Interview

"Wir bauen eine Servicetechnikflotte auf"

Uhr | Aktualisiert
von Fabian Pöschl

Roland Silvestri, COO von Rotronic-Secomp, hat im April mit der Cool AG losgelegt. Im Interview erklärt Silvestri, welche Ziele er mit dem neuen Unternehmen verfolgt. Ausserdem sagt er, wie es mit Rotronic-Secomp weitergeht.

(Quelle: Netzmedien)
(Quelle: Netzmedien)

Sie gründeten im Oktober 2014 die Cool AG. Seit April ist der Dienstleister aktiv. Welchen Zweck verfolgen Sie mit dem Unternehmen?

Roland Silvestri: Aus der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern entstand die Idee, dass wir eigene Services anbieten. Wir wollen mit der Cool AG ein reines Dienstleistungsunternehmen aufbauen, das nicht nur Schrauben, sondern auch Beratung bietet. Der erste Schritt ist die Weisse Ware, der zweite TV. 

Was bietet die Cool AG?

Wir bauen eine Servicetechnikflotte auf, die Reparaturen und Installationen beim Kunden vor Ort ausführt. Ich weiss aber noch nicht, wie gross sie werden soll. Derzeit sind sechs Fahrzeuge in der Schweiz unterwegs mit fünf Brand Engineers nur für Samsung-Haushaltsgeräte und ein markenunabhängiger Engineer. Diesen Bereich wollen wir ausbauen und Installationen für diverse andere Marken anbieten. Aber alles muss vernünftig sein. Wir sind in Gesprächen und spüren ein grosses Bedürfnis nach einem in der gesamten Schweiz tätigen Dienstleister. Das gab es bisher noch nicht. Gerade online haben schweizweit angebotene Dienstleistungen eine wichtige Bedeutung. 

Wie profitiert der Fachhandel von der Zusammenarbeit mit der Cool AG?

Viele können keine Dienstleistungen anbieten, weil das Equipment fehlt. Das beginnt beim Treppenlift, dem passenden Werkzeug, dem Know-how oder auch bei den fehlenden Zertifikaten. Einige haben auch keine Lust, wegen eines Fernsehers zwei Stunden nicht im Laden zu sein. Da will ich dem Händler unter die Arme greifen, damit er bessere Dienstleistungen anbieten kann. Wir bieten Beratung von A bis Z, und der Händler kann das Geschäft abschliessen. 

Wie ist das Angebot der Cool AG angekommen?

Unglaublich gut. Wir sind jetzt schon übermässig ausgelastet. Wir wollen Geräte innerhalb von 48 Stunden reparieren. Aber im Moment sind wir davon weit entfernt, weil so viele Aufträge reinkommen. Das muss sich jetzt noch einspielen, dann kommt es gut.

Gehört die Cool AG zu Rotronic-Secomp?

Nein, die Firma ist komplett unabhängig von der Holding Secomp. Wir wollen die Cool AG als eigenständiges Unternehmen belassen, weil die Ausrichtung bei der Gründung noch unklar war. Eigentlich war etwas im Klimabereich geplant, daher der Name. Aber das ist ein schwieriger Business Case. Deshalb orientierten wir uns um.

Wieso stiegen Sie ins Dienstleistungsgeschäft ein?

Der Dienstleistungsanteil ist extrem gross in der Schweiz. Aber es war ein grosses Investment, mit einem gewissen Risiko. Man muss mutig sein. Wir wollten uns auch Zeit lassen, die Idee reifen zu lassen. Wir stellten die richtigen Mitarbeiter ein und kauften das nötige Inventar. Da konnte ich auf die Hilfe meiner Mitarbeiter zählen, die zum Teil schon lange Jahre Servicetechniker sind. Wir kauften eine spezielle Software, um die Technik zu koordinieren, bauten Schnittstellen auf und stellten die Website online. So konnten wir ab April ohne Bauchschmerzen loslegen.

Vor rund zweieinhalb Jahren teilte sich Rotronic auf. Würden Sie es heute wieder so machen?

Ja, es war der beste Schritt, den wir machen konnten, weil er uns Flexibilität bringt. Dadurch können wir anders agieren. Ich habe auch ein tolles Team, nur dank diesem geht es uns so gut. Ich hatte damals zwar schon einige schlaflose Nächte, aber heute nicht mehr. Ich würde es genau wieder so machen.

Wann wird Rotronic-Secomp unabhängig?

Wir werden ab nächstem Jahr nur noch Secomp heissen. Es gibt noch viel zu tun, darum machten wir uns auch nie Gedanken, die Cool AG in dieselbe Struktur einzugliedern.

Seit vergangenem Herbst arbeitet Michael Ganz als neuer Sales Director bei Rotronic-Secomp. Wie kam es dazu?

Ich war Geschäftsführer und Verkaufsleiter in einer Person, das ging nicht mehr. Ich konnte bei elf Aussendienstleistern nicht mehr alle direkt führen. Es hatte aber auch damit zu tun, dass ich bei der Cool AG neue Aufgaben übernommen habe. Ausserdem bin ich auch im internationalen Geschäft von Rotronic-Secomp engagiert und reise auch sehr gerne. Deshalb musste ich einen Teil des aktiven Geschäfts abgeben. Ich bin froh, dass Michael Ganz jetzt den Verkauf leitet. Er kommt aus dem Fachhandel und ist deshalb vor allem für den Fachhandel tätig und wird ihn noch ausbauen.

Wie wichtig ist das Fachhandelsgeschäft in der Schweiz?

Es ist wie die gesamte Branche rückläufig. Aber man darf den Fachhandel nicht unterschätzen. Ihn wird es immer brauchen, weil es immer Leute geben wird, die eine Beratung schätzen. Beim Fachhändler ihres Vertrauens ist es ihnen dann egal, wenn sie etwas mehr bezahlen. Andere brauchen keine Beratung und kaufen online ein. Das hat auch mit dem Alter zu tun. Ab 35 Jahren aufwärts lässt man sich eher mal etwas nach Hause liefern. Auch ich lasse mir Geräte vom Fachhändler zuhause installieren, weil mir dazu einfach die Zeit fehlt. Ich weiss zwar, wie es geht, aber so bin ich mir wirklich sicher, dass es fachmännisch ist und schön wird. Der Fachhandel hat also seine Berechtigung. Die Gefahr besteht darin, dass Onlineanbieter plötzlich auf einer ähnlichen Dienstleistungsstufe stehen.

Wieso baut Rotronic-Secomp bei Haushaltsgeräten so stark auf Samsung?

Ich bin gerade dabei, das Kleingerätesortiment mit Drittmarken auszubauen. Ich kann noch nicht sagen, welche das sein werden, aber sie werden komplementär zu unseren Samsung-Produkten sein. Aber bei Grossgeräten bleiben wir bei Samsung. Für weitere Marken würde der Platz fehlen. Ausserdem leben wir für Samsung. Es braucht eine gewisse Treue.

Rotronic-Secomp bietet seit einem Jahr Lösungen für die LED-Industrie. Welche Bedeutung hat das LED-Geschäft für Sie?

Nach wie vor eine sehr grosse. Es ist zwar sehr saisonal, aber seit unserem Vertrag mit Osram geschieht einiges. Das Potenzial ist gross.

Obwohl Samsung sich aus dem LED-Geschäft in Europa zurückzog?

Samsung ist einer der grössten Hersteller in diesem Bereich. Da war das kleine Geschäft in der Schweiz uninteressant für das Unternehmen. Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass Samsung wieder in ein Segment einsteigt.

Wie zufrieden sind Sie mit dem LED-Geschäft im Vergleich zu den anderen Sparten CE, IT und Elektro?

Es ist kleiner, aber als Abrundung finde ich es wichtig. Das ist etwa beim Hotelgeschäft wichtig. Neue Produktgruppen bringen neue Kundschaft.  Empfehlen Sie das auch dem Fachhandel?  Ja, mit diversen Feldern kann er seinen Kunden mehr bieten. Etwa das Netzwerkgeschäft oder Alarmsysteme wachsen stark. Solange es ähnliche Bereiche sind, droht keine Verzettelung.

Was versprechen Sie sich vom Thema Smarthome?

Das ist die Zukunft und wird ein grosses Geschäft. Die junge Generation findet es gut, alles mit dem Smartphone bedienen zu können. Der Mensch ist verspielt. Auch Überwachungssysteme werden immer einfacher.

Was tun Sie im Herbst, nachdem die Expo CE Montreux nicht mehr stattfindet?

Ich habe keine Ahnung. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es die Messe in Zürich im Frühling noch geben wird. Ich würde vor allem Montreux vermissen, weil es eine so tolle Location ist. Viele nutzten den Event auch für einen Familienausflug. Ich finde Messen wichtig, deshalb waren wir auch an der Electro-Tec. Wir werden aber keine Hausmesse machen, das ergibt alleine keinen Sinn.

Ihre Message an den Fachhandel?

Der Markt bewegt sich extrem schnell. Es gibt viele Fachhändler, die Chancen verpassen, weil sie gewisse Geschäfte nicht erkennen. Sie sollten sich mehr mit den Funktionen der Geräte auseinandersetzen, damit sie eine gute Beratung bieten können. Multi-Channel ist auch ein Thema, mit dem sich der Fachhandel befassen muss. Ohne geht es heute nicht, man muss Multi-Channel leben. Händler müssen online auch aufzeigen, was sie alles bieten, um sich abheben zu können. Wir investierten auch viel Geld in unseren B2B-Onlineshop für den Handel, weil es das heutzutage braucht. 

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