Outdoor-Kameras

Mystery-Shopping: "Schlechte Kameras gibt es nicht"

Uhr | Aktualisiert

Mystery-Shopperin Astrid T. hat sich für ihre Tochter auf die Suche nach einer Outdoor-Kamera ­gemacht. Der Handel sollte ihr das beste Modell vorführen. Ausprobieren war fast nicht möglich.

(Source: 2M Media / shutterstock.com)
(Source: 2M Media / shutterstock.com)

Die Tochter von Astrid T. hat Ferien in Mexiko gebucht. Gemeinsam mit Freundinnen will sie ihren Lehrabschluss in Cancun feiern, ausspannen und baden gehen. Um die Erinnerungen festzuhalten, ist sie auf der Suche nach einer neuen Kamera, die besser als die Smartphone-Kamera und auch fürs Schnorcheln im Meer geeignet ist. Worauf es dabei zu achten gilt, wusste die junge Frau nicht. Deshalb bat sie ihre Mutter, ihr eine Outdoor-Kamera zu besorgen. Gemeinsam mit "CE­today" ging Astrid T. auf Mystery-Shopping-Tour, die sie zu Melectronics, Interdiscount, Fust und zwei Fotofachhändler führte.

Melectronics

Bei Melectronics waren nur wenige Kunden, weshalb Astrid gleich den nächsten Verkäufer auf Outdoor-Kameras ansprach. Er führte sie zu einem Dutzend ausgestellten Kameras und zeigte ihr die Nikon W100, die es zum Aktionspreis von 139 statt 149 Franken gab. Diese Einsteigerkamera könne Astrid auch beim Schnorcheln nutzen. Er könne aber nichts über die Bildqualität sagen, weil er noch kein Bild dieser Kamera gesehen habe. Deshalb fotografierte er schnell das Preisschild und demonstrierte Astrid die Bildqualität am Display, indem er ins Bild hineinzoomte. Der Zoom der Kamera sei etwas einfach, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut. Falls Astrid etwas Besseres wolle, koste das schnell das Dreifache, sagte er und zeigte ihr die Nikon W300 für 399 Franken, die speziell robust sei. Das Topmodell im Outdoor-Bereich komme von Olympus und koste 499 Franken. Bei Kameras sei nicht die Pixel­anzahl entscheidend, sondern das Innenleben, es gebe verschiedene Qualitäten der CCD-Chips, sagte er. Astrid verstand nur Bahnhof, was den Verkäufer nicht davon abhielt, Blendenwerte und weitere technische Details aufzuzählen. Schliesslich riet er Astrid zum günstigsten Modell. "Schlechte Kameras gibt es nicht und die ist gerade im Angebot. Mit den 10 gesparten Franken können Sie gleich noch eine Speicherkarte kaufen." Astrid bedankte sich nach rund 7 Minuten Beratung und sagte, sie wolle sich noch über das bessere Modell schlau machen.

Interdiscount

Astrid ging weiter zu Interdiscount, wo sie von einem Verkäufer begrüsst wurde. Auf ihre Frage nach Outdoor-Cams fragte der Verkäufer, ob sie ein Smartphone besitze. Denn die Gopro könne sie über eine App mit dem Handy steuern. Astrid sagte, sie suche eigentlich eine Fotokamera, worauf der Verkäufer entgegnete, fotografieren könne sie auch mit der Gopro und diese sei bis 10 Meter wasserdicht. Für grös­sere Tiefen gäbe es zusätzliche Gehäuse und weiteres Zubehör, um die Kamera wo immer möglich anzubringen. "Das ist wirklich cool", sagte der Verkäufer voller Überzeugung. Er zeigte ihr drei ausgestellte Geräte, zählte die Unterschiede auf und riet zum teuersten Modell Hero 6 Black für 449 Franken. Astrid solle gleich zuschlagen, denn nur noch bis nächste Woche gebe es bei Interdiscount 10 Prozent Rabatt auf alle Gopro-Kameras. Dazu brauche sie eine Speicherkarte, und für rund 70 Franken bekomme sie auch einen Selfie-Stick, der ideal zum Tauchen sei. Der Verkäufer verabschiedete sich nach rund 3 Minuten Beratung.

Fust

Astrid ging weiter zu Fust, wo sie nur drei ausgestellte Kameras sah, keine davon eine Outdoor-Cam. Also trat sie zum Kassentresen und sprach einen Verkäufer auf ihre Suche an. "Wir haben welche im Sortiment, aber nicht hier", sagte er und suchte am iPad im Fust-Onlineshop. Er zeigte ihr Modelle für bis zu 800 Franken und las ihr die technischen Details vor. Astrid unterbrach ihn und fragte nach seiner Empfehlung. "Mit Olympus haben wir generell gute Erfahrungen gemacht, die haben wir schon lange im Sortiment. Nikon ist aber auch gut. Sie können hier bestellen oder von zuhause aus", sagte er. Das wollte Astrid aber nicht. Sie bedankte sich und verabschiedete sich nach rund 3 Minuten Beratung, worauf der Verkäufer anmerkte: "Vergessen Sie Panasonic-Kameras nicht, die machen die besten Bilder von allen!"

1. Fotofachhändler

Etwas enttäuscht versuchte es Astrid im Fachhandel. Sie wollte endlich eine Kamera ausprobieren. Im kleinen Laden begrüsste sie eine Verkäuferin und legte ihr, angesprochen auf ihr Anliegen, vier Outdoor-Kameras auf den Tresen, ein Einstiegsmodell von Nikon für 188 Franken, ein Fuji-Mittelklassemodell für 229 Franken und zwei High-End-Modelle von Nikon und Olympus für 449 und 499 Franken. Sie meinte, die günstigeren Modelle kämen gerade unter Wasser qualitativ schnell an ihre Grenzen und zählte auf, worin sich die Modelle unterscheiden, bis sie eine Kundin unterbrach, die am Tresen nebenan bedient wurde. Die riet zur teureren Nikon. "Die nutze ich selbst beim Tauchen und die ist top", sagte sie. Astrid fiel auf, dass an allen Kameras kleine Preisschilder hingen, auf denen der Verkaufspreis durchgestrichen war. Sie wollte wissen, ob sie sich mit dem Kauf beeilen müsse, worauf die Verkäuferin sagte, das seien keine Aktionspreise. "Das sind Preisempfehlungen der Hersteller, wir schreiben dann unseren Nettopreis darunter." (Damit meinte die Verkäuferin nicht den Netto-EKP. Anm. d. Red.) Astrid sagte, sie würde sich wohl für die teurere Nikon-Kamera entscheiden, müsse aber noch einmal darüber schlafen. Sie verabschiedete sich nach rund 5 Minuten Beratung und versuchte es erneut im Fachhandel.

2. Fotofachhändler

Beim zweiten Fotofachhändler begrüsste Astrid eine Verkäuferin und zeigte ihr gefragt nach Outdoor-Cams die bereits bekannte Nikon W300 für 498 Franken, die sie aus einer Vitrine nahm. Das erste Mal drückte ihr eine Verkäuferin die Kamera auch in die Hand, zeigte ihr, wie die Bedienung funktioniert und forderte sie zum Ausprobieren auf. Sie zählte technische Details auf und erklärte jeweils, wozu diese wichtig sind. Astrid sah in der Vitrine auch die günstigere Nikon W100, die sie ebenfalls schon kannte, hier für fast 200 Franken. "Das ist eine Kinderkamera", sagte die Verkäuferin, nahm das Modell aus der Vitrine und legte auch dieses Astrid in die Hand. "Sehen Sie nur das Menü, es ist tubelisicher für Kinder ausgelegt, aber die Qualität ist solala." Auch sie riet zur teureren Nikon-Kamera. Der Hersteller mache schon immer solche Outdoor-Cams und ständig kämen neue Modelle auf den Markt. Astrid wollte wissen, ob bald eine neue Kamera erscheine, worauf die Verkäuferin sagte: "Jedes halbe Jahr kommt eine neue Kamera, die nächste wohl im Herbst. Aber viel besser sind die auch nicht, weil gar nicht mehr viel verbessert werden kann." Astrid bedankte sich und verabschiedete sich nach rund 5 Minuten Beratung.

Fazit

Astrid war einigermassen zufrieden mit ihrer Mystery-Shopping-Tour. Immerhin konnte sie beim letzten Händler Kameras selbst ausprobieren. Das gehört zum Kamera-Kauf dazu, findet sie. Nur wie bei Melectronics ein Foto am Display zu sehen, reicht Astrid nicht aus. Auffallend fand sie die allgemein sehr kurze Beratung. Das lag sicher daran, dass Astrid die Kameras fast nie ausprobieren konnte. Zudem hatte sich jeder Verkäufer rasch auf ein Modell festgelegt und die meisten ratterten technische Details herunter, ohne näher darauf einzugehen. Schade fand sie, dass der Melectronics-Verkäufer ihr zum billigsten Produkt riet, "einer Kinderkamera", wie die Fotofachhändlerin sagte. Als Verkaufsprofi erwies sich hingegen der Interdiscount-Verkäufer, bei dem Zusatzverkäufe wohl Standard sind.

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