Studie der Universität St. Gallen

Mehr Videocalls, weniger Flüge: Geschäftsreisen nach der Krise

Uhr
von Maximilian Schenner und lha

Das Center for Aviation Competence der Universität St. Gallen führt eine Studie zum Flugverhalten von Schweizer Firmen vor, während und nach Corona durch. Das Zwischenresultat: in Zukunft wird es wohl wesentlich mehr Videocalls geben, die Zahl der Geschäftsflugreisen soll abnehmen.

(Source: mirpic / Fotolia.com)
(Source: mirpic / Fotolia.com)

Fluggesellschaften in der Schweiz und Europa arbeiten bereits daran, trotz Corona freien Personenverkehr zu ermöglichen. Zahlreiche digitale Zertifikate und Reise-Apps sollen dabei behilflich sein, wie Sie hier lesen können.

Wie sich die Krise auf das Flugverhalten von Geschäftsreisenden auswirkt, wollte das Center for Aviation Competence der Universität St. Gallen wissen. Das Institut befragte von November 2020 bis Januar 2021 insgesamt 503 Schweizer Firmen und führte Gespräche mit Geschäftsreisebüros. Die ersten Ergebnisse der noch laufenden Studie wurden im Rahmen des 5. Schweizer Aviatik Symposiums präsentiert. Den vollen Vortrag können Sie hier nachträglich ansehen.

Mehr Videocalls, weniger Flüge

Im Hinblick auf das Flugverhalten nach der Krise gaben die Befragten an, ihre geschäftlichen Kurzstreckenflüge von durchschnittlich 18 pro Jahr auf rund 12 beschränken zu wollen - dies wäre ein Rückgang von etwa 31 Prozent. Die durchschnittliche Zahl der Flüge über längere Strecken soll von 7 auf 5 zurückgehen (etwa minus 20 Prozent).

Zudem sei es in der Studie um die Nutzung von Videokonferenzen gegangen. Während 2019 noch 38 Prozent der Befragten diese Möglichkeit genutzt hätten, wollen 2020 bereits 84 Prozent diese Möglichkeit genutzt haben. Ein Drittel der Befragten habe täglich gar an fünf oder mehr Videoanrufen teilgenommen. Einige würden physische Treffen jedoch immer noch bevorzugen - die soziale, informelle, spontane Interaktion spreche dafür.

Insgesamt scheine die Kommunikation durch die Präsenz digitaler Angebote zuzunehmen, sagt Studienleiter Andreas Wittmer: "Wir merken das nur beschränkt, da wir meistens im Zug oder an der Bushaltestelle oder im Lift, etc. E-Mails beantworten. Zuvor haben wir während dieser toten Zeiten nachgedacht, reflektiert, durchgeatmet. Nun kommen die Videokonferenzen im verstärkten Ausmass dazu." Auch die Erwartung, kurzfristig einen Termin zu erhalten, würde steigen: "Es ist nicht mehr die Frage, wann hast du Zeit für eine Besprechung, sondern hast du heute noch kurz Zeit für eine Videokonferenz." Die Studie versuche auch, herauszufinden, bei welchen Meetings persönliche Anwesenheit einen Vorteil bringen würde. "Da dürften Kulturaspekte, die Art der Meetings und die strategische Wichtigkeit eine Rolle spielen", erklärt Wittmer.

Webcode
DPF8_214383

Kommentare

« Mehr