EU bestraft Chiphersteller

Qualcomm erhält Milliardenstrafe

Uhr | Aktualisiert

Die EU hat Qualcomm eine Strafe von fast einer Milliarde Euro aufgebrummt. Das Unternehmen habe seine Marktmacht missbraucht, so das Urteil. Qualcomm dagegen kündigte neue milliardenschwere Kooperationen in China an.

(Source: Andrey Burmakin / Fotolia.com)
(Source: Andrey Burmakin / Fotolia.com)

Rund eine Milliarde Euro muss Qualcomm an die EU-Kommission zahlen. Die europäischen Wettbewerbshüter sind der Meinung, dass Qualcomm Apple zu hohe Rabatte gewährte, wie die Kommmission mitteilt.

"Qualcomm hat Milliarden von US-Dollar an Apple gezahlt, damit Apple nicht bei der Konkurrenz kauft. Bei diesen Zahlungen handelte es sich nicht einfach um Preisnachlässe – sie wurden unter der Bedingung geleistet, dass Apple in sämtlichen iPhone- und iPad-Geräten ausschliesslich Qualcomm-Chipsätze verwendet", begründet EU-Kommissarin Margrethe Vestager die Entscheidung. Für Konkurrenten sei es daher unmöglich gewesen, Qualcomm im Markt für LTE-Chips auszustechen. "Durch das Verhalten von Qualcomm wurden Verbrauchern und anderen Unternehmen mehr Auswahl und Innovation vorenthalten – und das in einem Sektor mit riesiger Nachfrage und enormem Potenzial für innovative Technologien", sagte Vestager weiter.

Langjährige Absprachen

Die Absprachen mit Apple gehen gemäss Mitteilung bis auf das Jahr 2011 zurück. 2013 wurde die Vereinbarung bis 2016 verlängert. Der Vertrag habe auch vorgesehen, dass Apple die Rabatte zurückzahlen müsse, sollte das Unternehmen den Chip eines Konkurrenten in seine Produkte verbauen.

Apple habe Überlegungen für einen Wechsel auf Intel-Chips verworfen, da das Unternehmen die Rückzahlung der Rabatte befürchtet habe. Dies gehe aus Dokumenten hervor, die den Wettbewerbshütern vorlägen.

Die EU-Kommission sieht in dem Verhalten einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Qualcomm. Im Zeitraum der Vereinbarung lag der Marktanteil des Unternehmens bei über 90 Prozent. Durch diesen Missbrauch seien die Verbraucher geschädigt und Innovationen gehemmt worden, heisst es in der Mitteilung weiter.

Daher verhängte die Kommission einen Geldstrage von genau 997'439'000 Euro. Dies entspricht 4,9 Prozent des Jahresumsatzes des Unternehmens im Jahr 2017. Der Zeitraum der Zuwiderhandlung wurde mit fünf Jahre, sechs Monate und 23 Tage angesetzt.

Qualcomm erklärte bereits, rechtlich gegen den Entscheid vorgehen zu wollen. Das Unternehmen sieht laut einer Mitteilung keine Verletzung der EU-Vorschriften oder Schäden für die Konsumenten.

Neue Kooperationen in China

Unabhängig von der Strafe schloss Qualcomm neue Partnerschaften in China. Der Chiphersteller unterschrieb mehrjährige Partnerschaftsabkommen mit den Smartphone-Herstellern Lenovo, Xiaomi, Oppo und Vivo, wie das Unternehmen mitteilt.

Die Kooperation hat ein Volumen von mindestens 2 Milliarden Dollar, wie es weiter heisst. Die Laufzeit beträgt drei Jahre. Die Zusammenarbeit bewegt sich vor allem im Spannungsfeld der 5G-Technologie.

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