One-to-One mit Peter Bachmann

Darum steigt Ceconet mit Vestel ins Digital-Signage-Geschäft ein

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Ceconet hat mit der türkischen Marke Vestel einen neuen Hersteller im Sortiment und steigt in den Digital-Signage-Markt ein. Warum die Entscheidung auf Vestel fiel und welche Rolle das Thema Nachhaltigkeit dabei spielte, sagt Ceconet-CEO Peter Bachmann.

Peter Bachmann, Gründer und CEO, Ceconet. (Source: zVg)
Peter Bachmann, Gründer und CEO, Ceconet. (Source: zVg)

Als Distributionspartner der türkischen Marke Vestel steigt Ceconet in den Digital-Signage-Markt ein. Wie kam es dazu?

Peter Bachmann: Wir betreiben seit jeher eine fokussierte Produktstrategie. Im Bereich Präsentation konzentrierten wir uns die letzten 16 Jahre auf Projektoren von Epson. Doch im sich wandelnden Büroumfeld werden anstelle grosser Sitzungszimmer vermehrt verteilte Besprechungsnischen für zwei bis vier Personen - sogenannte "Huddle Rooms" - eingerichtet. Anstelle von Projektoren werden diese mit digitalen Flipcharts und/oder Displays ausgerüstet. Auch Schulen setzen in zunehmendem Mass auf interaktive Displays. Nachdem vor vier Jahren klar geworden war, dass Epson mittelfristig keine Large Format Displays produzieren, beziehungsweise nicht in den Display-Markt einsteigen würde, machten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Marke. Die Ausmarchung führte klar zum europäischen Hersteller Vestel.

Warum gerade Vestel?

Zum entsprechenden Zeitpunkt waren alle bekannten Marken in der Schweiz bereits mehrfach vertreten. Zwar führten wir spannende Gespräche mit einigen dieser Hersteller und erhielten auch Zusagen für die Distribution. Aus wirtschaftlichen Gründen entschieden wir uns aber gegen die Zusammenarbeit. Denn bieten zu viele Distributoren dem Fachhandel dieselbe Marke an, steht oft nur noch der Preis im Vordergrund. Bei der Evaluation des optimalen Lieferanten spielten die drei Aspekte Mensch, Wirtschaft und Umwelt, die Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie sind, eine wichtige Rolle. Ich kannte Vestel als Consumer-Marke, die ihre Fernseher, Geschirrspüler und Waschmaschinen an der Messe IFA jeweils in einer eigenen Halle präsentierte. Seit mehr als acht Jahren produziert Vestel auch Professional-Displays. Im Frühling 2022 besuchten wir den Vestel-Hauptsitz in Manisa, der als "Vestel City" bezeichnet wird. Was wir dort sahen, beeindruckte mich tief. Am Hauptsitz arbeiten gut 19 000 Mitarbeitende. Die Arbeitsbedingungen sind vorbildlich, die Produktion ist hoch automatisiert, und die Mitarbeitenden sind kompetent. Zudem sind die Logistikwege von der Türkei in die Schweiz kürzer als beispielsweise von China oder von anderen asiatischen Ländern. In Bezug auf unsere erwähnten Nachhaltigkeitsaspekte passt einfach alles.

Ist Ceconet der einzige Schweizer Vestel-Distributor im ­Bereich Professional Display?

Nein. Die Marke ist auch bei anderen Unternehmen im Sortiment, wird laut Vestel aber nicht aktiv vermarktet. Wir haben zwar keine exklusiven Distributionsrechte für die Schweiz, sind jedoch "Preferred Partner". Demnach kann nur Ceconet defekte Displays vorab austauschen. Dank dieses und weiterer Faktoren erhalten die Channelpartner einen klaren Mehrwert, wenn sie bei uns ein­kaufen.

Für welche Einsatzgebiete und Branchen eignen sich die Displays von Vestel?

Vestel bietet Display-Lösungen für Anwendungen in Bereichen wie Retail, Hospitality, Corporate, Quick Service Restaurant Solutions, Control Rooms sowie Transportation. Der Flughafen Istanbul ist beispielsweise komplett mit Vestel-Displays ausgestattet.

Decken Sie mit Ceconet all die aufgezählten Bereiche ab?

Ja, absolut.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der neuen Digital-Signage-Sparte und mit Vestel?

Der Eintritt in den Digital-Signage-Markt ist für uns und unsere Partner eine Wachstumschance. Digital Signage bedeutet für uns mehr, als bloss Displays, Projektoren oder Signage-Player zu verkaufen. Wir werden auch in diesem Bereich zum umfassenden Lösungsanbieter. Nicht zuletzt auch deshalb haben wir unser Sortiment mit der Content-Management-Software des Schweizer Anbieters Navori Labs ergänzt. Uns ist bewusst, dass der Markteintritt mit Vestel auch eine Herausforderung ist. Es braucht Energie und Hartnäckigkeit, damit wir mit der Marke Erfolg haben.

Wie wollen Sie die Schweizer Fachhändler und Endkunden von Vestel überzeugen?

An unserer Digital Signage Roadshow vom 16. bis zum 19. Januar mit Stationen in Winterthur, Mägenwil, Bern und Lausanne präsentierten wir die Digital-Signage-Lösungen von Vestel, Epson und Navori. Zudem waren wir mit Vestel an der ISE in Barcelona, um unsere Kunden an der Messe auf den Brand aufmerksam zu machen. Des Weiteren werden wir mit einer Push-Pull-Strategie den Markt beharrlich bearbeiten. Das bedeutet, dass wir Fachhändler, Planer und Anwender gleichermassen angehen, um Referenzobjekte zu gewinnen. Diese Zielgruppen adressieren wir sowohl mithilfe persönlicher Verkaufs- und Beratungsaktivitäten als auch via Medien. So schalten wir beispielsweise Inserate in ­"CEtoday". In Erwägung ziehen wir ferner einen gemeinsamen Besuch der entsprechenden Produktionsstädte von Vestel, um den Kunden einen persönlichen Einblick in Kompetenz und Qualität von Vestel zu ermöglichen.

Welchen Einfluss hat die neue Digital-Signage-Sparte auf Ceconets andere Geschäftsfelder?

Es ist nicht so, dass wir uns jetzt nur noch auf Digital Signage konzentrieren und die anderen Bereiche schleifen lassen. Wir halten an allem, was wir bisher gemacht haben, fest und möchten auch dort weiter ausbauen. Mit den Projektoren von Epson sind wir stark in den Bereichen Education, Corporate sowie in der Veranstaltungstechnik vertreten. Auch wenn in der Epson-Distribution weitere Mitbewerber dazugekommen sind, sind wir nach wie vor der Partner erster Wahl. Bei unseren Kunden sind wir unter anderem für unseren zeitnahen Service in Bezug auf Anfragen und Offertenerstellung geschätzt. Des Weiteren profitieren Kunden und Lieferanten von unserer ausgewiesenen technischen Kompetenz, den weitreichenden Services sowie einem gut dotierten Lager.

Gemeinsam mit dem neuen Hersteller haben Sie auch einen neuen Mitarbeiter an Bord geholt. Welche Aufgaben wird Gezim Zekiri bei Ceconet übernehmen?

Mit Gezim Zekiri konnten wir einen ausgewiesenen Digital-Signage-Spezialisten gewinnen. Auch Projektoren und interaktive Displays sind ihm nicht fremd. Er kommt aus dem Audio-/Video-Bereich, hat lange in dieser Branche gearbeitet und sich dann auf Digital Signage spezialisiert. Wir sind überzeugt, dass er mit seinem Know-how Kunden aus der Werbebranche, Anwender sowie Fachhändler gleichermassen von Lösungen mit Epson, Vestel und Navori überzeugen kann. Zu Ihrer Kernfrage: Abgesehen vom Halten und Ausbauen des bestehenden Sortiments besteht Gezim Zekiris Fokus ganz klar darauf, Digital-Signage-Referenzobjekte zu gewinnen und mit unseren Partnern umzusetzen.

Wer ist sonst noch für den Digital-Signage-Bereich ­zuständig?

Grundsätzlich sind wir bei Ceconet ein Team für alle Bereiche. Unser langjähriger Leiter Produktmanagement, Flavio Bossi, garantiert mit seinem Team die fundierte technische Unterstützung des Fachhandels. Händlern, denen Know-how und Erfahrung im Digital-Signage-Bereich fehlen, stehen wir als umfassender und kompetenter Lösungspartner zur Seite - von der Projektierung bis zur Abnahme. Dabei klären wir gemeinsam mit dem Händler beim Kunden die Bedürfnisse und die technischen Voraussetzungen ab. Darauf basierend erstellen wir ein umfassendes Angebot, das sowohl die Lösung selbst als auch die passenden Dienstleistungen beinhaltet. Mit Fachhändlern, die im Digital-Signage-Umfeld bereits ein gros­ses Wissen haben, konkurrieren wir nicht. Vielmehr wollen wir ihnen Projekte zutragen und diese gemeinsam mit ihnen realisieren.

Sie erwähnten anfangs, dass das Thema Nachhaltigkeit für Ceconet eine wichtige Rolle spiele. Wie engagieren Sie sich hier?

Das ist absolut richtig. Als vor einigen Jahren ein grosser OEM-Kunde aus dem Telekombereich auf uns zukam und Daten aus dem Nachhaltigkeitsbereich forderte, belächelte ich dies anfänglich. Nichtsdestoweniger machten wir uns an die Arbeit. Dank der daraus entstandenen Auseinandersetzung mit dem Thema haben wir uns in den vergangenen Jahren so weit entwickelt, dass wir in Kürze die fünfte Version unseres Nachhaltigkeitsberichts veröffentlichen können. Somit ist unsere Klimabilanz transparent und für alle Anspruchsgruppen einsehbar. Die Überprüfung unserer nachhaltigen Arbeiten erfolgt mit den Assessments bei Ecovadis und CDP (Carbon Disclosure Project). Im Klimabereich spricht man von Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen. Die Scope-1- und die Scope-2-Emissionen können wir als Ceconet selbst direkt beeinflussen. Darunter fallen beispielsweise Geschäftsfahrzeuge und -reisen sowie unser Stromverbrauch. Dadurch, dass wir stark digitalisiert sind und Rechnungen nur noch online verschicken, sparen wir hier. Allerdings sind diese Emissionen vergleichsweise gering. Wer wirklich einsparen will, muss den Hebel bei den indirekten Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette – bei den Scope-3-Emissionen – ansetzen. Gemeinsam mit dem erwähnten OEM-Kunden sind wir aktuell daran, den Scope-3-Bereich zu prüfen. Betonen möchte ich noch, dass unsere Nachhaltigkeitsstrategie bei der Evaluation neuer Hersteller - wie bei der Wahl von Vestel - eine wichtige Rolle spielt.

Was für einen Einfluss kann ein Schweizer KMU mit rund 15 Mitarbeitenden bezüglich Nachhaltigkeit ausüben?

Um die dringend notwendige Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu bewerkstelligen, braucht es das beherzte Mitwirken der KMUs. Es reicht nicht, wenn sich ausschliesslich Grossfirmen für die Nachhaltigkeit engagieren. Dann würden wir uns im Kreis drehen. Firmen von unserer Grösse benötigen aber eine gewisse Unterstützung, denn nachhaltiges Wirtschaften erfordert beachtliche personelle und finanzielle Ressourcen.

Was wünschen Sie sich diesbezüglich von Herstellern und Fachhandelspartnern?

Die Hersteller sind diesbezüglich aktuell stark gefordert. Bei den Fachhandelspartnern sehe ich es als unsere Aufgabe, sie für das Thema zu sensibilisieren. Das ist keine leichte Aufgabe, da Nachhaltigkeit häufig als Green­washing abgetan wird und stattdessen meist der Preis im Vordergrund steht. Noch immer verstehen viele Leute unter dem Thema lediglich Stromsparen. Dabei geht es bei Nachhaltigkeit immer um die Bereiche Soziales, Ökologie und Umwelt. Diese Faktoren gilt es in Balance zu halten, um einen langfristigen Geschäftserfolg zu ermöglichen.

persönlich

Peter Bachmann ist Gründer und Mitinhaber von ­Ceconet und Inyx. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Urs Kuhn baute er ein hochmotiviertes und kompetentes Team auf, das massgeblich zum Erfolg von Ceconet beiträgt. Das 2004 gegründete Unternehmen ist ein VAD für Lösungen in den Bereichen Professional Multimedia (Video/Audio, Digital Sig­nage, Signalmanagement, Mediensteuerung), hybride Multimediainstallationen und Telko-OEM-Produkte. Ceconet beschäftigt 15 Mitarbeitende und ist in der ganzen Schweiz tätig. Quelle: Ceconet

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