Qipp gewinnt AlpICT Venture Night - Interview mit CEO Stefan Zanetti

"Qipp ist ein soziales Netzwerk für Dinge"

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Gestern hat das Start-up Qipp die Alp ICT Venture Night an der Lift Conference gewonnen. Im Interview erklärt CEO Stefan Zanetti wie es zur Entwicklung seiner "App für Lieblingsdinge" kam.

Stefan Zanetti, CEO von Qipp. (Quelle: Qipp)
Stefan Zanetti, CEO von Qipp. (Quelle: Qipp)

Herr Zanetti, bei Ihrer neuen App Qipp handelt es sich um einen "digitalen Assistenten für Lieblingsdinge". Was bedeutet das genau?

Jeder von uns hat Gegenstände, die ihm besonders lieb sind: Ein Fahrrad, eine Uhr oder ein Erbstück der Grosseltern. All diese Dinge haben eines gemeinsam: Sie kommunizieren nicht aktiv mit uns – obwohl es viele Situationen gibt, in denen wir froh wären, sie würden sich melden. Stellen sie sich vor, das Smartphone würde selbstständig melden, dass die Garantie in drei Wochen abläuft. Ihr Lieblingsfahrrad macht Sie darauf aufmerksam, dass das Folgemodell lanciert wurde oder eine Jacke meldet, dass eine Freundin den passenden Schal aus der gleichen Linie bei sich hat. Dies alles wird möglich, wenn Dinge eine eigene digitale Identität haben und ein Assistent wie Qipp alle Aufgaben rund um die Lieblingsdinge aktiv für uns zu erledigen anfängt.

Wie ist Qipp entstanden und was bedeutet eigentlich der Name Qipp?

Qipp ist aus einer Frustration entstanden: Wir waren lange Jahre im Technologietrend "Internet der Dinge" unterwegs und haben immer darauf gewartet, dass der "eine kleine Knopf" autaucht, der alle Sensorik und Kommunikationsmodule in sich trägt und mit dem ich mit jedem Lieblingsding direkt kommunizieren könnte. Aber bis jetzt ist das nicht passiert. Dadurch wurde uns klar, dass wir viele der Services, die wir auf Dinge packen wollten, erbracht werden können, wenn ein Ding einfach eine digitale Identität hat. Technisch gesehen ist Qipp daher eigentlich ein soziales Netzwerk für Dinge. Auf die digitalen Profile der Dinge kann man Services "drauf-equippen". Daher auch der Name "Qipp" (Aussprache "kwipp", Anmerk. d. Red.).

Inwiefern vereinfacht Qipp mein Leben? Welche Vorteile ergeben sich für mich als User durch die Nutzung Ihrer App?

Jeder von uns hat schon einmal erlebt, dass wir einen wichtigen Anlass oder Termin bei einem Gegenstand verpasst haben, zum Beispiel den Ablauf der Garantie. Manchmal finden wir wichtige Dokumente nicht mehr: Quittungen, Handbücher etc. "Klebt" man als Qipp-Anwender solche Informationen und Dienste an das digitale Profil eines Gegenstands an, erspart man sich viel Ärger. Qipp kann uns aber auch helfen, mehr aus unseren Lieblingsgegenständen zu machen. Es zeigt uns passende Accessoires, gibt den aktuellen Wert eines Gegenstandes an oder hilft uns, unsere Dinge auszuleihen. Nicht alle dieser Dienste sind schon fertig implementiert, aber unser Plan ist, Monat für Monat einen neuen Dienst zu lancieren. Schliesslich werden wir über die Zeit den ganzen Lebenszyklus unserer Lieblingsdinge gut abdecken können.

Wie viel Arbeit mussten Sie in Qipp investieren, bis Sie die App auf den Markt bringen konnten?

An Qipp arbeiten wir seit zwölf Monaten. Seit 9 Monaten, also schon drei Monate nach dem Start, waren wir mit Beta-Versionen online. Wir haben sehr viel getestet, und dann aus dem Gelernten die erste Version zusammengebaut, die wir jetzt lanciert haben.

Qipp ist bereits das dritte Unternehmen, das Sie lancieren. Welche Fehler haben Sie in der Vergangenheit gemacht, die Sie nun bei Qipp vermeiden möchten?

Die grösste Lernerfahrung in meiner bisherigen Tätigkeit als Unternehmer ist: Man darf keine zu starken Exklusivitäten eingehen. Das kann zwar attraktiv sein, aber die Gefahr ist gross, dass man zu symbiotisch unterwegs ist und den Markt verpasst. Dies gilt insbesondere für einen Dienst wie Qipp. Dieser lebt gerade davon, dass man möglichst offen ist und als Nutzer unterschiedliche Dinge "qippen" kann.

Wie sieht Ihr Fahrplan aus? Wie schnell hoffen Sie mit Qipp in die schwarzen Zahlen zu kommen?

Wir werden in drei Wochen am Mobile World Congress in Barcelona und gleich danach an der Cebit die White-Label-Variante für Unternehmen vorstellen. Kern der Strategie von Qipp ist es, insbesondere Herstellern von hochwertigen Produkten die Möglichkeit zu geben, ihre Produkte gleich ab Werk mit digitalen Identitäten und Services auszurüsten. Dann können Käufer dieser Produkte auf diesen Produkten direkt "einchecken". Das bringt gleich zwei Vorteile: Für Besitzer solcher Produkte wird das Erleben der Produkte angenehmer, weil Hersteller am besten wissen, welche Dienstleistungen ein Objekt benötigt. Gleichzeitig erhalten Hersteller und Kunden eine einfache Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten. Auch an der Hardware-Front möchten wir vorwärts machen und beispielsweise Identifikatoren auf der Basis von Bluetooth Low Energy vorstellen. Dann können sich Produkte selbst am Smartphone anmelden, was weitere Service-Potenziale zum Vorteil der Besitzer eröffnet. In die schwarzen Zahlen möchten wir 2015 kommen. Wir sind überzeugt, dass wir für ein beschleunigtes internationales Wachstum auf Investoren werden zurückgreifen können.

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