E-Commerce-Entwicklung

Schere zwischen Kredit- und Debitkarte schliesst sich

Uhr | Aktualisiert

Was ist die beste Zahlungsart im Onlinehandel? Ein Roundtable mit der Finanzbranche und dem Handel an einem Tisch sollte aufklären.

Wie verbreitet ist E-Commerce in der Schweiz und welche Zahlungsarten sind entscheidend? Diese Fragen hat die Interessengemeinschaft Schweizer Kartenanbieter an einem Medien-Roundtable beantworten wollen.

Fazit: Der Online- und Versandhandel wuchs auch vergangenes Jahr, wie Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV), sagte. Bezogen auf Zahlen von VSV, GfK und der Post sei der reine Online-Bestellwert in der Schweiz um über 10 Prozent auf fast 6 Milliarden Franken gestiegen. Doch 6 von 10 Onlineanbietern hätten eine negative Preisentwicklung erlebt.

Rechnung nimmt an Beliebtheit langsam ab

Bezahlt wird online laut Kessler immer noch am liebsten auf Rechnung. Ein Schweizer Kulturgut, wie der VSV-Präsident die Rechnung bezeichnete. Weil diese Bezahlungsart so einfach sei, gebe es auch die wenigsten Zahlungsabbrüche.

Der Anteil von Rechnungen nehme aber langsam ab, vergangenes Jahr um 3 Punkte auf 84 Prozent. Die Anzahl der Kreditkartenzahlungen steige langsam an und machte 2014 einen Anteil von 12 Prozent aus (+5 Prozent). Fast unbedeutend sei der Anteil der Debitkarte mit 1 Prozent.

Kreditkarte für Dienstleistungen

Das Angebot der Zahlung auf Rechnung sei zwar Pflicht für jeden Onlineshop, doch Kessler sieht grosses Potenzial für die Kreditkarte. Bei Dienstleistungen wie Flugtickets etc. sei die Kreditkarte allgegenwärtig und zur Gewohnheit geworden.

Aus Händlersicht ist aber entscheidend, welche Zahlungsart die günstigste ist. Beat Burkhalter, Leiter Unternehmensentwicklung Vertrieb und Services bei den SBB, zeigt sich deshalb mehr an der Zahlung über die Debitkarte interessiert. Die SBB testen aber auch die Zahlung mit Twint und überlegen sich die Zahlung auf Rechnung, wie Burkhalter sagte. Er erwartet eine Entwicklung Richtung digitaler Brieftasche, bei der die Zahl- und Versanddaten gespeichert seien, verwies aber auf die hohe Kostenentwicklung bei der Kreditkarte.

Transaktionskosten sinken

VSV-Präsident Kessler pflichtet Burkhalter bei. Im Bereich der Unterhaltungselektronik mit Margen, die von 10 Prozent bis in den Minusbereich gingen, schmerzten Transaktionskosten in Höhe von 1 bis 1,5 Prozent schon sehr. Der Anteil sei aber leicht gesunken und werde auch in Zukunft abnehmen.

Tobias Wirth, Leiter Digitale Produkte bei der Aduno-Gruppe, sieht das auch so. Auch er erwartet eine Nivellierung, also eine Preisangleichung zwischen Kredit- und Debitkarte. Wirth stellte die Zahlungslösung Masterpass Wallet vor. Die digitale Bezahllösung für Visa und Mastercard will Aduno gemeinsam mit Six im Handel lancieren. Zum Launch Anfang des nächsten Jahres sollen drei bis fünf grössere Schweizer Onlinehändler dazustossen.

Apple als weitere Partei

Liliana Ori, Account Manager E-Commerce bei Six Payment Services, wies darauf hin, dass Händler, sollten sie die Zahlung per Kreditkarte in ihrem Shop anbieten, das Mehrparteien-System beachten müssten. Der Händler müsse nicht nur mit dem Karteninhaber, also dem Kunden zusammenarbeiten, sondern auch mit der Kartenorganisation, dem Kartenherausgeber, dem Vertragspartner und dem Prozessor.

Auch Apple Pay war ein Thema. Wirth bemerkte, dass es keine weitere Zahlungslösung sei, sondern eine weitere Partei, die sich im Mehrparteiensystem zwischenschalte. An diese Partei müssten aber nicht Händler, sondern Banken Gebühren entrichten.

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