André Biland von ZT Fachmessen im Interview

"Wir sehen Messen nicht generell in der Krise"

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Die Bauen & Modernisieren hat weiterhin mit sinkenden Aussteller- und Besucherzahlen zu kämpfen, wie dem Abschlussbericht der Messe zu entnehmen ist. Dennoch zeigt sich die Veranstalterin ZT Fachmessen zufrieden. ZT-Geschäftsführer André Biland nimmt Stellung.

André Biland, ZT Fachmessen. (Source: ZT Fachmessen)
André Biland, ZT Fachmessen. (Source: ZT Fachmessen)

Die Bauen & Modernisieren hat mit ihrer 50. Ausgabe erneut einen Besucherrückgang von 22'000 auf 19'000 und einen Ausstellerrückgang von 400 auf 250 verzeichnet. Was sind die Gründe dafür?

André Biland: Bei den Ausstellern haben die negativen Berichterstattungen über die Messe Schweiz sicher einiges ausgelöst. Viele Marketingverantwortliche sahen danach einen Grund, auf Messen zu verzichten. Es gibt Aussteller, die jetzt eine digitale Strategie fahren. Ob sie aber damit Erfolg haben, wird sich erst noch zeigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei den Messen wieder ein Revival gibt. Sie werden vielleicht nicht so gross wie früher. Messen werden meiner Meinung regionaler und auch exklusiver. Aber verschwinden werden Messen nicht. Der Kanton Zürich rechnet bis 2040 mit einer Zunahme von 340'000 Einwohnern. All diese Personen brauchen Wohnraum und müssen sich informieren. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Besucher auf jetzigem Niveau halten können.

Inwiefern ist die Messe als Marketinginstrument ein Auslaufmodell?

Messen per se sind kein Auslaufmodell. Wir veranstalteten diesen Frühling in Luzern die Baumaschinen-Messe und kürzlich die Internationale Forstmesse. In Wettingen fand im April die 19. Bauen+Wohnen statt. Alle vier Messen waren sehr erfolgreich. Bei der Baumag hatten wir die zweitbesten Besucherzahlen seit 1984. Die Forstmesse und Bauen+Wohnen sind konstant.

Sie schreiben in Ihrem Schlussbericht zur Bauen & Modernisieren 2019 vom neuen Konzept, das gut angekommen sei. Was genau meinen Sie damit? Was war neu am Konzept, ausser dass die Messe kleiner geworden ist?

Wir haben unsere Fachvorträge ausgebaut: mehr Fachvorträge, durchgeführt in der jeweiligen Halle, die das Thema behandelt. Wir haben also die Vorträge in den Hallen integriert. In der Küchenhalle finden Fachvorträge zur Küchenplanung statt. Die Wege sind dadurch kürzer. Die Besucher sind gleich am richtigen Ort ihres Kontaktes. Es findet eine bessere Durchmischung vom Aussteller zum Besucher statt. Die Aussteller haben die Integration der Fachvorträge sehr geschätzt. Bei gewissen Themen wie Küchen und Bad gibt es noch Potenzial. Dieses möchten wir noch ausbauen.

Wie möchten Sie Aussteller- und Besucherschwund für die Bauen & Modernisieren 2020 eindämmen?

Wir werden die Bauen & Modernisieren im gleichen Rahmen weiterführen und Fachvorträge sowie Podiumsdiskussionen noch weiter ausbauen. Wir werden in der Werbung noch prominenter und frecher auftreten. Wir sehen Messen nicht generell in der Krise. Bei der Bauen & Modernisieren ist der Besucherrückgang vor allem auf die Sättigung im Bausektor zurückzuführen. Unsere Aussteller schätzen die hohe Qualität unserer Besucher. Die grosse Mehrheit kommt mit konkreten Renovationsabsichten. Ausserdem haben unsere Besucher eine hohe Kaufkraft. Die Besucherzahl ist deshalb zweitrangig.

Lesen Sie hier den Bericht zur Bauen & Modernisieren vom 12. September 2019.

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