Marktreport

Nicht nur Corona verleiht dem Education-Markt Auftrieb

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Die plötzlichen Schulschliessungen haben dafür gesorgt, dass Schulen und Familien IT-technisch aufrüsten mussten. Aber nicht erst seit Corona tut sich einiges im Education-Markt. Wie Spezialisten von Fujitsu, Microsoft und HP sagen, soll der Trend zum digitalen Unterricht anhalten.

(Source: Giovanni Gagliardi / Unsplash)
(Source: Giovanni Gagliardi / Unsplash)

Gemeinsam mit Homeoffice war Homeschooling eines der Schlagwörter 2020 und ist es auch noch dieses Jahr. Denn aufgrund der Coronakrise mussten viele Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen den Unterricht plötzlich digital oder hybrid gestalten. Das hatte auch Auswirkungen auf den Hardwaremarkt.

Wie die Studie "Monitoring der Digitalisierung der Bildung aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler" zeigt, legte sich rund ein Drittel der Schweizer Privathaushalte in Folge der Schulschliessungen im Frühling 2020 neue digitale Endgeräte zu. Dazu zählen Desktops, Laptops, Tablets, Smartphones, Drucker, Scanner oder E-Reader. Spitzenreiter unter den Neuanschaffungen waren gemäss Studie mit 50 Prozent Computer – dazu zählen Laptops, Desktops und Tablets. 30 Prozent der Neuanschaffungen entfielen auf Smartphones und die restlichen 20 Prozent setzen sich aus Druckern, Scannern und E-Readern zusammen.

(Source: Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung)

An der Studie der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung nahmen rund 6000 Schülerinnen, Schüler und Lernende zwischen 8 und 19 Jahren aus allen Sprachregionen teil. Am meisten neue Geräte kauften mit 35 Prozent Deutschschweizerinnen und -schweizer. In der Westschweiz holten sich 21,5 Prozent der Haushalte neues Equipment fürs Homeschooling, während es im Tessin 20 Prozent waren. Ein Blick auf die Schulstufen zeigt, dass Familien mit einem Primarschulkind mit 27 Prozent deutlich weniger häufig Geräte kauften als Haushalte mit Kindern in einer höheren Bildungsstufe. In den anderen Stufen (Sekundarstufe, Gymnasium/Fachmittelschule und Berufsbildung) lag der Anteil zwischen 36 und 39 Prozent.

Schul-IT im Software-as-a-Service-Modell

Wie auch Stephan Ludwig, Head of Product Sales bei Fujitsu Switzerland, sagt, ist der Computer mit 82 Prozent für die grosse Mehrheit der Schülerinnen, Schüler und Lernenden Teil des Schulalltags. Laut Ludwig steht auf dem Markt für Technologie für Bildungsinstitute noch immer die Beschaffung von Hardware und klassischer Anwendersoftware im Vordergrund und nicht die Entwicklung integrierter Lösungen.

Onlineplattformen und Kollaborationstools würden zwar insbesondere durch die Coronapandemie stärker genutzt. "Systematische digitale Transformation (auch im Sinne der Digitalisierung von pädagogisch-didaktischen Prozessen) ist im Bildungssystem insgesamt und in öffentlichen Bildungseinrichtungen aber nach wie vor eher die Ausnahme, obwohl es Konzepte der IT-Anbieter gibt", sagt Ludwig.

Stephan Ludwig, Head of Product Sales bei Fujitsu Switzerland. (Source: zVg)

Eine "enorme Beschleunigung der Digitalisierung in Schulen und Universitäten" durch Corona beobachtet auch Microsoft. Die Nachfrage nach Geräten sowie die Nutzung der eigenen Cloud-Infrastruktur mit lokaler Datenhaltung sei deshalb stark gestiegen. Auch im Hinblick auf die vergangenen fünf Jahre habe sich in puncto Schul-IT einiges getan. "In der Vergangenheit war IT-Hardware in den Klassenzimmern oft veraltet, zu leistungsschwach oder noch gar nicht vorhanden", sagt Tobias Steger, PR & Communications Lead Switzerland bei Microsoft. "Das hat sich in den vergangenen Jahren verändert."

Bei Microsoft sei insbesondere die Nachfrage nach Surface-Geräten gestiegen. Zudem beobachtet Steger, dass immer mehr Schulen ihre IT-Infrastruktur und Software nicht mehr selbst betreiben, sondern als Dienstleistung (Software-as-a-Service) aus der Cloud beziehen. "Dadurch reduziert sich die Komplexität und der Betriebsaufwand für die Schulen massiv. Die bisherigen Kosten für den Kauf und den Betrieb (Hardwarekosten, Stromkosten, Löhne für die externen Techniker und weiteres) reduzieren sich ebenfalls oder fallen sogar weg", weiss Steger.

Der plötzliche Trend zum Fernunterricht sorgt nicht nur dafür, dass mehr Geräte gebraucht werden. Auch die Anforderungen an die Hardware ändern sich dadurch. Laut Daniel Esslinger, Commercial Channel Sales Manager bei HP Schweiz, sind Mikrofone, Lautsprecher und leistungsstarke Kameras heute an Geräten beinahe ein Muss. Wie Microsoft stellte auch HP eine gesteigerte Nachfrage nach Endgeräten fest, "von Schulträgern ebenso wie von Privatpersonen".

Daniel Esslinger, Commercial Channel Sales Manager bei HP Schweiz. (Source: zVg)

Wie Esslinger erklärt, war die Digitalisierung bereits vor Corona ein wichtiges Thema in Schulen. "Und trotzdem hat die Pandemie Defizite deutlich gemacht. Angefangen von zu wenigen Geräten, fehlenden Lehr- und Lernmaterialien, schlechter Netzversorgung – die Herausforderungen, die durch den verordneten Fernunterricht während der Lockdowns offensichtlich wurden, waren vielfältig."

Das Aufrüsten ist noch nicht vorbei

Darüber, dass auf dem Education-Markt auch in Zukunft noch einiges los sein wird, sind sich die drei Spezialisten einig. "Dieser Markt wird weiter wachsen – hinsichtlich der öffentlichen Beschaffung und auch bei privaten Anschaffungen", sagt Ludwig von Fujitsu. Hardware werde zunächst weiter das zentrale Thema sein. Aber Services würden Schritt für Schritt eine grössere Rolle spielen. Mittelfristig wird laut Ludwig "Desktop-as-a-Service" auch für Bildungseinrichtungen und Schüler/Studentinnen spannend. "Heute repariert fast niemand mehr sein eigenes Auto – so wird das auch beim Endgerät werden. Nutzen ohne Aufwand im Umgang mit der Technik."

Steger von Microsoft sagt: "Wir sind der Überzeugung, dass die Veränderungen, die jetzt vor uns stehen, noch tiefgreifender und weitreichender sein werden als die, die während der Krise stattgefunden haben." Schulen würden die Digitalisierung weiter vorantreiben und verstärkt auf die Cloud setzen. "Die Bedürfnisse des Bildungswesens und die Erfahrungen, die wir mit Technologie in der Krise gemacht haben, werden hoffentlich zu einer faktenbasierten Diskussion über die geltenden Gesetze und regulatorischen Anforderungen in der Schweiz führen. Das ist dringend nötig, denn viele Gesetze stammen aus einer Zeit vor dem Internet und wurden bisher eher restriktiv ausgelegt", sagt Steger weiter.

Tobias Steger, PR & Communications Lead Switzerland bei Microsoft. (Source: zVg)

Der durch die Krise angestossene Erneuerungsprozess in den Schulen und im Bildungswesen allgemein dürfe jetzt nicht abgewürgt werden. Laut Steger benötigen die Schulen Handlungsspielraum und die technischen Möglichkeiten, die Aus- und Weiterbildung zu modernisieren. "Dies soll verantwortungsvoll und keinesfalls auf Kosten von nicht verhandelbaren Werten wie Transparenz, Sicherheit oder dem Schutz der Privatsphäre der Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern und Studierenden geschehen."

Lehrplan 21 als Digitalisierungsmotor

Wie Esslinger von HP weiss, begannen viele Bildungseinrichtungen mit dem Entscheid für den Lehrplan 21 bereits vor der Pandemie mit dem digitalen Aufrüsten. Der Lehrplan 21 werde den Schweizer Education-Markt daher auch weiterhin stark prägen. Das Ziel, dass jeder Schüler und jede Schülerin Zugang zu digitalen Medien haben soll, werde zwangsläufig zu weiteren IT-Investitionen an den Schulen führen. "Die letzten Monate haben die Notwendigkeit für diesen Schritt nochmals unterstrichen", sagt Esslinger.

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