"Wir werden unser Sortiment mit Netzwerkprodukten erweitern"

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Der 32-jährige Severin Manz steht seit Oktober an der Spitze der Novis-Tochter Stilus. Wie es dazu kam und welche Ziele er mit dem AV-Distributor verfolgt, erklärt Manz im Interview.

Sie haben sich vom Product Manager zum Geschäftsleiter von Stilus hochgearbeitet. Wie kamen Sie dazu?

Severin Manz: Es begann, als die Novis-­Gruppe im Jahr 2012 den Tessiner Distributor Stilus übernommen hat. Novis vertreibt seit über 30 Jahren Projektoren und andere professionelle Videoprodukte. Die beiden Unternehmen verbindet eine lange Partnerschaft, etwa beim Vertrieb von Plus-Projektoren. Stilus hat gut zur strategischen Planung der Novis-Gruppe gepasst. Zudem suchten die beiden Gründer von Stilus, die Herren Trentini und Manzoni, eine geeignete Nachfolgerregelung.

Und wie kamen Sie zum Chefposten bei Stilus?

Als ich bei Novis begann, gab es noch kein klares Profil für meine Stelle. Ich sollte mich als Product Manager und im Aussendienst um den Bereich Projektoren kümmern. Nach der Übernahme brauchte es jemanden, der Stilus operativ und strategisch weiterspinnt. Ich durfte deshalb viel mitberaten und -entscheiden und bekam grosse Verantwortung. Da war es nur der nächste logische Schritt und ein grosser Vertrauensbeweis in meine Arbeit, dass ich Ende des vergangenen Jahres angefragt wurde, ob ich die Leitung des Unternehmens übernehmen möchte.

Woher holen Sie sich Ihre Erfahrung?

Aus einem optimalen Mix aus Erfahrung und beruflicher Weiterhbildung. Die Tätigkeit bei einem Distributoren als Product Manger für Pro-Audio-Produkte, im Aussendienst sowie als Abteilungsleiter bei Projekten und Displays haben sehr geholfen. Die gezielte Weiterbildung hat die Praxis zudem ideal unterstützt. Zudem steht bei Bedarf ein aktiver Verwaltungsrat zur Verfügung.

Wie stark ist Stilus gewachsen?

Stilus erzielte in den vergangenen zwei Jahren jeweils ein Umsatzwachstum von 15 Prozent. Aufgrund der Marktentwicklung in einzelnen Produktsegmenten konnte Stilus gute Marktanteile gewinnen. Wichtig sind aber die Anzahl und die Qualität der Projekte mit den Kunden. Da ist Stilus erfreulich unterwegs.

Was geschah nach der Übernahme bei Stilus?

In den vergangenen drei Jahren schlossen wir die administrative Integration von Stilus ab, holten Lager und Service aus dem Tessin nach Uster. Im Tessin besteht weiterhin ein Büro für die Betreuung der Kunden vor Ort. Dort befindet sich auch ein Teil des Produktmanagements. Seit letztem Jahr verstärkt zudem Carlo Cuciniello das Stilus-Team als zweite Verkaufsperson. Er ist bereits seit 15 Jahren im Markt tätig, hat Vertriebs- und Produkterfahrung, kommt aus dem Projektorenmarkt und war in den letzten Jahren als eigenständiger Agent für internationale Vertriebe tätig.

Warum ist Stilus eine eigenständige Novis-Tochter?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass wir Stilus eigenständig weiterführen. Man setzt im Professional-­Markt zwar oft dieselben Instrumente wie im Consumer-­Markt ein, aber nicht auf dieselbe Weise. Die Strategien und die operative Umsetzung sind nicht immer gleich. Die Bedürfnisse spezialisierter AV-Kunden, aber auch der Hersteller sind oft nicht vergleichbar mit der CE-Branche. Deshalb sind zwei unabhängige Wege mit Novis und Stilus sinnvoll, und das wird auch so bleiben.

Was wollen Sie als Nächstes angehen?

Der Markt der professionellen AV teilt sich bei Stilus in die Teilmärkte für visuelle Kommunikation und Heimautomation, und beide sind dynamisch. Deshalb müssen wir unsere Rolle im Vertrieb immer wieder neu definieren, und den Marktgegebenheiten anpassen. Zurzeit besteht die Herausforderung, dass immer neue Anbieter auf den Markt kommen, zunehmend aus Asien.

Wie reagiert Stilus auf diese Marktpenetration?

Mit dem 'Stilus Added Value'. Beide Märkte sind sehr beratungs- und betreuungsintensiv, deshalb stärkt Stilus den Fachhandel mit cleverem Service, mit Schulungen sowie Produkt- und Projekt-Support. Stilus bietet extreme Flexibilität mit individualisierten Lösungen, eigenem Service und Support Center und umfangreichen Lager. Die Konzepte werden laufend den Bedürfnissen angepasst.

Was planen Sie neu?

Stilus betreibt gezielte Mitarbeiterförderung und Weiterbildung. Ein Beispiel ist die Weiterbildung in der Technik. Stilus-Techniker sollen bei Projekten mithelfen und wichtige Rollen übernehmen was Beratung, Planung, Support und Schulungen anbelangt. Wir planen Workshops und Webinars.

Welche Bedeutung hat das rückläufige Projektorenbusiness für Stilus, angesichts erfolgreicher Touch-Screen-Lösungen?

Immer noch eine wichtige mit einem grossen Umsatzanteil. Stilus wird den Markt deshalb auch weiterhin intensiv bearbeiten. Aber wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschliessen. Man kann mit LCD-Screens mittlerweile viele Anwendungen abdecken. Aber nur bis zu einer gewissen Grösse. Ab 84 Zoll Diagonale wird es mit den Display schwierig den Bedürfnissen vieler Anwendungen gerecht zu werden. Zumal Projektoren im Bereich 5000 ANSI-Lumen und mehr immer günstiger werden. Dieser Teilbereich wächst stark. Auch bei LED-Projektoren bis 1500 ANSI-Lumen war der Markt stabil. Und im Heimkino-Bereich braucht es nunmal einen Beamer für das ultimative Erlebnis. Der Projektor wird weiterhin seine Berechtigung haben, aber es gibt gewisse schwierige Segmente.

Wie reagiert Stilus auf den Smarthome-Trend?

Es gab an der CES viele Innovationen, die das Leben vereinfachen sollen. Doch die meisten Konzepte sind beschränkt. Oftmals hat der Anwender individuelle Wünsche, wie er etwas steuern kann. Deshalb setzen wir bei der Heimautomation auf RTI. Damit haben wir ein Steuerungsprodukt, das individuell und flexibel gestaltet werden kann und sich an bekannte Systeme wie KNX anbinden lässt. Unser zweites Produkt ist Wyrestorm. Dabei geht es um die gezielte Signaldistribution im Audio-Video-Bereich mit Fokus auf HDBaseT und IP. Wir erzielten eine Vereinbarung mit Vivateq und vertreiben neu die Marke als offizieller Distributionspartner in der Schweiz. Das heisst auch, dass Stilus das Sortiment mit Wyrestorm ausbaut und auch mehr Schulungen anbietet. Nicht zuletzt werden wir mit den Netzwerkprodukten von Pakedge unser Sortiment erweitern. Ohne diese Komponenten wäre eine Vernetzung nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Welche Segmente sind schwierig?

Der Markt für Projektoren ab 3000 bis 5000 ANSI-Lumen für Sitzungszimmer und Schulen war rückläufig. Er bleibt aber der grösste Teilmarkt für Projektoren. Wir sind zudem auch in diesem Bereich nicht schlecht gefahren, etwa mit unseren Ultrakurzdistanzprojektoren. Schon 2013 gab es einen Rückgang im Markt, worauf die Zahlen im Jahr darauf wieder anstiegen. Zudem haben wir mit Vivitek eine junge Marke, die viel in Produktinnovationen investiert und ihr Sortiment den Bedürfnissen anpasst. Mit Casio haben wir andererseits einen Brand, der sich schon früh von quecksilberhaltigen Lampen löste. Auch von Casio erwarten wir dieses Jahr wichtige Innovationen.

Welche Bedeutung hat der Smarthome-Markt für Stilus?

Er ist ein wichtiger Markt für Stilus, auf dem wir uns mit unserem Know-how profilieren wollen. Hier spielen Schnittstellen eine sehr bedeutende Rolle. Deshalb starteten wir Anfang des Jahres die exklusive Partnerschaft mit Pakedge, dem Marktführer bei Netzwerkkomponenten im professionellen AV-Markt. Das sind Komponenten wie Router und Switches, aber auch Cloud-Lösungen für den spezialisierten AV-Händler. Der Support ist mit einer Niederlassung in Europa und unserem Einsatz gewährleistet.

Wie kann der Fachhandel in diesem Markt erfolgreich wirtschaften?

Das Kundenbedürfnis muss im Fokus stehen. Man sollte  bereit sein für Veränderungen und sich dementsprechend anpassen. Es braucht Offenheit und Flexibilität. Die schwierige wirtschaftliche Situation ist nun mal da, deshalb sollte man die internen Prozesse umso mehr im Griff haben und an die heutigen Technologien anpassen, beispielsweise mit unserer Cloud-Lösung. Man muss Kosten bei den Prozessen einsparen und gleichzeitig die Qualität für den Kunden erhöhen. Deshalb bauen wir stark auf Pakedge. Wir sehen aber unerschöpfliche Chancen in diesem Bereich. Vernetzungen bedeuten auch Planung und Komplexität. Dass es aber für den Anwender einfach bleibt sind passende Konzepte, saubere Umsetzung und umfangreiche Beratung gefragt. Das alles lässt sich nicht im 'Onelineshop' kaufen.

Was werden die Trends an der ISE 2016 sein?

Vieles weiss ich noch nicht und wird von Herstellern noch unter Verschluss gehalten. Aber ein Highlight wird sicher Viviteks Wireless-Lösung Novopro sein. Diese allumfassende, sehr benutzerfreundliche Wireless-Streaming-Lösung für Schulen und Konferenzen ist die Erweiterung zu Viviteks Novoconnect. Er bietet einen viel schnelleren Prozessor, eine neuere Android-Version mit mehr Funktionen und Mirroring via Android und Apple, lässt sich aber auch zentral managen. Wirklich cool finde ich, dass sich das Gerät auch als Standalone ohne zusätzlichen PC per USB mit einem interaktiven Medium verbinden lässt, etwa mit dem Touchscreen.

Persönlich

Severin Manz (32) hat eine Lehre als Elektroniker absolviert und war danach in dieser Funktion in der Maschinenindustrie tätig. In der AV-Branche war er zuerst als technischer Verkaufs-Support tätig, später dann als Product Manager und im Aussendienst. Seit 2012 ist Manz für Stilus tätig. Parallel schloss er eine Ausbildung zum eidg. Technischen Kaufman FA ab. Derzeit befindet er sich in der Ausbildung zum Betriebswirtschaftler HF. Manz hat eine dreijährige Tochter, ist sportbegeistert, befasst sich mit allen Formen der Musik und liebt kulinarische Höhenflüge.

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