E-Commerce Report 2020

Der Schweizer Onlinehandel ist nicht zu bremsen

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Der Schweizer E-Commerce hat 2019 verglichen mit dem Vorjahr um 8 Prozent zugelegt. Dieses Jahr soll sogar bis zu 30 Prozent mehr online eingekauft werden. Ausserdem verschmelzen das Onlinegeschäft und der stationäre Handel immer mehr miteinander.

(Source: OrnRin / iStock)
(Source: OrnRin / iStock)

Letztes Jahr haben Schweizer für rund 10 Milliarden Franken im Internet eingekauft. Damit stieg das E-Commerce-Volumen um 8 Prozent. Wie dem E-Commerce Report der Fachhochschule Nordwestschweiz zu entnehmen ist, soll das Onlinegeschäft 2020 noch um einiges zulegen. Die Studienherausgeber gehen davon aus, dass zwischen 22 und 30 Prozent mehr im Internet eingekauft wird als 2019.

"Die Schweizer haben den Onlinehandel entdeckt und dieser Trend wird sich langfristig halten", zitiert der Report ein Mitglied des VSV (Verband des Schweizerischen Versandhandels). Grund dafür war der Corona-bedingte Lockdown. "Die gesamte Distribution wurde quasi einem gewaltigen A-B-Test unterzogen. Anstelle, dass die Anbieter sich andauernd mit der Frage quälen, wie sie die Kunden besser erreichen und zu Onlineeinkäufen bewegen könnten, kamen diese zwei Monate lang scharenweise ganz von allein", heisst es weiter.

Online- und Offlinehandel verschmelzen

Die Studienherausgeber beobachten ausserdem, dass die klare Trennung zwischen Online- und Offlinegeschäft immer stärker wegfällt. Abgesehen von Kleinstunternehmen nutzen immer mehr Händler das Internet, mobile Apps, Onlinemarktplätze oder Kundenzugangsdienstleister – dazu zählen Suchmaschinen, Social Media, Blogs und Co. – und unterstützen somit zumindest einzelne Phasen in der Customer Journey online. Das Prinzip funktioniert auch umgekehrt: Gemäss Report setzen auch Onlinehändler vermehrt auf Pop-up-Stores, eigene Läden oder Pick-up-Stellen. "Die Geschäftsmodelle Offline und Online sind verschmolzen."

Wie eine solche intelligente Vernetzung funktionieren könne, zeige sich im verstärkten Mobile Commerce und den gestiegenen Verkaufsaktivitäten auf Social Media. "Plattformen fügen Bestellbuttons und neue Arten der Bezahlung ein, Händler nutzen diese und laden ganze Produktkataloge zum Beispiel auf Whatsapp hoch." Damit würden vor allem Anbieter gewinnen, bei deren Nutzern Einfachheit und Service im Vordergrund stünden, steht im Report.

Ohne Traffic kein rentables Geschäft

Die Konkurrenz im Handel sei in den letzten 20 Jahren explodiert. Daher sei der Zugang zum Kunden der entscheidende Erfolgsfaktor. "Den wenigsten Onlineshops gelingt es, aus eigener Anziehungskraft in dem Umfang Traffic auf ihre Seiten zu ziehen, wie es für ein rentables Geschäft erforderlich wäre", heisst es im Report. Daher sind Händler auf Kundenzugangsdienstleister angewiesen. Meistens handelt es sich dabei um die vom Report als GAFA aufgeführten Plattformen Google, Apple, Facebook und Amazon.

Geht es darum, Kunden zum Onlinehändler zu bringen, ist Google in der Schweiz Spitzenreiter. Allerdings habe die Skepsis gegenüber dem Onlineriesen zugenommen. Im Gegensatz dazu gebe es hierzulande keinen Onlinemarktplatz, der den Markt dominiere. Grundsätzlich überwiegt die Ansicht der Befragten, dass Onlinemarktplätze die Erfolgsaussichten ihrer Anbieter stärken. Als Vorteile der Nutzung eines Onlinemarktplatzes nennt die Studie hier das Erzielen von Zusatzverkäufen, die Gewinnung von Visibilität für die eigene Marke und die Gewinnung neuer Kunden.

Allerdings bestehe auch eine gewisse Konkurrenz zwischen den Marktplätzen und den Marktplatzanbietern, denn häufig nehmen Marktplätze zugleich auch die Rolle eines Händlers wahr.

Der Report gibt auch eine Ausbilck auf die nächsten Jahre: Die E-Commerce-Prognosen sehen nicht nur für 2020 gut aus. Zwei Drittel der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Onlineumsätze in ihrer Branche bis 2050 um 50 Prozent oder mehr steigen werden. Keiner der Studienteilnehmer geht davon aus, dass die E-Commerce-Umsätze sinken oder stagnieren werden.

Über den E-Commerce Report

Für den seit 2009 jährlich erscheinenden E-Commerce Report befragte die Fachhochschule Nordwestschweiz 35 in der Schweiz marktprägende Online- und Multichannel-Anbieter. Dabei handelt es sich um Händler, die Konsumgüter oder Dienstleistungen anbieten und ein E-Commerce-Volumen von über 6 Milliarden Franken haben.

Oliver Wilke, VP Global Sales & Client Services bei Audience Serv, verrät neun Tipps, wie Onlinehändler die aktuelle Krise mit der richtigen Strategie überwinden können.

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