Ihr neues Team zum Stellenantritt im August persönlich treffen?

Nein. Noch bevor ich überhaupt offiziell angefangen hatte, machte ich darum mit den Mitarbeitenden genau das, was wir für das Interview gerade machen: einen Videocall. Das war sehr spannend, weil man dabei auch immer gleich einen Einblick ins Zuhause der Leute erhascht. Ausserdem war es auch einfach schön, mal wieder mit anderen Menschen zu interagieren. Mittlerweile sind wir zurück im Büro. Das Team leistete grossartige Arbeit dabei, das Büro in eine Covid-sichere Umgebung zu verwandeln.

Wie wichtig ist der Schweizer Markt für Pure? 

Obwohl die Schweiz ein kleines Land ist, ist dieser Markt für Pure sehr wichtig. Er zählt zu unseren Top-5-Märkten und unsere Produkte scheinen sehr gut auf die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten abgestimmt zu sein. Offensichtlich gibt es etwas, das Schweizer an unserer Marke lieben. Ausserdem spielt uns die geplante UKW-Abschaltung in die Hände. Ich glaube, der Schweizer Markt wird sowohl für Pure als auch für Braun in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Was haben Sie für die UKW-Abschaltung geplant?

Wir wissen bereits, was wir, sobald es so weit ist, zu tun und zu lassen haben, da Norwegen schon auf DAB+ umgestiegen ist. In Norwegen erhöhte sich die Nachfrage nach DAB+-Geräten zum Umstieg rapide. Ausserdem bestand ein grosser Wissensdrang vonseiten der Kunden. Daher werden wir sicherstellen, dass wir unsere Partner gut auf den Umstieg vorbereiten, die richtigen Produkte zur richtigen Zeit bereit haben und den Kunden die Möglichkeit bieten, mit uns zu kommunizieren - entweder via Social Media oder über unsere Onlineplattform. Wir haben ausserdem aus unseren Erfahrungen mit Norwegen gelernt, dass es zwar eine grosse Nachfrage geben kann, diese aber auch wieder zurückgehen wird. Wir werden also auch sicherstellen, dass unsere Partner nicht auf Überbeständen sitzen bleiben.

Wie unterstützt Pure den Fachhandel? 

Mit Thali haben wir einen der besten Partner am Schweizer Markt. Thali arbeitet eng mit unseren Teams zusammen und hat uns dabei geholfen, die Schweizer Händler zu verstehen und ihnen unsere Schlüsselbotschaften zu vermitteln. Wir legen grossen Wert darauf, unseren Fachhändlern mehr digitalen Content zur Verfügung zu stellen, den sie auf ihren Websites oder Social-Media-Seiten verwenden können. Denn digital wurde vor allem während der vergangenen sechs Monate immer wichtiger. Zusätzlich brauchen wir natürlich auch praktische Lösungen für den stationären Handel. Wir arbeiten also auch mit dem stationären Handel zusammen und stellen Point-of-Sales-Lösungen zur Verfügung. Das traditionelle Einkaufen im Laden wird nach wie vor wichtig sein, gerade bei Audioprodukten. Schliesslich wollen die Konsumenten probehören und wissen, wie ein Produkt aussieht und sich anfühlt.

Viele Konsumenten nutzen mittlerweile Musikstreaming-Angebote auf dem Smartphone. Welche Auswirkungen hat das auf Sie als Radiospezialisten?

Ich sehe das als grosse Chance, nicht als Bedrohung. Pure hat bereits Produkte im Sortiment, die diese Kunden ansprechen. Zum Beispiel den "DiscovR", den ich auch hier im Büro verwende. Es ist ein Radio-Streaming-Gerät. Ich verwende Alexa, um damit meine Lieblingsradiostationen zu hören. Den meisten Erfolg haben wir mit unseren Hybrid-Produkten. Diese dienen als Endlautsprecher für Content auf dem Smartphone, können aber auch DAB+ und UKW empfangen. Wir müssen unseren Kunden das bieten, was sie wollen und nicht das, was sie unserer Meinung nach haben sollten. Wenn sie also über ihr Handy auf ihre Inhalte zugreifen und trotzdem einen grossartigen Musikdienst erhalten möchten, machen wir das möglich. Wenn dann aber noch jemand im selben Haushalt lebt, der oder die auf traditionelle Art Radio hören möchte, ist das mit diesen Geräten ebenfalls kein Problem. Im Moment gibt es eine Menge Produkte am Markt, die sehr smart sind. Um diese zu benutzen, muss man aber häufig selbst zum Techie werden und vergessen, wie man Geräte früher bediente. Wir möchten die Leute bei dieser Umstellung Schritt für Schritt begleiten. Wir werden ständig daran arbeiten, zu verstehen, wie sich die Kunden anpassen und entwickeln, damit wir ihnen Produkte anbieten können, die sinnvoll und nützlich sind. Der Grund dafür, dass viele unserer Produkte immer noch einen Bildschirm und Knöpfe haben, während viele andere Hersteller darauf verzichten, liegt darin, dass es den Kunden sehr vertraut ist. Sie mögen die Tatsache, dass sie den Inhalt sehen können, der gerade abgespielt wird.

Sie haben die Marke Braun bereits erwähnt. Warum bringen Sie Braun nach langer Absenz zurück? 

Braun Audio war für rund 30 Jahre vom Markt. Die Marke nun zurückzubringen ist eine aufregende Gelegenheit. Braun stand stets für Produkte, die einfach, nützlich und langlebig sind. Das fühlt sich sehr zeitgemäss an. Die Leute kommen weg von der Wegwerfkultur, die in den 80ern und 90ern präsent war, und wollen wieder Produkte, die lange halten und gut durchdacht sind. Die Werte, für die die Marke Braun steht, treffen also den heutigen Zeitgeist. Die Zusammenarbeit mit Braun war auch einer der Gründe, weshalb ich zu Pure gekommen bin.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Braun aus?   

Wir arbeiten sehr eng mit Brauns Industriedesign-Teams zusammen. Sie verstehen die Benutzererfahrungen, nach denen ihre Kunden suchen, und wir können dabei helfen, diese zu entwickeln und an den Markt zu bringen. Sie wissen, was einen Braun zu einem Braun macht und wir helfen bei der Umsetzung und übernehmen den Verkauf, das Marketing und den Vertrieb der Produkte. Die Zusammenarbeit macht mir sehr viel Freude, denn es arbeiten grossartige Menschen für Braun, die ihre Kunden wirklich verstehen.

Bedeutet das, dass nach der LE-Serie noch weitere Braun-Produkte in den Handel kommen?

Das hoffe ich doch! Mit der LE-Serie bringen wir drei Speaker - klein, mittel und gross - heraus. Und das ist erst der Anfang. Wir planen, auch weiterhin mit Braun zusammenzuarbeiten. 

Was haben Sie in den nächsten Jahren mit Pure vor?

Pure soll zu einem Customer-First-Unternehmen anstelle eines Technology-First-Unternehmens werden. Das ist momentan unsere Priorität. Zurzeit sind wir im Vereinigten Königreich sehr stark und haben unsere Fühler auch in andere Teile der Welt ausgestreckt, möchten unsere Marktpräsenz aber noch ausdehnen und vertiefen. Dazu gehört, im asiatischen Markt aktiver zu werden. Gerade für Braun sehe ich dort viele Chancen. Zwar ist DAB in Asien nicht wirklich ein Thema, dafür sind Internet- und Content-Radio riesig. Zudem können wir noch mehr Tiefe in Europa gewinnen. Ziel ist es aber nicht, ein riesiges Unternehmen zu werden. Wir möchten in der Lage sein, Kundengruppen zu bedienen, die sich unterversorgt und nicht von den grossen Tech-Unternehmen angesprochen fühlen.

:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Persönlich

Peter Ogley (47) ist seit August 2020 Chief Executive Officer der Pure International Limited, dem weltweit agierenden Digitalradio-Hersteller und Lizenzinhaber der P&G-Marke Braun Audio mit Sitz in UK. Ogley ist Audio-Experte und lebt in Manchester. Er ist bereits seine gesamte Karriere lang in der Audio- und Consumer-Electronics-Branche zuhause. Ogley war ab 1994 mehr als zwei Jahrzehnte lang in verschiedensten Führungspositionen bei Bose Corporation tätig, bevor er 2017 für drei Jahre als COO die funktionale Verantwortung der Sennheiser Consumer Electronics Division inklusive des Produkt-, Marketing- und Business-Managements führte. Er begeistert sich für die Audiobranche, engagiert sich in seiner Freizeit auch als Trainer für das heimische U9-Cricket-Team und ist ein Fan des aktiven Laufsports. Ogley ist Vater von zwei Kindern. (Source: Pure)

Tags
Webcode
DPF8_195013

Kommentare

« Mehr