Smarthome-Kolumne

Grenzen realistisch einschätzen

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Sie gibt es nicht, die Eier legende Wollmilchsau, das sollten wir aus Erfahrung wissen. Doch im Alltag schaut uns vermeintlich ein solches Wesen immer mal wieder aus dem Spiegel an. Unnötiges Lehrgeld ist die Folge – vermieden werden kann es mit Kooperationen.

Oft geraten wir in Situationen, in denen wir wissen, dass wir eigentlich den falschen beziehungsweise nicht optimalen Weg einschlagen. Aber wir wählen ihn aus irgendwelchen Gründen trotzdem. Zum Beispiel, wenn ein Kunde eine interessante Anfrage stellt, die für das Unternehmen neu ist oder einen bisher nicht bearbeiteten Bereich betrifft. Das Smarthome bietet viele solche Möglichkeiten und Chancen beziehungsweise Herausforderungen – oder eben Stolpersteine. In der Praxis könnte dies bedeuten: Ein Elektroinstallateur soll plötzlich etwas aus dem Bereich Multimedia mit Multiroom-System und Beamer inklusive zugehörigem Lift usw. anbieten; oder ein Multimediafachhändler will eine Hausautomationssteuerung inklusive Raumtemperaturregelung projektieren und installieren. Es ist verlockend, vieles zu versprechen und sich erst danach zu fragen, wie das jetzt genau gelöst werden könnte. Und so ergeben sich bei genauer Betrachtung nicht nur Chancen, sondern eben auch immer Risiken.

Technik und Branche

Über kurz oder lang kommt also der Zeitpunkt, in dem sich jedes Unternehmen im Bereich Smarthome und vor allem Smart Building folgende Frage stellen muss: Kann ich dem Kunden wirklich alleine und aus eigener Kraft eine 100-prozentig gute Lösung bieten? Oder sind seine Anforderungen, die Komplexität der Lösung und die damit verbundenen Risiken zu gross, um einfach eine kühne Entscheidung zu treffen mit dem Risiko, dass der Kunde am Schluss nicht das Optimum erhält, das er erwartet und verdient? Gerade im Smarthome-Umfeld, in dem es eine überdurchschnittlich grosse Vielfalt an Lösungen, die unterschiedlichsten Technologien und Gewerke gibt und wo durch die Vernetzung all dieser Dinge zudem noch ein extrem breites Wirkungsfeld entsteht, ist diese Gefahr des Scheiterns gross.

Aber nicht nur die Technik stellt eine Herausforderung dar. Auch die Kulturen in den Branchen Heizung, Elektro, Multimedia, Lüftung und Sicherheit sind sehr unterschiedlich geprägt. Dies beginnt schon bei der Grundbildung und setzt sich fort bei den Schwerpunkten und Interessen sowie bei den Fähigkeiten der einzelnen Personen.

Bewährtes Innovieren

Ein weiteres Problem ist, dass durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden laufend neuen Möglichkeiten sowie die vielen neuen Technologien Bewährtes oft schnell in Vergessenheit gerät. Es lohnt sich aber, vorsichtig zu agieren und zu überlegen, was in den letzten Jahren die sogenannten Key-Punkte des Unternehmens oder der Branche waren und wie sie sich entwickelt haben. Und es ist besser, auf dieser soliden Basis aufzubauen, als blindlings jedem neuen Trend nachzurennen und ihn im "Versuchslabor Kunde" zu testen.

Wir müssen also unsere kurz-, mittel- und langfristigen Grenzen sehen. So wird es garantiert auch in Zukunft noch Spezialisten geben, aber solche, die kooperieren, und nicht solche, die der Meinung sind, dass einer alleine alles schaffen kann. Jemand, der alles aus einer Hand bieten könnte, wäre doch fast die eingangs erwähnte Eier legende Wollmilchsau.

Vor diesem Hintergrund wäre es auch ratsam, dass die involvierten Verbände kooperieren und nicht darauf drängen, dass eine Person aus ihren Reihen alles Wissen auf sich vereint. Grosse Firmen machen es vor und bilden spezielle Abteilungen mit engagierten Profis aus den unterschiedlichen Bereichen, die in Teams zusammenarbeiten. Das scheint ein durchaus erfolgreicher Weg zu sein. Denn mit Halbwissen ist eben auch nach der Hälfte Schluss.

Mit etwas Weitblick

Der Mut zur Kooperation ist also ein guter Weg, um Sackgassen zu umgehen. Das bedeutet, dass ich, wenn ich in einem Bereich nicht so stark bin, mir zur Erfüllung der Kundenanforderungen – und nicht des Kundenproblems – den Partner mit ins Boot hole, mit dem ich gemeinsam eine optimale Lösung anbieten kann. Sonst wird das "Einzelgängertum" schnell ein Problem der ganzen Branche, und davon hat der Kunde definitiv am wenigsten und das Unternehmen den finanziellen Schaden. Klar ist auch, dass schlecht ausgeführte Aufträge schlechte Publicity für jede Branche sind, und somit etwas, das es mit allen Mitteln zu verhindern gilt.

Die GNI

In der GNI sind Hersteller, Systemintegratoren und Dienstleistungsanbieter organisiert, um das Smarthome in der Schweiz nachhaltig zu fördern. Bereits seit dem Jahr 2000 engagiert sich ihre Fachgruppe "Intelligentes Wohnen" für dieses Ziel. Sie organisiert unter anderem Smarthome-­Tagungen und ist auch Mitinitiatorin des Jahrbuchs "Intelligentes Wohnen". Die Fachgruppe arbeitet eng mit dem VSRT, dem VSEI und weiteren Verbänden zusammen, denn Vernetzung fordert alle Branchen. Vertiefte Informationen und Ausbildung sind weitere wichtige Aufgaben der Fachgruppe.

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