Marktreport

Vergleich von Video-Streamingdiensten

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von Ralf Beyeler, moneyland.ch

Dank Video-Streamingdiensten kann auch die Schweizer Bevölkerung überall und jederzeit via Smartphone, Tablet, PC oder TV-Gerät Videos anschauen. Telekom-Experte Ralf Beyeler vom unabhängigen Online-Vergleichsdienst moneyland.ch analysierte die relevantesten Streamingdienste.

Heute haben es die Konsumenten sehr bequem: Smartphone oder Tablet in die Hand nehmen, aus Millionen Videos auswählen und das Video starten. Video-Streamingdienste haben die Art und Weise, wie wir bewegte Bilder anschauen, revolutioniert. Noch vor 30 Jahren wurde vor allem geschaut, was die TV-Sender in diesem Moment gerade gesendet haben. Oder man lief in die Videothek und lieh sich einen Film auf einer Videokassette aus. Heute stellt sich eher die Frage: Für welchen Video-Streamingdienst soll man sich entscheiden? Insbesondere bei kostenpflichtigen Angeboten ist dies relevant, da viele Kunden nicht gleichzeitig bei mehreren Diensten ein Abo bezahlen wollen. Diese Frage stellt sich bei den kostenlosen Video-Streamingdiensten nicht, da Kunden diese in der Regel ohne Login verwenden können. Viele Anbieter stellen sogar Apps für Smartphones, Tablets, Apple-TV und weitere Geräte zur Verfügung.

Der grösste und beliebteste Video-Streamingdienst ist das seit 2006 zu Google gehörende Youtube. Die Nutzung von Youtube ist mehrheitlich kostenlos. Auf dieser Plattform sind viele Millionen kurze Videos verfügbar. Aber auch viele Fernsehsender stellen ganze Sendungen und Dokumentarfilme auf Youtube. Und Privatpersonen – sogenannte Youtuber – laden eigene Videos online. Auch vereinzelte Spielfilme sind verfügbar.

Auf vielen TV-Fernbedienungen gibt es inzwischen sogar einen Youtube-Knopf, mit dem Konsumenten direkt über ein Fernsehgerät ohne eine zusätzliche Box auf die Inhalte zugreifen können. In einer repräsentativen Umfrage von moneyland.ch gaben 2018 65 Prozent der befragten Schweizer an, dass sie Youtube nutzen. Für das Anschauen von Spielfilmen gibt es legale Streamingdienste wie zum Beispiel Netzkino. Kostenlos ist auch das Anschauen von Fernsehsendungen über die Mediatheken der Fernsehsender. Allerdings sind Sendungen aus den Mediatheken oftmals nur für kurze Zeit abrufbar. Manchmal stehen Videos offiziell für die Schweiz nicht zur Verfügung. Umgehen können Konsumenten diese Schweiz-Sperre, wenn sie einen VPN-Dienst nutzen.

 

Netflix: Filme und Serien zum monatlichen Pauschalpreis

Der bekannteste kostenpflichtige Video-Streamingdienst in der Schweiz ist Netflix. Seit fast fünf Jahren ist Netflix in der Schweiz verfügbar. Das Abo kostet derzeit zwischen 11.90 und 21.90 Franken im Monat. Die Abos unterscheiden sich insbesondere dadurch, wie viele Filme gleichzeitig geschaut werden können und in welcher Qualität die Filme verfügbar sind. Ein Markenzeichen von Netflix sind aufwändig selbst produzierte Serien und Filme. Netflix veröffentlicht dabei bei Serien alle Folgen einer ganzen Staffel auf einmal. Einige Fans haben es sich angewöhnt, alle Folgen einer Staffel kurz nach der Veröffentlichung zu schauen. Dafür hat sich der Begriff "Binge Watching" durchgesetzt. Derzeit sind etwa 2500 Filme und über 1000 Serien über Netflix verfügbar. Netflix ist allerdings dabei, das Angebot von unabhängigen Produzenten zu reduzieren. Auch für Netflix haben viele Fernsehgeräte einen eigenen Knopf auf der Fernbedienung.

Der Erfolg von Netflix führt dazu, dass verschiedene Unternehmen das Netflix-Konzept kopieren: Einerseits können die Konsumenten für einen monatlichen Pauschalbetrag beliebig viele Filme und Serien ansehen, und andererseits sind auf der Plattform viele eigenproduzierte Serien verfügbar. Zu den Netflix-Konkurrenten zählen Sky Show und Amazon Prime Video, die auch für Kunden aus der Schweiz erhältlich sind.

Sky Show kostet 14.90 Franken im Monat, bietet aber mit rund 300 Filmen und 200 Serien wesentlich weniger Inhalte als Netflix. Dafür erhalten die Kunden bei Sky Show zusätzlich Zugriff auf einige Premium-TV-Kanäle. Amazon Prime Video kostet knapp 6 Euro im Monat, für Neukunden aus der Schweiz sind es hingegen für die ersten sechs Monate nur knapp 3 Euro im Monat. Das Angebot umfasst ungefähr 2500 Filme und 400 Serien.

 

Video-Streamingdienste für Sportübertragungen

Ein grosses Thema sind Video-Streamingdienste für das Anschauen von Sportübertragungen. So werben in der Schweiz DAZN und Sky Sports um Kunden. Beide Anbieter bieten Sportübertragungen an, die im kostenlosen Free-TV nicht übertragen werden. DAZN kostet 12.90 Franken im Monat und bietet zum Beispiel amerikanische Basketball-, Football- und Baseball-Spiele oder Tennisübertragungen an. Auch Sky Sports setzt auf Fussball. (zum Beispiel Spiele aus der Premier League mit deutschen Kommentaren). Daneben überträgt Sky Sports Tennisspiele und Golfturniere oder Handballspiele. Pro Monat kostet Sky Sports 19.90 Franken.

Ein spezielles Abo von Sky Sports mit Schweizer Eishockeyspielen kostet monatlich 49.80 Franken – in der Regel allerdings zum Sonderpreis von 34.80 Franken. Trotz des hohen Preises für dieses Paket können Kunden von Swiss­com und Sunrise die Eishockey-Spiele nicht über ihre TV-Box sehen. Über das Smartphone, Tablet und den Computer sind die Spiele jedoch auch für Kunden von Swisscom und Sunrise verfügbar. Sowohl Swisscom wie Sunrise bieten viele Sportübertragungen via Teleclub im Einzelkauf an. Dazu zählen unter anderem sämtliche Fussballspiele der Raiffeisen Super League. Die Konsumenten können dann einzelne Spiele anschauen und bezahlen. Leider sind diese Spiele für Kunden von anderen Anbietern nicht verfügbar. Dies im Unterschied zu den meisten Streamingdiensten, die unabhängig vom eigenen Provider für alle Konsumenten zur Verfügung stehen. UPC und die meisten Kabelnetz-Betreiber haben für ihre TV-Kunden mit Mysports ein eigenes Sport-Angebot, insbesondere mit Eishockeyspielen. Dieses kostet 9 Franken am Tag oder monatlich 25 Franken.

 

Fazit

Video-Streamingdienste machen das Leben einfacher. Der Erfolg von Netflix führt dazu, dass andere Unternehmen wie Amazon oder Sky versuchen, Netflix zu kopieren. Ein grosser Teil des Angebots von Video-Streamingdiensten sind exklusive Inhalte. Die Kunden gucken dabei in die Röhre, wenn ihr Streamingdienst die Serie nicht anbietet. Wer alle drei führenden Video-Streamingdienste nutzen möchte, muss dafür rund 30 bis 40 Franken im Monat ausgeben. Das ist wenig realistisch. In der Regel wird sich ein Kunde für einen Streamingdienst entscheiden.

Noch kundenunfreundlicher ist die Situation im Sportbereich. Es ist eine Illusion, dass ein Kunde jedes Mal ein neues Sport-Abo abschliessen wird, weil ein Spiel auf einem bestimmten Video-Streamingdienst läuft. Noch kundenunfreundlicher ist die Strategie von Teleclub: Viele Sportübertragungen wie zum Beispiel Fussball-Spiele der Schweizer Raiffeisen Super League gibt es nur für Kunden von Swisscom und Sunrise. Wer nicht Kunde von Swisscom ist oder ein TV-Abo von Sunrise hat, kann die meisten Übertragungen auf legalem Weg nicht live verfolgen.

Eine Übersicht über die Kosten und Leistungen aller relevanten Streaming-Dienste finden Sie hier: https://www.moneyland.ch/de/video-streaming-vergleich

 

Zur Person

Ralf Beyeler ist Telekom-Experte beim unabhängigen Online-Vergleichsdienst moneyland.ch. Beyeler beobachtet den Schweizer Telekom-Markt seit dessen Liberalisierung im Jahr 1998 und gilt als sehr guter Kenner des Schweizer Telekom-Marktes. Seine kritischen Analysen sind bei Konsumenten, Journalisten und Anbietern gefragt. Beyeler twittert unter @ralfbeyeler aktiv. Moneyland.ch ist ein Online-Vergleichsdienst für Banken, Versicherungen, Krankenkassen und Telekom-Produkte.

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