Faktencheck

Darum sollten Sie nicht zu nahe am Induktionsherd stehen

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Auch Jahrzehnte nach seiner Einführung fristet der Induktionsherd immer noch ein eher stiefmütterliches Dasein. Die überwiegende Zahl der verkauften Herde in der Schweiz sind nach wie vor klassische Glaskeramikelektroherde. Beim Thema Induktion scheiden sich die Geister.

(Source: Dominik Pabis)
(Source: Dominik Pabis)

Abgesehen von Gas, Holz und Glaskeramik gibt es noch eine weitere Kochherdart: den Induktionsherd. Nicht jeder ist jedoch begeistert von der Technologie. Es kursieren Bedenken um Gesundheit und Kosten. Zurecht?    

Der Induktionsherd wird beim Kochen nicht warm. 

Richtig: Anders als beim Gas- und Glaskeramikherd erhitzt sich das Kochfeld beim Induktionsherd nicht direkt. Wer also aus Versehen einmal auf die Herdplatte fasst, kann sich nicht verbrennen. Pfannen und Speisen werden aber trotzdem heiss, denn ein Induktionsherd erhitzt die Pfannen und Töpfe über elektromagnetische Spulen, durch die Wechselstrom fliesst. Das Magnetfeld, das so entsteht, dringt durch das Kochfeld und erzeugt im elektrisch leitenden Pfannenboden einen kreisförmigen Strom – auch Wirbelstrom genannt.

Für den Induktionsherd braucht man spezielle Pfannen.

Richtig: Nicht jede Pfanne ist für das Kochen auf dem Induktionsherd geeignet. Wer sich also neu einen Induktionsherd anschafft, braucht eventuell auch ein Set neuer Pfannen. Töpfe und Pfannen aus ­magnetisierbarem Material wie Stahl oder Gusseisen taugen fürs Kochen auf diesen Kochfeldern. In regulärem Kochgeschirr aus Aluminium oder Chromstahl bleibt das Essen jedoch kalt. Es gibt aber auch Pfannen aus diesen Materialien mit einem induktionstauglichen Boden. Wer nicht sicher ist, ob seine Pfannen für den Induktionsherd geeignet sind, kann einen einfachen Test machen: Bleibt ein Magnet gut am Pfannenboden haften, kann die Pfanne für den Induktionsherd verwendet werden.

Ein Induktionsherd ist teurer als ein Gas- oder Glaskeramikherd. 

Richtig: Die Anschaffung eines Induktionsherds ist nicht günstig. Die Geräte kosten schnell doppelt so viel wie die Glaskeramik-Alternative. Zwar findet man bei einigen ­Anbietern bereits Herde mit vier Kochfeldern inklusive Backofen ab 800 Franken. Bei namhaften Herstellern kann aber auch das Kochfeld allein über 2000 Franken kosten.

  

Die Strahlung des Induktionsherds ist gesundheitsschädigend. 

Falsch: Das Magnetfeld, mit dem beim Induktionsherd Hitze erzeugt wird, ist nicht nur auf das Kochfeld begrenzt. Ein Teil davon strahlt auch nach aussen ab. Da elektrische und magnetische Felder im menschlichen Körper elektrische Ströme erzeugen, die ab einer bestimmten Stärke Nerven und Muskeln akut stimulieren, gibt es Bedenken, dass Induktionsherde schädlich für die Gesundheit sein könnten. Die europäischen Grenzwerte für Magnetfelder sind deshalb so festgelegt, dass sie die im Körper fliessenden Ströme um das mindestens 50-Fache unterschreiten, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einem Faktenblatt zum Thema schreibt. Gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es generell keine überzeugenden Hinweise auf langfristige gesundheitliche Auswirkungen mittelfrequenter Magnetfelder. Um die Belastung mit magnetischen Streufeldern beim Kochen zu untersuchen, hat das BAG drei unterschiedliche Induktionsherde getestet. Zwei mit je vier Kochfeldern und einen mobilen Profi-Herd mit einer Kochzone. Das Ergebnis: Bei Anwendung gemäss Empfehlung überschritt keiner der Herde die vorgegebenen Grenzwerte. Es wurde auch getestet, was mit den Magnetfeldern passiert, wenn Köche den Herd nicht wie empfohlen verwenden. Wird mit einer Pfanne gekocht, die nicht für den Induktionsherd geeignet ist, verstärken sich die Streufelder um das 3- bis 5-Fache. Wenn eine Pfanne nicht zentriert auf die Herdplatte gestellt wird, kann das Magnetfeld im schlimmsten Fall 9,5 Mal stärker sein. 

 

Je näher man bei der Herdplatte steht, desto gefährlicher ist das Kochen mit dem Induktionsherd. 

Falsch bei sachgemässer Nutzung: Das BAG empfiehlt, einen Abstand von etwa 30 Zentimetern zur eingeschalteten Herdplatte einzuhalten. Es kam allerdings zum Ergebnis, dass die Streufelder bei sachgemässer Handhabung auch ab einem Abstand von nur 5 Zentimetern den Grenzwert nicht überschreiten. Kocht man allerdings mit einer ungeeigneten Pfanne oder stellt die Pfanne nicht mittig auf die Herdplatte, übersteigen die Magnetfelder in einem Abstand zwischen 1 und 20 Zentimetern den vorgegebenen Grenzwert.     

 

Wenn mehrere Kochfelder gleichzeitig gebraucht werden, verstärken sich die Magnetfelder.

Falsch: Der Test des BAG hat gezeigt, dass das Benutzen mehrerer Kochfelder auf einmal kaum Einfluss auf die Streufelder hat.     

Menschen mit Herzschrittmachern dürfen nicht am ­Induktionsherd kochen.

Abzuklären: "Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass magnetische Streufelder von Induktionskochherden auf kurze Distanz elektronische Implantate beeinflussen können", heisst es im BAG-Faktenblatt. Bei korrektem Verhalten sei die Wahrscheinlichkeit, dass das Implantat gestört werde, aber sehr klein. Menschen mit einem Herzschrittmacher empfiehlt das BAG die Sicherheitshinweise des Herstellers zu beachten und die Verwendung eines Induktionsherds zuerst mit dem Arzt abzusprechen.  

Ein Induktionsherd hat kurze Reaktionszeiten.

Richtig: Ein Induktionsherd reagiert zwar nicht ganz so schnell wie ein Gasherd, aber immer noch um einiges schneller als ein Glaskeramikherd. Der Induktionsherd verbraucht ausserdem weniger Strom als ein Glaskeramikherd.

Ein Induktionsherd lässt sich leicht reinigen. 

Richtig: Die Kochfläche beim Induktionsherd kann einfach von Fett und anderem Schmutz befreit werden, da die Herdoberfläche aus Glaskeramik besteht. Ausserdem können überkochte Speisen nicht auf dem Herd einbrennen, da die Herdplatten kalt bleiben. Oft reicht zur Reinigung schon ein feuchter Putzlappen. Fettspritzer lassen sich leicht mit Spülmittel entfernen.

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