Nachgefragt

Ein Turm näher an der smarten Stadt

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Die Stadt Wädenswil ist im September um eine smarte Strassenlaterne reicher geworden. Ein erster Schritt in Richtung Smart City. Die Redaktion fragte beim OIZ und bei den SBB nach, wohin diese Entwicklung noch führen könnte, worauf man dabei achten sollte und warum Smart Citys nicht nur ein Technologie-Thema sind.

Der Smart City Tower in Wädenswil ist mehr als nur eine Strassenlaterne. (Source: zVg)
Der Smart City Tower in Wädenswil ist mehr als nur eine Strassenlaterne. (Source: zVg)

Im zürcherischen Städtchen Wädenswil steht ein neuer Mast. Ende September wurde er eingeweiht. Auf den ersten Blick sieht er aus wie eine gewöhnliche Strassenlaterne. Wenn es dunkel wird, geht das Licht an. Wenn es hell wird, geht es wieder aus. Doch dahinter steckt mehr: Sensoren etwa, die den Lärm, den Verkehrsfluss und die Belastung durch Feinstaub in der Luft messen. Zudem können am Mast Elektroautos aufgeladen werden. Auch versorgt er die unmittelbare Umgebung mit WLAN. Der intelligente Turm – offiziell heisst er Smart City Tower – soll Wädenswil einen Schritt weiter bringen auf dem Weg zur Smart City.

Technologie nur dort, wo sie sinnvoll ist

Doch wohin geht diese Reise eigentlich? Und was zeichnet eine intelligente Stadt überhaupt aus? "In einer Smart City trifft die fortschreitende Urbanisierung auf eine bedürfnisgerechte Digitalisierung", erklärt Anja Riedle, Projektleiterin Smart City bei den SBB. "Das heisst, Technologie wird nur dort eingesetzt, wo nötig, und nicht, wo möglich." Der Mensch stehe also im Vordergrund, und die Technologie soll ihn unterstützen. Das Ziel sei eine hohe Lebensqualität bei minimalem Ressourcenverbrauch – und das auch bei steigenden Einwohnerzahlen.

Anja Riedle, Projektverantwortliche Smart City bei den SBB. (Source: SBB)

Was das konkret heisst, soll der Smart City Tower zeigen. Ein Pilotprojekt, an dem die SBB gemeinsam mit der Stadt Wädenswil, der EKZ und dem Systemintegrator Elektron arbeiten. Der intelligente Leuchtmast sei ein gutes Beispiel dafür, wie verschiedene Akteure aus unterschiedlichen Branchen zusammenkommen, um zusammen ein smartes Vorhaben umzusetzen. "Wir sehen in intelligenten Strassenlaternen ein grosses Potenzial für die smarten Städte von morgen", sagt Riedle. "Sie können als Trägerelement für ein städtisches IoT fungieren."

Der Grundstein ist bereits gelegt

"In der Schweiz ist der Fokus der digitalen Entwicklung bisher vor allem auf Energie- und Mobilitätsthemen sowie dem E-Government ausgerichtet", sagt Andreas Németh, Direktor der Dienstabteilung Organisation und Informatik der Stadt Zürich, kurz OIZ. In den Bereichen zu erwähnen seien etwa E-Government-Services, Smart Parking oder Open Government Data. Es bestünde aber darüber hinaus bei Themen wie den Gesundheits- und Verwaltungsprozessen noch Potenzial.

Der Grundstein für intelligente Städte ist gemäss Németh bereits gelegt: "Die Basisinfrastruktur in der Schweiz und bei uns in der Stadt Zürich ist im internationalen Vergleich bereits gut ausgebaut und es wird weiter optimiert." Gemeint sei damit etwa das städtische Glasfasernetz. "Um die Städte auf den Weg zu Smart Citys weiterzubringen, ist es notwendig, sich auf sinnvolle und wirtschaftliche Use Cases zu fokussieren und sich ständig mit den Potenzialen von neuen Technologien auseinanderzusetzen", sagt Németh. Die Technologie ist aber nur eine Seite der Medaille. Die nötigen organisatorischen, kulturellen und politischen Rahmenbedingen für den Einsatz von Smart-City-Lösungen müssten noch geschaffen werden. "Hier bietet sich das Potenzial eines städte- und branchenübergreifenden Austauschs und konkreter Kooperationen an", sagt Németh.

Andreas Németh, Direktor der Dienstabteilung Organisation und Informatik der Stadt Zürich. (Source: OIZ)

Ein Punkt, den auch die SBB sehen. "Die Herausforderung ist weniger technologisch, sondern vor allem organisatorisch", sagt Riedle. "Sie bedingt eine Kooperation von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik." Viele technische Lösungen bestünden bereits, die organisatorischen Vo­raussetzungen, diese zu verwenden, aber noch nicht. "Bei grossen Städten wird die Politik als Initiator und Treiber einer Smart City auftreten müssen, bei kleineren Städten kann der Impuls auch von Bürgern oder Unternehmen kommen", sagt Riedle. Sobald dieser Impuls gegeben ist, und mit weiteren Projekten wie der intelligenten Strassenlaterne in Wädenswil, steht den smarten Städten von morgen aber wohl nichts mehr im Weg.

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