Bieterkampf

Die Swiss Football League hofft auf Geldsegen dank TV-Rechten

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von Thomas Häusermann, Werbewoche

Bald könnte die Fussballliga von neuen Geldflüssen profitieren. Der Kampf um die Fernsehrechte soll sich für die Swiss Football League auszahlen.

(Source: .shock / Fotolia.com)
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Im Fussball besteht seit Jahren ein Megatrend: Immer mehr Geld fliesst - verantwortlich sind die teurer werdenden, lukrativen TV-Rechte. Deloitte präsentierte am Sportforum in Luzern laut "Schweiz am Wochenende" eindrückliche Zahlen: Nicht weniger als 30 Milliarden Euro setzte Europas Fussball in der Saison 2017/2018 um. Dies entspricht einer Steigerung von fast 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Problem aus Schweizer Sicht: Das Geld wird sehr einseitig verteilt. Die Hälfte fliesst in die Top-5-Ligen, also England, Deutschland, Spanien und Frankreich. Von dieser Hälfte landet wiederum die Hälfte bei den 20 umsatzstärksten Vereinen Europas. Angeführt wird diese Gruppe von Real Madrid und Manchester United.

Umsatztreiber Nummer Eins sind die TV-Rechte. Diese werden immer begehrter. Pay-TV-Anbieter treiben die Preise in Bietergefechten in astronomische Höhen. Live-Fussball ist auch in Zeiten von Replay-TV und Video-on-Demand ein Garant für Fernsehbilder, die sich gewinnbringend vermarkten lassen.

Schweiz erhält nur zwei Prozent

1,8 Milliarden Euro schüttet der europäische Fussballverband, die Uefa, jährlich an die Ligen aus. In der Schweiz landen davon jedoch gerade einmal zwei Prozent, was lediglich 17 Prozent des Umsatzes der Swiss Football League (SFL) ausmacht. Die Schweizer Liga ist aus internationaler Sicht zu uninteressant, um relevantere Summen aus dem grossen Geldtopf der UEFA zu erhalten.

Umso wichtiger sind die Gelder, die aus dem Inland generiert werden. Bereits heute sollen die nationalen TV-Rechte der SFL 35 Millionen Franken pro Saison bescheren, die genaue Höhe wird von der Liga jedoch nicht ausgewiesen und kommuniziert. Die Rechte werden jeweils für vier Jahre vergeben, die aktuelle Periode endet Ende 2020. Bereits sind Gespräche im Gange.

Bieterkampf soll Kassen klingeln lassen

Wie die "Schweiz am Wochenende" schreibt, hofft Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, auf eine weitere signifikante Erhöhung der Einnahmen aus den Medienrechten. So könnten in der nächsten Vierjahresperiode bald 50 Millionen Franken pro Jahr in die SFL-Kassen fliessen. Grund ist die verstärkte Konkurrenzsituation unter den TV-Anstalten. Die Pay-TV-Anbieter Teleclub und MySports versuchen, sich gegenseitig die Rechte streitig zu machen. Die Streamingdienste mischen ebenfalls mit und das Schweizer Fernsehen erhält zusätzliche Konkurrenz durch die Sender von CH Media, die seit längerem immer selbstbewusster auf Live-Sport setzen.

Free-TV-Zuschauer haben das Nachsehen

Der neue Geldfluss mag für die Fussballliga und die Vereine ein Segen sein – für die Zuschauer hat er auch Nachteile. Der "kostenlose" Live-Sport im Free-TV gerät immer stärker unter Druck, SRF kann und will mit der erstarkten privaten Konkurrenz bei den Versteigerungen der Rechte nicht mehr mithalten. Besonders Live-Fussball verschwindet auch in der Schweiz je länger je mehr hinter der Bezahlschranke.

Ausserdem nehmen Sender wie Teleclub stärker Einfluss auf das Spielgeschehen, indem sie etwa die Anspielzeiten beeinflussen wollen. "Wir wünschten uns zeitlich gestaffelte Spiele", sagte etwa Sportchefin Claudia Lässer in Luzern. Fanden früher die Ligaspiele gleichzeitig statt, so drängen die Pay-TV-Sender heute immer stärker darauf, dass möglichst zu unterschiedlichen Zeitpunkten angepfiffen wird. Je öfter Live-Sport angeboten werden kann, desto häufiger kann er an zahlende Zuschauer verkauft werden.

Marketingrechte sind bereits ausgereizt

Im Gegensatz zu den Fernsehrechten besteht bei den Marketingrechten laut Schäfer weniger Luft nach oben. Die Sponsorenbudgets der grossen Unternehmen sind selbst unter Druck. Hier setzt zumindest Liga-Hauptsponsor Raiffeisen ein positives Zeichen: Die Bank will die bisher neunjährige Partnerschaft um weitere vier Jahre verlängern.

Dieser Artikel erschien zuerst am 1. Dezember 2019 auf werbewoche.ch.

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