Edi Stöckli und Andy Bohli über den Samsung-LED im Arena-Kino

Was der Samsung-Screen dem Sihlcity-Kino bringt

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Der riesige LED-Screen in den Zürcher Arena Cinemas sollte die Zukunft des Kinos einläuten. Kinounternehmer Edouard Stöckli und Andy Bohli, Inhaber des Digital-Signage-Integrators Imaculix, sprechen über ihre Erfahrungen mit Samsung-Cinema-LED sowie darüber, ob sich die Investition lohnte und was als nächstes kommt.

Andy Bohli (l.), Inhaber des Digital-Signage-Integrators Imaculix und Edouard Stöckli, Inhaber der Arena Cinemas. (Source: zVg)
Andy Bohli (l.), Inhaber des Digital-Signage-Integrators Imaculix und Edouard Stöckli, Inhaber der Arena Cinemas. (Source: zVg)

Vor knapp zwei Jahren haben Sie in den Arena Cinemas im Zürcher Sihlcity den europaweit ersten LED-Screen im Kinoformat in Betrieb genommen. Die Zukunft des Kinos, hiess es damals. Hat der Projektor nun ausgedient?

Edi Stöckli: Ja und nein. Wir bauen zurzeit ein Multiplex in Basel mit 14 Sälen, aber leider keinen mit LED-Screen. Es liegt im Moment nicht an der Technik, sondern am Preis.

Andy Bohli: Mit der Lancierung der LED-Technologie im Kino ist sicherlich eine neue Ära angebrochen, die langfristig betrachtet den klassischen Projektor ersetzten wird.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Screen?

Edi Stöckli: Die Erfahrungen sind gut. Wir brauchen weniger Strom, haben ein besseres Bild bei stabiler Lichtstärke und ein sehr zufriedenes Publikum.

Andy Bohli: Erstaunlicherweise läuft die Onyx Cinema LED ziemlich stabil, wenn man bedenkt, dass mit der DCI in der Kinowelt massiv höhere Standards erfüllt werden müssen als mit einer LED-Installation im klassischen Retail-Umfeld.

Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile gegenüber herkömmlichen Leinwänden und Projektoren?

Edi Stöckli: Wir sparen Platz. Denn im Gegensatz zu klassischen Leinwand-Sälen brauchen wir mit dem LED-Screen keine Kabine für einen Projektor. Den Platz für die Projektor-Kabine habe ich jetzt im Kinosaal.

Andy Bohli: Die Leuchtstärke und Brillanz des Bildes ist schon sehr genial. Kein Wunder, gibt es Besucher, die der Meinung sind, dies sei nun das 3-D-Kino ohne 3-D-Brillen.

Wie sieht es mit den Investitionskosten aus? Hat sich der Screen schon gerechnet?

Edi Stöckli: Dieser Screen wird sich nie rechnen. Es war ein Luxus, den ich den treuen Kinobesuchenden von Arena-Cinemas schuldig bin.

Der Screen musste vor der Installation in Korea kinotauglich gemacht werden. Was waren da die grössten Herausforderungen?

Andy Bohli: Der Hollywood-Sicherheits- und Qualitäts-Standard der Digital Cinema Initiative wurde beim Switch zur digitalen Projektion ins Leben gerufen. In der Zwischenzeit bietet die LED-Technologie in Sachen Leuchtstärke, Qualität und Brillanz andere Möglichkeiten wie die Projektions-Technologie, an welcher die Norm angepasst wurde. Die grösste Herausforderung war die Sicherstellung und Integration des Sicherheitsstandards der Verschlüsselung, die auf einem technischen Prinzip von Xenon- und Laserprojektoren basiert.

Kann die LED-Technik ihr Potenzial heute schon ausspielen? Oder bräuchte es zu diesem Zweck andere Aufnahmetechniken?

Edi Stöckli: Aus meiner Sicht spielt die LED-Technik ihr Potenzial nicht aus. Natürlich wäre es jetzt schön, wenn die Produzenten das Thema bei Drehen aufgreifen und ihrem kreativen Schöpfergeist freien Raum lassen würden. Denn der LED-Screen kennt keine Grenzen.

Andy Bohli: Das Potenzial der Cinema-LED kann momentan nicht voll ausgeschöpft werden, weil es keinen Kinobranchen übergreifendes HDR-Format gibt, wie es in der Unterhaltungselektronik bekannt ist. Jedes Spezialformat wie etwa Imax, Dolby Cinema oder EclairPlay hat ihre eigenen Standards, was wiederum heisst, dass jeder Film für diesen speziell vom Studio oder vom Systemhersteller gemastert werden muss.

Was kommt als Nächstes?

Edi Stöckli: Das Nächste sind gebogene Screens, die ich an der Decke montieren kann, die auch perforiert sind, damit der Ton wieder von hinten kommt.

Andy Bohli: Nach Samsungs Onyx hat nun auch LG eine Cinema-LED-Zertifizierung erhalten. Ich bin mir sicher, dass diese neue Technologie nach über 124 Jahren Projektionstechnik langsam in der Kinowelt Einzug hält und weitere Hersteller in den Labors rumtüfteln.

Zeichnet sich bereits ein neuer Technik-Trend ab, der LED dereinst ablösen könnte?

Edi Stöckli: Hologram, aber vorerst leider nur sehr klein.

Andy Bohli: Wir warten alle auf das Holodeck! Es gibt neue Trends und Kinoformate, die langsam Einzug halten. Dies sind komplette Kinokonzepte wie 4DX oder ScreenX. Arena war auch hier eines der ersten Unternehmen weltweit, das die Technologie nach Europa geholt hat. Um ein solches Konzept auch gewinnbringend lancieren zu können, braucht es die Studios, die mitmachen und die Filme speziell in diesen Formaten mitproduzieren.

Wie steht es um die Lebensdauer des Screens? Samsung verspricht eine Laufzeit von 11 Jahren im Dauerbetrieb. Geht die Rechnung auf?

Edi Stöckli: Das werde ich Ihnen sagen, wenn ich 90 bin.

Andy Bohli: Die Onyx läuft erst seit März 2018, wir werden sehen. Man bedenke, dass die LED-Technologie nicht ganz neu ist. Sonys Jumbo Tron war 1985 der erste LED Giant Video Screen.

Gibt es Pläne für alternative Nutzungsmöglichkeiten wie beispielsweise Live-Übertragungen oder E-Sports-Events?

Edi Stöckli: Klar, jede Menge. Wir sind einfach zurückhaltend, da wir gerne ein Kino bleiben möchten und der Spielfilm fast immer Priorität hat.

Andy Bohli: Eins der tollen Merkmale der Cinema-LED-Wand ist, dass das Bild auch bei hellem Saal klar und brillant sichtbar ist. Dementsprechend sind die Bedingungen für die Nutzung für Events, Konferenzen und Präsentationen ideal. Dazu kommt, dass Personen auf der Bühne keinen Projektonsschatten verursachen. In anderen Ländern gibt es auch das Onyx-Dining, ein Konzept, wo man essen und parallel einen Film kucken kann.

Wie fällt das Feedback der Kunden aus?

Edi Stöckli: Sie sind zufrieden bis begeistert. Ein Wallfahrtskino sind wir aber noch nicht.

Wenn Sie an die Zukunft des Kinos und von Digital Signage denken: Was erwarten Sie? Und was erhoffen Sie sich?

Edi Stöckli: Digital Signage eröffnet uns in der Vermarktung des Kinos unzählige Möglichkeiten. Mit Andy Bohli sind wir dran, dieses oder jenes auszuprobieren. Wir melden uns, wenn es soweit ist.

Andy Bohli: Durch intelligente Digital-Signage-Systeme und der Integration des Kinoworkflows ist man in der Lage, zielgerechten Content auszuspielen. Es zeigt sich, dass durch das zielgruppengerechte Bespielen der Screens die Kunden dazu animiert werden können, auch andere Filmvorstellungen zu besuchen. Da sind wir in der Schweiz sowohl technologisch wie auch auf dem kreativen Level weltweit führend.

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