ZHAW-Studie zur Mediennutzung

Schweizer Jugendliche ersetzen Handy nach zwei Jahren

Uhr | Aktualisiert
von Werbewoche

Jugendliche in der Schweiz ersetzen ihr Handy durchschnittlich nach knapp zwei Jahren. Dies zeigt der neuste JAMESfocus-Bericht der ZHAW und Swisscom. Oft ist beim Kauf der Wunsch nach einem neueren oder besseren Modell ausschlaggebend. Nachhaltigkeit spielt dabei kaum eine Rolle, denn das Bewusstsein dafür ist nicht sehr gross.

(Source: Franz Pfluegl / Fotolia.com)
(Source: Franz Pfluegl / Fotolia.com)

Das Handy ist aus dem Leben der meisten Jugendlichen nicht mehr wegzudenken – 99 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in der Schweiz besitzen eines. Im Schnitt ersetzen sie ihr Handy nach knapp zwei Jahren. Bei jüngeren Jugendlichen ist diese Zeitspanne sogar noch kürzer als bei älteren. Dies zeigt der aktuelle JAMESfocus-Bericht der Fachgruppe Medienpsychologie der ZHAW und Swisscom, der sich mit der Nachhaltigkeit im Umgang mit dem Handy auseinandersetzt.

"Handy-Hersteller bringen etwa alle zwei Jahre ein neues Modell auf den Markt und Abo-Verträge laufen oft nach zwei Jahren aus. Der Wunsch nach einem aktuellen Modell verleitet die Jugendlichen dann dazu, ihr Handy zu ersetzen, auch wenn das ältere Gerät noch einwandfrei funktioniert", sagt ZHAW-Medienpsychologe Daniel Süss. Da kaum ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang vorhanden ist, liegen schätzungsweise eine halbe Million ungenutzte Handys bei Deutschschweizer Jugendlichen zuhause in der Schublade.

Ein neueres Modell soll es sein

Rund die Hälfte der Jugendlichen in der Schweiz erhält ein neues Handy, obwohl das alte eigentlich noch funktioniert. Beim Entscheid ein neues Handy zu kaufen, ist vor allem der Wunsch nach einem neueren oder besseren Modell ausschlaggebend (58 Prozent). Bei 40 Prozent der Jugendlichen führt ein ablaufender Abo-Vertrag dazu, dass mit dem neuen Abo auch gleich ein neues Gerät zu einem reduzierten Preis bezogen wird. Dies ist vor allem bei den älteren Altersgruppen der Fall. Hingegen bekommen 12- bis 15-jährige Jugendliche häufiger ein neues Gerät geschenkt. Insgesamt erhalten es 28 Prozent der 12- bis 19-Jährigen als Geschenk.

In rund der Hälfte der Fälle wird ein neues Gerät gekauft, weil das alte Handy kaputt ist. Dieses lässt sich oft nicht mehr reparieren (37 Prozent). "Mit einer Schutzhülle oder einer Schutzfolie für den Bildschirm kann man Schäden vorbeugen und dadurch das Handyleben verlängern. Je länger ein Gerät genutzt wird, desto nachhaltiger", rät ZHAW-Medienpsychologe Daniel Süss. Andererseits wollen es einige Jugendliche nicht reparieren lassen (27 Prozent) und entscheiden sich stattdessen für ein neues Gerät.

Technik, Preis und Marke sind wichtig

Für die Mehrheit der Jugendlichen (70 Prozent) sind beim Handykauf technische Eigenschaften am wichtigsten. Aber auch der Preis (65 Prozent), die Marke (54 Prozent) und das Design (49 Prozent) sind entscheidende Kriterien. Hier zeigt sich auch ein Unterschied bei den Geschlechtern: Jungen legen insgesamt mehr Wert auf technische Details wie die Lebensdauer des Akkus.

Für Mädchen spielt hingegen der Preis eine grössere Rolle. Ob es Reparaturmöglichkeiten gibt oder welche Gerätemarke die Freunde nutzen, ist für die meisten Jugendlichen nicht relevant. Altersunterschiede gibt es kaum.

Eine halbe Million ungenutzter Handys

Ist ein neues Handy gekauft, verschwindet das alte Modell bei mehr als der Hälfte der befragten Jugendlichen (54 Prozent) in der Schublade und wird nicht mehr genutzt. Jeder vierte verschenkt aber das alte Handy an eine andere Person. Eine fachgerechte Entsorgung an einer Abgabestelle oder einfach im Hausmüll ist selten der Fall. Im Durchschnitt hortet jeder Jugendliche 1,3 alte Handys zuhause. Hochgerechnet liegen bei Deutschschweizer Jugendlichen demnach fast 500'000 ungenutzte Handys zuhause.

Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom wagt einen Erklärungsversuch: "Ein möglicher Grund könnten die Daten auf den Handys sein. Vielleicht wollen Jugendliche ihre Fotos, Musik und Chatverläufe nicht für immer löschen und so ihre Daten bei sich behalten." Insgesamt schlummern über 17 Tonnen an Metallen und über 38 Tonnen an Kunststoffen ungenutzt in den Schubladen, obwohl sie im Recycling verwertet werden könnten. Insbesondere die wertvollen Metalle fehlen dann bei der Herstellung neuer Geräte und müssen anderweitig gewonnen werden. Das belastet die Umwelt. "Aus diesen Gründen hat Swisscom vor fünf Jahren das Programm Mobile Aid ins Leben gerufen und nimmt alte Handys zurück", sagt Michael In Albon. "Am 6. und 7. Dezember finden die nationalen Mobile Aid Sammeltage statt, an denen Samichläuse in grossen Schweizer Bahnhöfen ungenutzte Handys einsammeln. Der gesamte Erlös wird an SOS-Kinderdorf gespendet."

Im Umgang mit Handy wenig nachhaltig

Bei Schweizer Jugendlichen ist weder beim Kauf noch beim Recyling genügend Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit dem Handy vorhanden. "Viele Jugendliche wissen über das Thema Handy und Nachhaltigkeit noch wenig Bescheid", sagt Süss. "Sie kaufen lieber ein neues Gerät anstatt das alte Modell zu reparieren und achten dabei kaum auf nachhaltige Eigenschaften wie eine lange Lebensdauer des Akkus."

Auch die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung sind für die meisten beim Handykauf nicht relevant. Rund ein Viertel der Jugendlichen hat ihr altes Handy jedoch weiterverschenkt. Dadurch wird das Handyleben nachhaltig verlängert.

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