Marktreport

Der Fotomarkt nach dem Horrorjahr 2015

Uhr | Aktualisiert
von Fabian Pöschl

Der Schweizer Markt für digitale Fotokameras hat 2015 rote Zahlen geschrieben. Umsatz und Verkaufszahlen lagen stets im negativen Bereich. Ein Verband lässt sich nicht beirren und rechnet nach den negativen Strömungen mit neuer Stärke.

Der Kameramarkt hat es nicht leicht. In der Schweiz musste er in den vergangenen Jahren einen steten Rückgang hinnehmen. Vergleicht man die Jahreszahlen, die GfK Switzerland ermittelte, gab es seit 2007 und dem Siegeszug des Smartphones einen kontinuierlichen und insgesamt beträchtlichen Rückgang beim Umsatz und bei den verkauften Geräten. Foto- und Videokameras werden durch das Smartphone ersetzt. Dieses bietet zudem immer häufiger bessere Kameratechniken und macht so vor allem den tiefpreisigen Kompaktkameras das Leben schwer.

Damals, vor neun Jahren, war der Markt für Fotokameras in der Schweiz noch mehr als 580 Millionen Franken schwer. Der Schweizer Fotohandel verkaufte fast 1,2 Millionen Kameras. Zwar steigerte er die Anzahl verkaufter Geräte in den Folgejahren noch, verdiente aber mit jedem Jahr weniger daran.

2015 gab es rote Zahlen

So war es auch Anfang dieses Jahres. Verändert hat sich nur die Nachfrage – ins Negative. Auch in den ersten vier Monaten dieses Jahres verlief das Geschäft enttäuschend für den Schweizer Imaging-Markt. Insgesamt setzte der Schweizer Markt für Digitalkameras laut GfK Switzerland im ersten Quartal 2016 48,5 Millionen Franken um. Das sind 7,5 Millionen Franken weniger als noch im Vorjahresquartal und rund 15 Millionen weniger als im Eröffnungsquartal vor zwei Jahren.

Für diese 48,5 Millionen Franken im ersten Quartal 2016 gingen rund 88'500 Kameras über die Schweizer Ladentheken. Auch dieser Wert liegt deutlich tiefer als noch im Vorjahresquartal, als noch rund 20'000 Geräte mehr verkauft worden waren. Vor zwei Jahren waren es nochmals rund 15'600 Geräte mehr.

Besonders erschreckend: Seit April 2015 war im Schweizer Kameramarkt jeder Monat rückläufig, ob man sich nun an den Umsatz- oder an den Verkaufszahlen orientiert. Im vergangenen Jahr schrieb der Markt rote Zahlen. Noch schlimmer: Einzig in den Monaten Juni 2015 und Januar 2016 verbuchte der Markt «nur» ein einstelliges und kein zweistelliges Minus. Waren es im Juni vergangenen Jahres noch Rückgänge um 4,4 Prozent bei den Stückzahlen und 6,6 Prozent beim Umsatz, bewegte sich der Rückgang im Dezember zwischen 8 und 10 Prozent. Gerade die Sommer- und Weihnachtszeit sollten aber attraktive Jahreszeiten für den Imaging-Markt sein. Schliesslich kauft man sich kurz vor dem Urlaub eher eine Kamera oder schenkt sie den Liebsten zu Weihnachten.

Status quo

Obwohl der Rückgang gross ist, blieb die Gewichtung im Kameramarkt im vergangenen Jahr praktisch unverändert. Spiegelreflexkameras machen immer noch rund 43 Prozent des Gesamtmarkts aus. Etwas abgenommen, um etwa 3 Prozent auf 35,6 Prozent, hat der Anteil an Kameras mit fixer Linse. Einziger Lichtblick im Schweizer Kameramarkt war 2015 die Kategorie der Systemkameras, die ihren Marktanteil am Umsatz um rund 4 Punkte auf 21,7 Prozent steigern konnten.

Ein genauerer Blick auf das erste Quartal 2016 schmerzt die Optik des Kamerahändlers. Ob Spiegelreflex, Kamera mit fixer Linse oder Kompakte, fast überall gibt es einen Rückgang bei den Verkaufszahlen. Wachstum im tiefen einstelligen Bereich gab es einzig bei Vollbild-Systemkameras und bei der unbedeutenden Kategorie der Kameras mit fixer Linse, die sich nicht in Travel-, Bridge- oder in andere Bereiche einordnen lassen.

Letztere steigerten ihren Umsatz im ersten Quartal um ein Fünftel. Vollbild-Systemkameras gar um fast ein Drittel. Alle anderen Bereiche setzten weniger um als im Vorjahresquartal. Obwohl sich die Preisentwicklung in fast allen Kategorien ausser bei den Spiegelreflexkameras nach oben orientierte. Bei Vollbild-Systemkameras gar um mehr als 20 Prozent. Der Nachfragerückgang ist also weitaus gewichtiger als die positive Preisentwicklung.

Das Positive

Trotz all dieser negativen Entwicklungen gibt es auch Gründe für Optimismus im Kamerageschäft. So geht etwa der deutsche Photoindustrie-Verband PIV von einer Erfolg versprechenden Marktentwicklung aus. Der Markt soll nach negativen Strömungen im letzten Jahr zu neuer Stärke finden. Als Grund für die letztjährige schlechte Marktentwicklung nennt der PIV einen rasch eingetretenen, radikalen digitalen Wandel. Wie der PIV meldet, stellt der digitale Wandel aber auch eine grosse Chance für die Fotound Imaging-Branche dar. So würden neue Geschäftsfelder Wachstum versprechen. Ausserdem sagt der Verband eine wachsende Gerätevielfalt voraus. Im Fokus stünden vor allem Kameratechnologien in Automobilen, im Sicherheitsbereich, in der industriellen Produktion sowie in der Wissenschaft und der Medizin. Nicht vergessen gehen dürfen natürlich Linsen für Smartphones.

Ein Wachstum bei Volumen und Wert soll dieses Jahr der Teilmarkt für Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras erfahren. Anders bei den Action-Cams. Der Verband prognostiziert ihnen nach einem sehr guten Jahr 2015 eine leichte Abschwächung der Wachstumskurve. Eine wahre Renaissance hätten Sofortbildkameras erlebt. Die grosse Nachfrage werde sich auch 2016 fortsetzen. Für das Segment der Camcorder als "nicht uninteressanter Nischenmarkt" sieht der PIV einen ähnlichen Verlauf. Wearables mit integrierten Kameras seien hingegen von untergeordneter Bedeutung für den Markt, heisst es in der Studie. Der PIV sieht zudem einen wachsenden Zubehörmarkt. Als Trendprodukt nennt er Multicopter. Diese hätten 2015 für Schlagzeilen gesorgt und würden auch in diesem Jahr beliebt sein. Als Indiz dafür nennt der Verband die wachsende Anzahl an Anbietern und damit an Modellen sowie eine grosse Nachfrage in B2B und B2C. Ebenso sieht der Verband auch dieses Jahr im Fotozubehör für Smartphones ein klares Wachstumssegment. Konstant bleibe dafür der Objektivmarkt für Kameras mit Wechseloptik. Dasselbe gelte auch für Blitzgeräte.

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