Interview mit CEO Jim Clayton und dem Schweizer Verkaufschef Patric Bize

Wie Sage Appliances den Schweizer Markt erobern will

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Sage Appliances verkauft seit Anfang April seine Produkte auch auf dem Schweizer Markt. An der FEA Expo in Luzern Anfang März stellte der australische Hersteller seine Neuheiten vor. Im Interview sagen CEO Jim Clayton und der Schweizer Verkaufschef Patric Bize, wie sie den Schweizer Markt für Sage aufbauen möchten.

Sage Appliances trat im April in den Schweizer Markt ein. Patric Bize, Regional Sales Manager Switzerland, CEO Jim Clayton und General Manager Europe David Gubbin (v. l.). (Source: Netzmedien)
Sage Appliances trat im April in den Schweizer Markt ein. Patric Bize, Regional Sales Manager Switzerland, CEO Jim Clayton und General Manager Europe David Gubbin (v. l.). (Source: Netzmedien)

Warum kommen Sie in die Schweiz?

Jim Clayton: Weil die Schweiz in Europa liegt. Unsere Produkte gab es in Europa seit 1982 unter verschiedenen Marken. Als ich vor vier Jahren bei Sage begann, war es ein ziemliches Chaos. Alle machten einen tollen Job, aber wenn wir mit Kitchenaid, Vitamix oder Delonghi konkurrieren, funktioniert das nicht mit vielen kleinen Marken. Also begann ich den Vereinheitlichungsprozess für Europa unter der Marke Sage.

Wie funktioniert der Prozess?

Clayton: Nach Grossbritannien vor sechs Jahren waren Deutschland und Österreich die ersten Märkte. Jetzt rollen wir gleichzeitig die Märkte in Benelux und der Schweiz auf. Als Nächstes werden wir nach Spanien gehen, bis Europa irgendwann für uns vereinheitlicht sein wird. Das Lager, betreut von einem mehrsprachigen Backoffice, liegt in der Tschechischen Republik. Wir bringen aus Australien in jedes Land die dritte Kaffee-Welle.

Was meinen Sie mit der "dritten Kaffee-Welle"?

Clayton: In der ersten Welle trank man nur Kaffee, um morgens aufzuwachen. In der zweiten Welle kamen die Starbucks, die den Verbrauchern Cappuccino und weitere Kaffeevarianten boten. Die dritte Welle erhebt Kaffee auf dieselbe Stufe wie Wein. Kaffeetrinker legen nun Wert auf Qualität und die Herkunft des Kaffees. Sie wollen den Kaffee mit exakt 9 Bar extrahieren. Sage ist eine australische Firma, und Australien startete die dritte Welle. Wer in Australien erfolgreich sein will, muss Kaffeemaschinen für den perfekten Kaffee anbieten. Wir bringen nun also die dritte Welle in die Schweizer Haushalte.

Was ist der Fokus von Sage?

Clayton: Wir zeigten an der IFA in Berlin 130 Produkte. Kaffee ist nur ein kleiner Teil davon, mit dem wir nun aber in der Schweiz beginnen. Nachdem wir uns einen Namen als Kaffeemaschinenhersteller gemacht haben, werden wir uns neun Monate später einem zweiten Thema, den Teekochern widmen. Was Sage auszeichnet, ist die vergleichsweise lange Produktionszeit. Wir sind technologie-getrieben, arbeiteten fünf Jahre daran, um unsere hauptsächlich manuell bedienbare Kaffeemaschine zu automatisieren, damit sie nicht nur für Baristas geeignet ist. Es dauerte auch vier Jahre, bis wir den perfekten Teekocher hergestellt haben.

Wie wollen Sie den Schweizer Markt aufbauen?

Clayton: Wir wollen grosse Mengen verkaufen und suchen in jedem Markt die Premium-Kanäle. In diese möchten wir investieren, damit sie erfolgreich sind.

Was sind Ihre Fokuskanäle?

Patric Bize: Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Hauptpartnern Manor, Fust, Migros und Media Markt, die uns positive Signale senden. So sind wir etwa im Manor Genf am POS und sprechen mit den Konsumenten und laden sie auf einen guten Kaffee ein.

Was ist mit dem Fachhandel?

Bize: Wir haben auch den Fachhandel im Fokus und arbeiten dafür mit Alltron als Vertriebspartner zusammen, weil Alltron in der Schweizer Handelslandschaft sehr bekannt ist. Wir suchen unabhängige Händler. Auch mit Röstereien arbeiten wir zusammen, weil sie auch Zubehör verkaufen.

Wer ist für den Service zuständig?

Bize: Unser Servicepartner ist Axiomes. Sie haben Kenntnisse über die Maschinen und Märkte, sind für Nespresso-Reparaturen autorisiert und waren bereits für den Service unserer Nespresso-Maschine Creatista zuständig. Wir möchten einen Ansprechpartner, deshalb ist Axiomes die beste Lösung für uns.

Clayton: Als Premium-Unternehmen müssen wir einhergehend zum Premium-Produkt von Anfang an auch Premium-Services anbieten. Wir denken nicht kurzfristig, sondern in Fünf-Jahres-Schritten. Deshalb arbeiten wir mit Alltron und Axiomes zusammen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie in der Schweiz? Und werden Sie aufstocken?

Clayton: Wir beginnen mit Patric Bize. Früher hatte jede unserer Länderniederlassungen eine eigene HR-Abteilung und mehr. Wir durchliefen aber in den vergangenen vier Jahren eine massive Zentralisierung. So kann Patric Bize in der Schweiz direkte Gespräche mit dem Einzelhandel führen und wird von unserem globalen Verkaufsteam unterstützt.

Zuvor gab es Sage-Produkte in verschiedenen Ländern unter verschiedenen Marken, in der Schweiz etwa von Solis und Gastroback. Wie glücklich waren die Partnerfirmen, als Sie sich für einen eigenen Auftritt entschieden haben?

Clayton: Wir haben über zehn Jahre mit ihnen zusammengearbeitet. Sie machten einen tollen Job, aber sie konnten nicht unser ganzes Sortiment anbieten, weil das finanzielle Risiko zu gross gewesen wäre. Sie hätten Zehn-Meter-Container mit Produkten bestellen müssen, ohne zu wissen, ob sie erfolgreich sein werden.

Wie wollen Sie den Schweizer Markt bereinigen? Warten Sie, bis alle Sage-Geräte mit Solis- oder Gastroback-Brand verkauft sind?

Clayton: Ein Jahr vor unserem Launch im April konnten sie die letzten Bestellungen tätigen. Ich wollte ihnen genug Zeit lassen, damit sie ihren Warenbestand verkaufen können. Wenn dann noch wenige Geräte übrig bleiben, ist das kein Problem. Es sind die Produkte von Solis und Gastroback, sie haben die Rechte daran. Einzelhändler können wählen, ob sie direkt bei der Quelle bestellen, oder ob sie Solis und Gastroback treu bleiben, bis ihre Geräte ausverkauft sind, und dann zu uns kommen.

Ist der Service für diese Produkte garantiert?

Clayton: Das ist die Aufgabe von Solis und Gastroback. Aber sie waren über ein Jahrzehnt lang unsere Partner. Ich will einen reibungslosen Übergang garantieren und sie so gut unterstützen wie möglich.

Wie zufrieden sind Sie mit der FEA Expo?

Clayton: Ich bin glücklich, dass wir kurz vor dem Start von Sage in der Schweiz an der FEA Expo dabei sind. Die Messebesucher schätzen es offenbar, dass wir eine Premium-Marke sind und auf 87 Jahre Erfahrung bauen. Wir sind nicht neu, nur neu in der Schweiz. Die Australier haben lange vergessen, nach Europa zu gehen. Nun sind wir da, und die Messebesucher haben gesehen, dass wir erfolgreich in Deutschland gestartet sind und sie uns vertrauen können.

Bize: Wir hatten sehr gute Meetings und Diskussionen. Die Messebesucher kennen unsere Produktqualität von Solis und kennen mich. Nun sehen sie das komplette Line-up zum ersten Mal und sind sehr offen für uns.

Werden Sie nächstes Jahr auch an der FEA Expo teilnehmen?

Bize: Ja, wenn wir in den Schweizer Markt eintreten wollen, müssen wir auch FEA-Mitglied sein. Wir sind auch bereits Mitglied von Sens E-Recycling.

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