Folgen der Digitalisierung

Unia: Von Selbstbedienungskassen profitieren primär die Arbeitgeber

Uhr | Aktualisiert

Selbstbedienungskassen verschlechtern die Arbeitsbedingungen, die Gesundheit und das berufliche Selbstverständnis des Verkaufspersonals. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Bern im Auftrag der Unia. Die Gewerkschaft fordert nun eine soziale Digitalisierung.

(Source: Antranias / pixabay.com)
(Source: Antranias / pixabay.com)

Die Unia hat Ergebnisse einer Studie zu Selbstbedienungskassen publiziert. Die Universität Bern führte die Studie zu den Folgen der Digitalisierung der Kassensysteme im Auftrag der Unia durch. Sie sollte die Auswirkungen von Self-Checkout und Self-Scanning auf die Arbeitsbedingungen, die Gesundheit und das berufliche Selbstverständnis des Verkaufspersonals im Detailhandel prüfen.

Mehr Arbeitsstress dank verbesserter Technologie

Die Studie hält fest, dass das Personal an den Selbstbedienungskassen zunehmend mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit bewältigen müsse. Das Verkaufspersonal solle zudem die Kunden kontrollieren und überwachen, was ausserhalb der beruflichen Qualifikationen eines Verkäufers liege. Dadurch steige der Stress und der Kundenkontakt erschwere sich, was beispielsweise in aggressives und unangemessenes Kundenverhalten primär gegenüber Verkäuferinnen münde. Das lange Stehen verursache zudem eine hohe physische Belastung.

Im Kassenbereich, wo hauptsächlich Frauen arbeiteten, bestünden generell schlechte Bedingungen, Stundelohnverträge, ausgeprägte und ungenügende Teilzeitarbeit, hohe Flexibilitätsanforderungen, fehlende Möglichkeiten zur Weiterbildung und keine Berufsperspektiven.

Soziale Digitalisierung

Die Unia fordert deswegen eine Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen durch die technischen Neuerungen, die dem Unternehmen finanzielle Vorteile verschaffen. Ferner verlangt die Gewerkschaft einen besseren Schutz der physischen und psychischen Integrität sowie Weiterbildungsmöglichkeiten, um die Anforderungen der Digitalisierung zu meistern. Die Unternehmen sollten eine klare Regelung der Haftung bei Diebstahl oder Betrug durch die Kundschaft aufstellen. Ausserdem sollten die Selbstbedienungskassen den Verkäufern eine bessere Arbeitszeitplanung ermöglichen und mitnichten zu einem Stellenabbau führen.

Die Unia kritisiert insbesondere die fehlenden positiven Auswirkungen der Digitalisierung für das Personal. Deshalb strebt sie eine "soziale Digitalisierung" an, die nicht nur den Unternehmen zugute kommt, sondern auch den Angestellten. Die Steigerung der Produktivität sollte nicht zu negativen Auswirkungen für die Arbeitsnehmer führen. Vania Alleva, Präsidentin der Unia, insistiert: "Nur so kann eine soziale Digitalisierung im Dienste und zum Wohle aller erreicht werden."

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