E-Commerce Report Schweiz 2019

Wer vom Schweizer E-Commerce-Boom wirklich was hat

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10 Milliarden Franken sind 2018 in den Schweizer E-Commerce geflossen. Gut ein Fünftel davon ging an ausländische Anbieter. Hiesige Onlinehändler stehen unter Druck und hoffen auf eine Trendwende: weg von industriellen Massenprodukten, hin zu Services.

(Source: anyaberkut / iStock.com)
(Source: anyaberkut / iStock.com)

2018 haben Schweizerinnen und Schweizer für fast 10 Milliarden Franken online eingekauft. Die Ausgaben im Onlinehandel wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent. Dies geht aus dem E-Commerce Report Schweiz 2019 der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hervor.

Gut ein Fünftel der Schweizer Onlineausgaben sei 2018 an ausländische Anbieter geflossen. Der Betrag sei gegenüber dem Vorjahr um rund 16 Prozent auf 2,15 Milliarden Franken gestiegen. Ausländische Anbieter hätten also deutlich überproportional zugelegt, schreiben die Studienautoren.

Das Stück vom Kuchen schrumpft

Schweizer Anbieter verlören indes Marktanteile. Und ihre Ertragssituation sei überwiegend unbefriedigend. Für die kommenden Jahre rechnen die Schweizer Onlinehändler damit, dass ausländische Anbieter stärker vom hiesigen E-Commerce-Boom profitieren und so weiterhin Marktanteile hinzugewinnen.

Der regionale Einzelhandel verliere an Bedeutung. Auch deswegen, weil sich die Konsumenten an die ständige Verfügbarkeit von Angeboten im Internet gewöhnt hätten. Dementsprechend würden Geschäfte und Verkaufsflächen abgebaut. Alle Stufen der Distribution gerieten unter Druck. Doch es besteht noch Hoffnung für Einzelhändler: Die "vernetzte Angebotswelt" bietet schliesslich "vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit", wie es in der Mitteilung zur Studie heisst.

Individuell statt massenhaft

Einen möglichen Ausweg sehen die Befragten im Angebot: Die Konsumenten hätten allmählich genug von industriell hergestellten Massenprodukten. So sehen es zumindest die befragten E-Commerce-Anbieter. Was ihrer Ansicht nach hingegen zunimmt, ist der Bedarf an Angeboten mit ergänzendem Service und individuellem Wert.

"In Zukunft bestimmen nicht die Hersteller, was gekauft wird, sondern die Kunden, was die Distribution ihnen liefern soll", lässt sich Studienleiter Ralf Wölfle von der FHNW zitieren. Unternehmen, die im Wettbewerb mithalten möchten, müssten ihre Leistungen besser auf ihre Kunden ausrichten, Prozesse optimieren und kontinuierlich in Informatik und Logistik investieren. Wer am Ball bleiben will, sollte also in Personalisierung und Beziehungsmanagement investieren.

Auftraggeber, Geldgeber und Studiendesign

Bezahlt wurde die Studie vom E-Payment-Anbieter Datatrans. Zu den weiteren Sponsoren zählen der Verband des Schweizerischen Versandhandels, Postfinance, Six Payment Services, Paypal. Mastercard, Worldline, Crif und Byjuno.

Die Studie basiert auf 35 Experteninterviews. Befragt wurden Geschäftsleitungsmitglieder oder E-Commerce-Verantwortliche von Schweizer Unternehmen, die B2C-Onlinehandel betreiben. Zu den teilnehmenden Unternehmen zählen etwa Brack.ch, Coop, Jelmoli, Le Shop, Mediamarkt, Nespresso, Orell Füssli, PCP, Ricardo, die SBB, Starticket und Victorinox.

In der diesjährigen Ausgabe der Studie seien 28 der 35 Teilnehmer zum wiederholten Mal befragt worden. Ziel der Untersuchung sei es, die Entwicklung des B2C-Onlinehandels in der Schweiz über mehrere Jahre hinweg zu analysieren. Die Studie wurde nun zum elften Mal durchgeführt.

Unter den 10 weltweit grössten E-Commercer-Anbietern finden sich mehrheitlich US-amerikanische und chinesische Player, jedoch auch ein deutsches Unternehmen. Insgesamt gaben Onlineshopper im Jahr 2018 fast 3 Billionen US-Dollar aus, wie aus dem Bericht "Top Performers in Global eCommerce" hervorgeht. Lesen Sie hier mehr dazu.

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