"Tageslicht ist für Menschen unverzichtbar"

Warum ein gut beleuchteter Arbeitsplatz wichtig für erholsamen Schlaf ist

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Licht hat grossen Einfluss auf Schlafrhythmus und Befinden. Wer am Tag zu wenig und in der Nacht zu viel Licht ­abbekommt, dessen innere Uhr gerät durcheinander. Oliver Stefani vom Zentrum für Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel verrät, wie eine gute Beleuchtung am Arbeitsplatz aussieht und welche Leuchtmittel sich dafür am besten eignen.

Oliver Stefani, Zentrum für Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. (Source: Zuckerfabrik Fotodesign_Ginger Neumann)
Oliver Stefani, Zentrum für Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. (Source: Zuckerfabrik Fotodesign_Ginger Neumann)

Welchen Einfluss hat eine schlechte Beleuchtung auf Produkti­vität und Gesundheit?

Oliver Stefani: Gutes Licht ist nicht nur essenziell für das Sehen, sondern auch für die Gesundheit. Schlechte Beleuchtung wie zu wenig oder falsches Licht am Tag und künstliche Beleuchtung mit hohen Blauanteilen am Abend und in der Nacht können die innere Uhr durcheinanderbringen. Folge davon sind typischerweise Schwierigkeiten einzuschlafen und morgens ohne Wecker aufzustehen. Eine gut mit dem Tageslicht synchronisierte innere Uhr ist Voraussetzung für eine hohe Schlafqualität und wirkt sich positiv auf unsere Gesundheit aus.

Wie sieht das optimal beleuchtete Büro aus?

Das ist ein sehr komplexes Thema. Die "Technischen Regeln für Arbeitsstätten – Beleuchtung, ASR3.4" behandeln dieses Thema beispielsweise. Sehr wichtig ist meiner Ansicht nach eine ausreichende Tageslichtzufuhr. Schliesslich verbringen wir bis zu 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen. Tageslicht ist für Menschen unverzichtbar. Eine gute Tageslichtversorgung kann sich positiv auf die Stimmung, Leistungsfähigkeit und sogar auf die Gesundheit auswirken. Weiterhin trägt Tageslicht massgeblich dazu bei, den Energieverbrauch für elektrische Beleuchtung gering zu halten.

Welche anderen Faktoren gilt es bei der Arbeitsplatz­beleuchtung zu beachten?

Beispielsweise die Vermeidung von Blendung. Sie kann durch schlecht abgeschirmte und zu helle Lichtquellen oder durch störende Spiegelungen auf glänzenden Oberflächen entstehen. Ein weiteres Beispiel sind ausreichende Beleuchtungsstärken. Die ASR3.4 empfiehlt mittlere Beleuchtungsstärken im Umgebungsbereich eines Arbeitsplatzes von mindestens 200 Lux. Bei Arbeitsplätzen, die mit 500 Lux oder mehr zu beleuchten sind, muss die mittlere Beleuchtungsstärke im Umgebungsbereich mindestens 300 Lux betragen. Das sind Empfehlungen, die wichtig für gutes Sehen sind. Licht wirkt aber auch nicht-visuell. Der natürliche Wechsel von Tag und Nacht hat in uns biologische Uhren entstehen lassen, die ihre physiologischen Rhythmen mit dem Tageslicht synchronisieren. Diese Uhren regulieren fast die Hälfte aller Gene im Körper. Die Synchronisation findet direkt über das Auge und das Gehirn statt. Natürliche Morgen- und Abendlichtsignale und auch eine hohe Lichtdosis am Tag und Dunkelheit in der Nacht sind entscheidend für präzise laufende innere Uhren. 200 Lux sind hierfür zu wenig am Tag und zu viel in der Nacht. Selbst das Licht von Tablets und Bildschirmen kann am Abend schon zu viel sein.

Welche Leuchtmittel eignen sich besonders für den Arbeitsplatz?

LEDs haben wegen ihrer hohen Energieeffizienz mittlerweile andere Leuchtmittel abgelöst. Eine gute Farbwiedergabe bei der Beleuchtung ist wichtiger als bisher angenommen. Aufgrund der Ergebnisse unserer kürzlich veröffentlichten Studie "Effect of daylight LED on visual comfort, melatonin, mood, waking performance and sleep" empfehlen wir Leuchtmittel mit einer sehr guten Farbwiedergabe, die dem Tageslicht ähnlicher sind als herkömmliche Leuchtmittel. Eine künstliche Beleuchtung kann das Tageslicht jedoch nicht ersetzen.

Forschende der Empa, ETH Zürich und IBM Research ist es gelungen, Superfluoreszenz künstlich zu erzeugen. Diese Entdeckung könnte neue Errungenschaften in Beleuchtung, Sensorik und Informatik ermöglichen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

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