Interview mit Christoph Widler und Thomas Gründler

“Im Laden zu warten, bis ein Kunde einen Fernseher kauft, ist nicht zeitgemäss”

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Sauter-CEO Thomas Gründler und Teleconex-CEO Christoph Widler haben einen gemeinsamen Standort eröffnet. Dadurch wollen sie sich stärker im Smarthome- und Gebäudetechnik-Bereich positionieren. Sie sprechen darüber, warum Kooperationen heute überlebenswichtig sind.

Thomas Gründler (l.), CEO von Sauter, und Christoph Widler, CEO von Teleconex. (Source: Netzmedien)
Thomas Gründler (l.), CEO von Sauter, und Christoph Widler, CEO von Teleconex. (Source: Netzmedien)

Wie ist Ihre Partnerschaft zustande gekommen?

Thomas Gründler: Kennengelernt haben wir uns über den ehemaligen Verband Schweizerischer Radio-, TV- und Multimediafachhandel (VSRT), der nun Multimedia Tec Swiss (MMTS) heisst. Viele Dinge, die Teleconex in den Bereichen Smarthome und Gebäudeautomation anbietet, finden sich auch in unserem Sortiment. Obwohl wir relativ früh im Smarthome-Bereich gestartet sind, war es für mich eher ein Hobby neben unserem Hauptgeschäft – im Sinne von: Es hat die Kunden zwar fasziniert, aber sich noch nicht in genügende und regelmässige Projekte ummünzen lassen. Christoph und ich einigten uns darum darauf, das Thema vertieft anzuschauen, und vereinbarten gleich ein zweites Treffen. Ich war danach total happy. Du hoffentlich auch, Christoph?

Christoph Widler: Absolut. Es ging wirklich extrem schnell. Wir merkten, dass wir uns sehr gut ergänzen. Mit Teleconex sind wir vor allem in den Bereichen IT, Kommunikation, Gebäudetechnik und Sicherheit tätig. Da kennen wir uns aus und haben unseren Kundenstamm. Thomas ist eher auf das Multimedia-Segment spezialisiert mit Überschneidungen in den eben erwähnten Bereichen.

Wie muss man sich Ihre Kooperation genau vorstellen?

Widler: Wir haben uns darauf geeinigt, dass in der ersten Phase Sauter-Kunden bei Thomas bleiben und Teleconex-Kunden bei uns. Die Kooperation ergibt nicht nur aus Firmen- und Mitarbeitersicht Sinn, sondern vor allem für die Konsumenten. Die Kunden mit dem Einzugsgebiet Schaffhausen und Eschenbach erhalten ein noch kompletteres Portfolio im Bereich Smarthome und Gebäudeautomation. Wir freuen uns, die Innovationen gemeinsam voranzutreiben.

Was möchten Sie mit der Partnerschaft und dem neuen Standort erreichen?

Gründler: Ziel ist, dass Sauter und Teleconex mit dem neuen Weg zum Synonym für Smarthome und Gebäudeautomation in der Ostschweiz werden. Einzelne Produkte stehen dabei nicht im Vordergrund, sondern Gesamtlösungen. Eine einfache Überwachungskamera können Sie sich auch im Baumarkt kaufen. Eine Komplettlösung, in die sich aus­serdem bereits vorhandene Smarthome-Komponenten wie Fernseher oder Speaker integrieren lassen, nicht. Das ist unser Markt. Bei uns muss der Kunde nicht sein komplettes Inventar ersetzen, sondern er hat auch die Möglichkeit, nur nachzurüsten. Als ich mein Haus gebaut habe, war ich in verschiedenen Showrooms und sah mir an, welche Wasserhähne, Plattenböden und Küchenkombinationen es gibt. Mein Traum ist es, den Kunden so etwas auch für Smarthome-Lösungen zu bieten.

Widler: Wir möchten am neuen Standort Schaffhausen gemeinsam mit Thomas’ Team wachsen. Teleconex besteht aus einem 20-köpfigen Team und ist bereits mit den Standorten in Eschenbach und Interlaken erfolgreich. Nun möchten wir auch in Schaffhausen eine schlagkräftige Truppe aufbauen. Am Anfang holen wir uns die nötigen Ressourcen noch aus Eschenbach oder Interlaken, ist ja keine Weltreise. Ziel ist es aber, in Schaffhausen ein eigenes Kompetenzzentrum aufzubauen.

Herr Gründler, Sie haben das Lösungsgeschäft angesprochen. Wie wichtig ist es heute für Händler, lösungsorientiert zu denken?

Gründler: Anders kann man gar nicht mehr überleben. Im Laden zu sitzen und darauf zu warten, dass ein Kunde einen Fernseher kauft und darauf zu hoffen, dass man das Gerät vielleicht noch liefern und montieren kann, ist einfach nicht mehr zeitgemäss.

Die bisherige Niederlassung von Sauter befand sich in Schaffhausen selbst. Das neue Ladenlokal ist etwas ausserhalb der Stadt gelegen. Warum sind Sie aus der Stadt weggezogen?

Gründler: Die Entwicklung in der Stadt in puncto Passanten-Frequenzen ist, wie wohl in vielen Innenstädten, für mich nicht mehr befriedigend. Deshalb haben wir uns nach neuen Lösungen umgesehen. Das neue Lokal befindet sich am Rheinweg, direkt an der wahrscheinlich meistbefahrenen Strasse in Schaffhausen. Wir haben Parkplätze direkt vor dem Laden und mehr Fläche, sodass die gesamte Firma unter ein Dach passt. Bisher befand sich unser Service- und Installations-Center an einem anderen Ort als das Ladenlokal. Das war logistisch schwierig und mühsam. Die neue Lösung ist schlichtweg kundenorientierter und effizienter.

Was bietet der neue Standort für Teleconex?

Widler: Wir hatten bisher keinen Standort in der Ostschweiz und möchten mit der neuen Lage näher bei unseren Kunden und Partnern in dieser Region sein. Ausserdem haben wir einige Mitarbeiter, die in Winterthur wohnen. Schaffhausen ist für sie näher als Eschenbach und bietet einen kürzeren Arbeitsweg.

Was bedeutet die Partnerschaft für Ihre Mitarbeitenden?

Widler: Mit dem neuen Standort und der Partnerschaft setzen wir ein Zeichen gegenüber unseren Mitarbeitenden. Gerade die jungen Mitarbeiter im Betrieb erhalten dadurch eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Gründler: Unsere Lehrlinge sind Feuer und Flamme. Insbesondere für den Lehrgang für Gebäudeautomation der an der Technischen Berufsschule Zürich durchgeführt wird, wo Christoph als Dozent unterrichtet und wo wir ihn auch kennen und schätzen lernten. Als ich im Betrieb davon erzählte, kamen am nächsten Tag gleich zwei Mitarbeiter zu mir, die sich für einen Kurs bei Christoph anmelden wollten. Auch die älteren Mitarbeiter stehen dem Projekt nach anfänglich schweizerischer Skepsis durchaus positiv gegenüber.

Widler: Die werden gerne mitmachen.

Gründler: In unserer Branche bleibt man ja jung. Hier verändert sich alles rasant. Wenn ich zum Beispiel einem Techniker vor zehn Jahren gesagt habe, er solle einen Router installieren, hat er mich gefragt, was das ist. Heute gehört das zum täglichen Geschäft.

Welche Tipps haben Sie für Fachhändler, damit sie bei diesem schnellen Wandel nicht auf der Strecke bleiben?

Widler: Generell, und das betrifft nicht nur den Handel, überlegen sich die meisten Firmen zu wenig, wo und wie sie sich positionieren wollen. Als Unternehmen muss ich mir im Klaren darüber sein, wo ich heute stehe, wer meine Kunden sind und in welchem Segment ich tätig bin. Wenn man ein bisschen von allem anbieten möchte und sich hier und da noch ein paar Geräte anschafft, verzettelt man sich schnell und hat nur mehr Aufwand. Denn für jedes zusätzliche Gerät braucht es Know-how, Support und mehr als einen Mitarbeiter, der sich damit auskennt. Was sich hingegen bewährt, ist das sogenannte «Cross Selling». Dabei überlege ich mir, welche Produkte und Dienstleistungen, die einen Bezug zu meinem Kernangebot haben, ich zusätzlich anbieten kann.

Gründler: Man muss seine Zukunft in die Hand nehmen und vorwärtsmachen. Es wird nie mehr so werden, wie es einmal war. Händler dürfen keine Angst vor dem Scheitern haben und müssen auch einmal etwas Neues ­ausprobieren. Ich bin ausserdem ein grosser Fan davon, den Kunden Angebote vorzuzeigen und sie auch selbst ausprobieren zu lassen. Das finden die Kunden toll. Auch Events eignen sich dazu, Produkte zu zeigen und die Kunden zum Ausprobieren zu animieren. Wagt man etwas Neues, darf man dabei aber nicht vergessen, dass grosse Veränderungen häufig nicht von heute auf morgen passieren. Es braucht eine grosse Portion Geduld, wenn man Neues anpackt.

Widler: Wer sich über aktuelle Themen wie Internet der Dinge, Smarthome oder Security informieren möchte, kann das auch gut an Events und Infoveranstaltungen tun. Solche Veranstaltungen inspirieren und helfen dabei, ein Netzwerk aufzubauen.

Wie wichtig ist es heutzutage, als Fachhändler gut ­vernetzt zu sein?

Widler: Heute braucht es Partner, um einen Kunden zu beliefern und ihm eine Komplettlösung zu bieten. Moderne Lösungen beinhalten mehr als nur ein, zwei Komponenten. Denn sie sind mit anderen Geräten vernetzt und benötigen Support. Immer häufiger kommt die Cloud zum Einsatz, dann wird zusätzlich noch eine ­Security-Lösung benötigt. Es sind so viele unterschiedliche Teilbereiche involviert, dass ein Händler gar nicht in der Lage ist, alles alleine anzubieten. Und den Kunden interessiert es letztlich nicht, wer was zu seiner Lösung beisteuert. Für ihn zählt allein, dass sie zuverlässig funktioniert.

Warum tun sich die Händler trotzdem noch schwer mit der Zusammenarbeit?

Widler: Es ist vermutlich eher der Zeitgeist in meiner Generation, zu glauben, dass es einfacher ist, wenn man nicht alles alleine macht. Gerade heute Morgen war ich in einem Co-Working-Space zu Besuch. Dort sitzen ganz viele Start-ups in gemeinsamen Büroräumlichkeiten. Obwohl sie teils in sehr unterschiedlichen Bereichen tätig sind, tauschen sie sich miteinander aus, helfen und inspirieren sich gegenseitig. Ich glaube, die Botschaft, dass es diesen gegenseitigen Austausch heutzutage braucht, ist noch nicht in jeder Branche angekommen.

Sie haben sich durch den Verband MMTS kennengelernt und sind beide in der Verbandsleitung. Gibt es noch weitere Partnerschaften wie Ihre im Verband?

Widler: In der Form, wie wir uns zusammengetan haben – also dass man nach kurzer Zeit einen gemeinsamen Standort bezieht –, meines Wissens nicht. Aber was ich zuvor bezüglich Kooperationen gesagt habe, wird im ­Verband gelebt. Heutzu­tage ist man einmal Partner, einmal Kunde, einmal Mitbewerber. Wer es da schafft, eine Zusammenarbeit mit Mehrwert einzugehen, hat einen entscheidenden Vorteil.

Gründler: Nicht nur verbandsintern gibt es viele Kooperationen. Verbandspräsident Bruno Schöllkopf sucht auch die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, die ähnliche Anliegen und Pläne haben wie der MMTS.

Was tut sich momentan sonst noch im MMTS?

Widler: Als Verband möchten wir unseren Mitgliedern zeigen, wo es hingehen kann, und sie mit Weiterbildungen befähigen, den Weg dorthin auch zu gehen. Der MMTS hat viele neue Branchen und Firmen akquiriert und dadurch auch Lehrplätze geschaffen. Der Verband wird sich auch weiter stark entwickeln, was die Organisation, die Mitglieder und die Art und Weise der Zusammenarbeit angeht.

Gründler: Wir können Bruno Schöllkopf wirklich ein Kränzlein winden. Er ist jetzt in der zweiten Amtsperiode und hat den gesamten Verband reformiert und eben auch innovative, neue Köpfe wie Christoph Widler ins Boot geholt. Denn im Verband braucht es Leute mit einem fundierten theoretischen Wissen und Praxis-Know-how, die frischen Wind hineinbringen.

Widler: Das stimmt. Es gibt viele Verbände, die es verpasst haben, sich zu erneuern. Einfach nur in einem Verband zu sitzen und nichts zu unternehmen bringt nichts.

Es ist häufig die Rede davon, dass Verbände zu wenig Nachwuchs haben. Wie steht es um junge Mitglieder beim MMTS?

Widler: Wir brauchen Nachwuchs. Das ist definitiv ein Thema. Gerade für die Entwicklungsprojekte der Lehrgänge braucht es junge Leute, die mitmachen möchten und später auch dazu bereit sind, wichtige Rollen im Verband zu übernehmen. Ehrlich und selbstkritisch gesagt, haben wir die Jungen bisher zu wenig angesprochen. Das wollen wir ändern.

Unternimmt der MMTS denn nun konkret etwas, um mehr junge Mitglieder in den Verband zu holen?

Widler: Ja, natürlich. Wir wollen die jungen Leute abholen. Konkret möchten wir Lehrabgänger oder Auszubildende im dritten und vierten Lehrjahr ansprechen. Ausserdem steuert der MMTS Berufsmessen an. Diese Messen sind bisher relativ schlecht koordiniert. Das möchten wir in den nächsten ein bis drei Jahren ändern und die Berufsmessen professionalisieren, damit wir dort sukzessive die Jungen an Bord holen können. Dann möchten wir mit dem Verband Lehrabgängern auch die Möglichkeit geben, gratis ins Netzwerk aufgenommen und eingeladen zu werden, um zu sehen, wie es im MMTS läuft.

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