Smarte Kühlschränke

Mystery Shopping: "Von Samsung gibt es Modelle, aber hier haben wir keines"

Uhr | Aktualisiert

Bruno T. hat sich auf die Suche nach einem intelligenten Kühlschrank gemacht. Was weiss der Handel über die smarten Haushaltsgeräte und wie beurteilt er sie? Der Mystery-Shopper stellte den Handel auf die Probe.

Der allein lebende Bruno T. will Convenience im Haushalt. Ein intelligenter Kühlschrank à la Samsung Family Hub soll seinen Alltag vereinfachen. Was so ein Gerät alles kann, weiss er nicht, das sollte ihm der Handel erklären. Also ging er in Begleitung von "Elektro Heute" auf Mystery-Shopping-Tour, die ihn zu Media Markt, Fust, Interdiscount, einem Elektrofachgeschäft und Kücheneinrichtungsunternehmen führte.

Media Markt

Bruno begann seine Tour bei Media Markt, wo er in der Haushaltsabteilung eine Verkäuferin auf intelligente Kühlschränke ansprach. "Von Samsung gibt es mehrere Modelle, aber hier haben wir keines", sagte sie und suchte nach dem Prospekt dazu, den Media Markt in einem der rund 30 ausgestellten Kühlschränke versteckt hielt. Nach einer Weile fand sie den letztjährigen Prospekt, der aber keine Kühlschränke mit Vernetzungsmöglichkeit enthielt. Die Verkäuferin entschuldigte sich, nächste Woche würden sie eine Produktschulung erhalten, möglicherweise sei der Kühlschrank auch unter den neuen Produkten. Sie riet Bruno, sich das Gerät in der Zentrale von Samsung Schweiz anzusehen. Derweil würde sie abklären, ob sie das Gerät bestellen könne. Denn "Media Markt ist viel günstiger als die Hersteller. Die Waschmaschine dort drüben kostet bei uns 1000 statt direkt bei Miele 4000 Franken", sagte sie und nahm Brunos Kontaktdaten auf. Dass es sich dabei um sogenannte Mondpreise aus dem Katalog des Herstellers handelt, die nirgends bezahlt werden, verschwieg die tüchtige Dame geflissentlich. Zwei Tage später meldete sich ein anderer Media-Markt-Verkäufer telefonisch bei Bruno und sagte, dass es nicht möglich sei, den Samsung-Kühlschrank zu kaufen.

Interdiscount

Bruno versuchte es weiter bei Interdiscount. Er ging zum Kassentresen und sprach einen Verkäufer auf intelligente Kühlschränke an. Der lachte und meinte, es gebe einen von Samsung, aber der sei noch nicht marktreif. Er erkundigte sich trotzdem im System, ob er einen solchen Kühlschrank für Bruno bestellen könne und bemerkte: "Der 550-Liter-Kühlschrank ist riesig, weil er für Amis ist. Darin können Sie die Kuh des Nachbarn aufbewahren." Dann fand er ein Modell von Bosch mit Kamera. Er lachte wieder und sagte: "Damit können Sie live in den Kühlschrank schauen. Das macht mir schon etwas Angst." Daraufhin meinte der Verkäufer, Bruno solle warten mit dem Kauf. Von Samsung bekomme er für 4500 Franken einen Kühlschrank mit integriertem Tablet. Direkt bestellen könne er aber noch keinen Kühlschrank. "Für so viel Geld würde ich eher in die Ferien gehen", bemerkte der Verkäufer und verabschiedete sich von Bruno.

Fust

Bruno war sich nicht mehr so sicher, ob er tatsächlich einen smarten Kühlschrank wollte. Er ging weiter zu Fust und erklärte auch dort einem Verkäufer hinter dem Kassentresen sein Anliegen. "Wir haben einen Kühlschrank von Samsung", antwortete dieser und schwärmte: "Der hat einen Bildschirm, damit können Sie surfen, Youtube schauen und noch viel mehr. Wenn Sie ein Joghurt aus dem Kühlschrank nehmen, meldet der Kühlschrank dies dem Smartphone oder kann bei Coop@home direkt nachbestellen." Er könne Bruno das Gerät in der Filiale nicht verkaufen, aber Fust stelle es an der Züspa aus, dort könne er mehr darüber erfahren. Bruno bedankte sich für die enthusiastische Beratung.

Kücheneinrichtungsanbieter

Bruno besuchte aber nicht die Züspa, sondern ging zu einem Anbieter von Küchen- und Badezimmereinrichtungen. Am Kassentresen verwies ihn eine Verkäuferin in die Küchenabteilung, wo er auf die zuständige Bedienung warten solle. Die rund fünfminütige Wartezeit verbrachte er in verschiedenen modernen Küchenwelten. Intelligente Kühlschränke konnte aber auch dieser Anbieter nicht vorführen, wie ihm ein Verkäufer schliesslich sagte. Er zeigte Bruno aber in Prospekten von Miele und Siemens Kühlschränke mit Vernetzungsmöglichkeit. "Damit kann man über eine App Kühlschrankinformationen wie die Temperatur am Smartphone ansehen. Aber viel mehr bieten sie nicht. Das sind noch Spielereien", sagte der Verkäufer. Bruno soll warten, in Zukunft seien Geräte mit integrierten Kameras und weiteren Funktionen erhältlich. Asiatische Hersteller seien vielleicht schon etwas fortgeschrittener, in Europa hinke die Technik stets hinterher, meinte er und ergänzte: "Die Europäer machen es erst, wenn es sinnvoll und günstig ist, so wie damals mit LED." Was er genau mit "LED" meinte, blieb sein Geheimnis. Der Verkäufer wies auf eine andere Innovation moderner Kühlschränke hin: unterschiedliche Kältezonen. Damit blieben Lebensmittel länger frisch. Das sei wirklich sinnvoll. Bruno bedankte sich für die rund zehnminütige Beratung.

Elektrofachgeschäft

Bruno ging weiter zu einem Elektrofachgeschäft, wo ihn ein Verkäufer begrüsste. Gefragt nach intelligenten Kühlschränken führte er Bruno zu einem Regal mit zahlreichen Prospekten. Der Verkäufer schnappte sich einen Prospekt von Siemens und zeigte ihm freistehende Kühlschränke mit eingebauten Kameras. "Ich finde die Kühlschränke cool, aber intelligent sind sie nicht. Sie können die Kameras mit dem Haussystem vernetzen und per App von unterwegs in den Kühlschrank schauen. Der Kühlschrank ist das einzige Haushaltsgerät, bei dem die Vernetzung Sinn ergibt, irgendwann wird er fehlende Produkte direkt nachbestellen", sagte der Verkäufer. Bruno könne bei Siemens aus mehreren Modellen auswählen, aber nur ein Modell benötige keinen zusätzlichen Wi-Fi-Dongle. Er zählte die Funktionen auf, welche die beiden Kühlschrankkameras böten, und sagte: "Home Connect ist eine gute Geschichte, dafür braucht es keine Installation, nur Wlan." Zurzeit seien die Kühlschränke aber noch sehr teuer. Er wies Bruno auf den Katalogpreis für ein Modell in Höhe von 4500 Franken hin (Mondpreis), holte einen Taschenrechner und meinte, er könne ihm das Gerät für rund 1650 Franken verkaufen, satte 63 Prozent Rabatt. Falls Bruno ein Einbaugerät wünsche, müsse er aber noch etwas warten. "Siemens beobachtet jetzt, wie die Leute auf die Kameras reagieren und baut sie dann vielleicht in die Einbaugeräte ein." Es spreche aber nichts dagegen, für rund 400 Franken zwei Webcams und einen Bewegungsmelder in einen bestehenden Kühlschrank einzubauen. Bruno bedankte sich für die gut viertelstündige Beratung und beendete die Mystery-Shopping-Tour.

Fazit

Bruno zog ein gemischtes Fazit über die Beratungsleistung zu intelligenten Kühlschränken. Manch ein Verkäufer schien noch nicht sehr informiert darüber zu sein. Die Verkäufer waren sich zudem uneins, ob es bereits Kühlschränke gebe, die Produkte selbstständig nachbestellen können. Auch über Sinn und Zweck vernetzter Kühlschränke waren sie geteilter Meinung. Während einer von den Funktionen schwärmte, lachte ein anderer über "Spielereien". Schade fand Bruno auch, dass nirgends ein solches Gerät ausgestellt war. Er wird sich wohl zu einem späteren Zeitpunkt nochmals auf die Suche nach einem intelligenten Kühlschrank machen müssen.

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DPF8_71335

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