Ein Lamm gegen finanzielle Hilfe

Die Illuminati verschicken jetzt auch Spam

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von Coen Kaat und kfi

Die Illuminati haben viel Geld zu verschenken. Das behauptet jedenfalls eine E-Mail, die zurzeit die Runde macht. Wer darauf antwortet, kriegt allerdings nichts geschenkt. Stattdessen will der vermeintliche Geheimorden etwas von den Empfängern - unter anderem ein Lamm.

(Source: Thought Catalog / Unsplash.com)
(Source: Thought Catalog / Unsplash.com)

Die E-Mail erweckt Aufsehen - obwohl sie im Spam-Ordner gelandet ist. Der Betreff besteht aus nur einem Wort: ILLUMINATI - alles gross geschrieben. In der Nachricht selbst wird dem Empfänger angeboten, sich "der grossen Illuminati-Bruderschaft" anzuschliessen.

Die kreative Spam-Mail doppelt sogleich nach und verspricht Ruhm und Reichtum. Wer Mitglied der Illuminaten wird, könne seine oder ihre finanziellen Probleme lösen. Die E-Mail, die auch die Redaktion erhielt, endet mit einer Aufforderung zur Kontaktaufnahme sowie einer Gmail-Adresse. Diese unterscheidet sich vom Absender.

Das Schreiben der vermeintlichen Illuminati scheint zurzeit die Runde zu machen. Auch die Sendung Espresso des SRF befasste sich damit.

Rhetorik ohne Ende

Was passiert, wenn man auf die E-Mail reagiert? Nach gerade mal 10 Minuten folgt schon eine Antwort. Ein sehr langes und blumiges Schreiben, das stellenweise aus dem Englischen übersetzt wirkt. Es beginnt mit den Worten "Du bist willkommen in der grossen Illuminati-Bruderschaft, wo all deine Probleme gelöst werden und dich dann reich, mächtig und geschützt im Leben machen".

Nach einem längeren Diskurs über die angeblichen Werte und Überzeugungen dieser Gruppierung und Begründungen, warum die Welt dank den Illuminaten viel besser ist, erfolgt ein erneuter Aufruf, sich zu melden.

Auf die Antwort darauf folgt eine weitere lange E-Mail. Wieder dauert es etwa 10 Minuten. Nun wird die Masche langsam konkreter. Nach einem Versprechen, 100'000 Pfund Sterling zu überweisen, sobald man als Vollmitglied in den Illuminati-Grosslogenorden aufgenommen werde, folgt ein Fragebogen. Der Absender will den vollen Namen, das Geschlecht, die Adresse, die Telefonnummer und mehr wissen - aber keine Bankdaten.

Die Zeit bis zur nächsten Antwort dauert deutlich länger - über eine halbe Stunde. Wieder will der Orden etwas vom Empfänger. Für die Initiationsphase solle man gewisse, teilweise wohl erfundene Gegenstände besorgen. Und zwar: Edina, Ogirigon, Heilige der Illuminaten, Illuminati-Öl, Senfkörner sowie ein Lamm.

Wer nun traurig darüber ist, dass er oder sie nicht weiss, was etwa Ogirigon ist und daher möglicherweise nicht dem Orden beitreten kann, darf aufatmen. Laut dem E-Mail kann man die Gegenstände auch direkt vom Tempel kaufen. Kostenpunkt: 360 Pfund. Das Geld könne man per Moneygram-Überweisung an eine Frau in West Virginia senden. Auch der über Google gefundene "Illuminati Spiritual Shop" hat diese Gegenstände übrigens nicht im Angebot.

Keine neue Masche

Die verwendete E-Mail-Adresse ist schon in früheren Spam-Nachrichten aufgetaucht. Ein Twitter-Account, der sich William Mason nennt, versuchte bereits im Februar 2020 auf dieselbe Weise für die Illuminati zu rekrutieren.

In seinen aktuellsten Tweets reagiert der Account auf Nachrichten, in denen Schulden erwähnt werden. Wer dringend einen Kredit brauche, solle sich bei dem Account melden. Die letzte Aktivität war im Dezember vergangenen Jahres.

Auf Reddit beschrieb bereits vor zwei Jahren ein Nutzer, wie ihn die Illuminati mit derselben Masche (und derselben Einkaufsliste) scammen wollten. Und Malwarebytes berichtete schon 2014 von E-Mail-Scammern, die angeblich ebenfalls für den Orden rekrutierten und Geld für gewisse Gegenstände wollten.

Übrigens: Im Gegensatz dazu, was Hollywood-Filme wie "The Da Vinci Code" behaupten, war der Illuminatenorden eine sehr kurzlebige Geheimgesellschaft. Der 1776 gegründete Orden war in erster Linie ein Verbund von Intellektuellen im Dienste der Aufklärung. An den Versammlungen nahmen unter anderem Johann Heinrich Pestalozzi, Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart und Adolph Freiherr Knigge teil.

Schon bald wurde der Orden in verschiedene Verschwörungstheorien verwickelt - mal mehr, mal weniger schlüssig argumentiert. Interne Streitereien sowie ein Verbot des Ordens führten kaum 10 Jahre nach der Gründung zum Ende der Illuminati. Die Verschwörungstheorien blieben.

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