Mystery-Shopping: Smart Speaker

"Ich will nicht, dass sie mir beim Sex zuhören"

Uhr | Aktualisiert

Astrid T. hat sich auf die Suche nach einem Smart Speaker gemacht. Die professionelle ­Mystery-Shopperin wollte auch wissen, wie viel der Handel über die neue Gerätekategorie weiss. Eine Gelegenheit, diese auszu­probieren, bekam sie nicht.

(Source: Amedley / Shutterstock)
(Source: Amedley / Shutterstock)

Astrid T. hat von einer Kollegin von Smart Speakern erfahren und ist begeistert von den Lautsprechern, die Fragen beantworten und Geräte im Haushalt bedienen können. Was so ein Speaker wirklich kann, wusste sie aber nicht. Sie wollte sich im Handel selbst davon überzeugen. In Begleitung von "CEtoday" ging die professionelle Mystery-Shopperin zu Melectronics, Interdiscount, Media Markt, Digitec, zum Euronics- und EP-Fachhändler sowie zu Apple.

Melectronics

Astrid ging zuerst zu Melectronics und sprach einen Verkäufer hinter dem Kassentresen auf Smart Speaker an. "So etwas haben wir nicht im Laden, können diese höchstens bestellen", sagte er und zeigte Astrid den Lautsprecher von Amazon in der zweiten Generation im Melectronics-Onlineshop. Astrid fragte, was die zweite Generation denn besser als die erste könne, worauf der Verkäufer sagte: "Ich habe es ehrlich gesagt noch nie ausprobiert. Aber wir können ihn bestellen." Damit beendete er das Verkaufsgespräch nach etwas mehr als einer Minute.

Interdiscount

Astrid hatte sich mehr Informationen erhofft. Sie versuchte es weiter bei Interdiscount, wo sie wieder einen Verkäufer ansprach. Der meinte, sie hätten keine Smart Speaker, wollte sich aber im Onlineshop vergewissern. Er fand dort Amazons Echo, den er innerhalb von zwei Tagen auf Bestellung liefern lassen könne. Auch er erwähnte die zweite Generation des Modells, konnte aber ebenfalls nicht sagen, was die Vorteile dieser neuen Version sind. Dann sah er bei der Produktbeschreibung, dass es sich um einen Importartikel handelt, der in der Schweiz nur mit eingeschränkten Funktionen genutzt werden kann. Deshalb riet er vom Kauf ab. As­trid wollte wissen, welche Funktionen noch nicht verfügbar seien, worauf der Verkäufer sagte: "Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil wir ihn nur auf Kundenwunsch bestellen." Astrid bedankte sich für rund 3 Minuten Beratung und wollte weitere Erkundigungen einholen.

Digitec

Sie ging zu Digitec, zog eine Nummer und wurde sogleich aufgerufen. Am Tresen erklärte sie dem Verkäufer ihre Suche, worauf der sagte, es gebe verschiedene Geräte von Amazon oder Google. "Es kommt halt darauf an, welchen Umfang Sie möchten", ergänzte er. Astrid wollte den grösstmöglichen Umfang, und der Verkäufer begann seine Suche im Digitec-Onlineshop. Er gab "Smarthome" ins Suchfeld ein, fand zuerst nur Überwachungskameras, wurde dann aber doch noch fündig. Auch er bemerkte, dass der Speaker von Amazon nur mit eingeschränkten Funktionen verfügbar sei. Ausserdem brauche Astrid mit dem Speaker kompatible Geräte, wie ein Fernseher oder eine Stereoanlage, sonst funktioniere die Bedienung nicht. "Ich kenne es nicht, aber ich glaube, das ist noch ein ziemlicher Hype und viel zu teuer. Kaufen Sie doch eine Universalsteuerung", riet er Astrid. Das wollte sie aber nicht und verabschiedete sich nach rund 7 Minuten Beratung.

Media Markt

Astrid ging weiter zu Media Markt, wo sie wiederum einen Verkäufer nach Smart Speakern fragte. "Hier im Haus haben wir nur Multiroom von Sonos, aber ich schaue mal im Onlineshop", entgegnete er und ging mit Astrid zu einem Computer. Der Verkäufer meinte, dass es keine Alternativen zu Amazon Echo gebe, fand im Media-Markt-Onlineshop aber einen Speaker von Hama. "Ich kenne mich damit nicht aus, aber ich lese mal vor", sagte er und zählte die Produkteigenschaften auf. Astrid fragte, ob sie das Gerät ausprobieren könne. "Nein", sagte er, "wir können nur bestellen und nach Hause liefern lassen." Er schrieb Astrid die Artikelnummer des Geräts auf, damit sie sich selbst im Onlineshop schlaumachen könne. Astrid verabschiedete sich nach rund 3 Minuten Beratung.

EP-Fachhändler

Astrid wollte endlich einen Smart Speaker ausprobieren. Sie ging zum EP-Fachhändler. Doch auch dort sagte der Verkäufer hinter dem Kassentresen, dass sie nur ein Modell von Sonos bestellen könnten. Dieses sei aber nur ohne Sonderfunktionen verfügbar, also praktisch unbrauchbar. Astrid fragte nach dem Grund, worauf der Verkäufer sagte: "Offiziell gibt es die Speaker noch nicht, es ist ein Graubereich, weil es Probleme mit dem Datenschutz gibt." Wann die Geräte offiziell erhältlich sein werden, konnte er nicht sagen. Er zeigte sich auch nicht angetan vom Smart Speaker mit ständig aktivem Mikrofon. "Ich verstehe die Behörden, dass sie es nicht erlauben", sagte er, "ich will nicht, dass die mir beim Sex zuhören." Er erwähnte einen Freund, der mit der Apple Watch das Licht zuhause steuern könne. Deshalb solle sie es doch im Apple Shop versuchen, schliesslich habe der US-Konzern wenig Bedenken beim Datenschutz. Astrid bedankte sich für die rund 3-­minütige Beratung.

Euronics-Fachhändler

Als Nächstes ging sie zum Euronics-Fachhändler. Dort wartete sie eine Minute, bis der Verkäufer sein Telefongespräch beendet hatte. Im Laden sahen sich zwei Jugendliche in voller Lautstärke einen Film im TV an. Der Verkäufer forderte die Jugendlichen auf, leiser zu schalten und fragte Astrid nach ihren Wünschen. Smart Speaker hätten sie von Sonos. "Das sieht aus wie das Modell Play 1", sagte er und drückte Astrid einen Lautsprecher in die Hand. Den Smart Speaker hätten sie schon bestellt, ergänzte er und ging ins Lager, um nachzuschauen, ob er schon eingetroffen sei. Nach kurzer Zeit kam er zusammen mit der Chefin zurück, die meinte, dass die Speaker zwar schon da seien. Ausprobieren könne Astrid sie aber nicht, weil die Geräte an eine Messe müssten, wo sie vorgeführt würden. Sie riet Astrid, die Messe zu besuchen und schwärmte von den Funktionen der Speaker. "Die können alles, sprechen und sogar Kaffee machen", scherzte sie. Astrid sagte, sie wolle sich an der Messe nach dem Gerät erkundigen und verabschiedete sich. Der Verkäufer gab ihr seine Visitenkarte und hielt ihr die Tür auf. Astrid bedankte sich für rund 5 Minuten Beratung.

Apple

Zum Schluss ging Astrid noch in den Apple Shop. Auch dort sprach sie einen Verkäufer auf Smart Speaker an. Dieser konnte ihr aber nicht weiterhelfen. "Es gibt den Apple Homepod, aber der ist noch nicht verfügbar, und wir wissen auch nicht, ob es noch Wochen oder Monate dauert. Schauen Sie doch immer wieder mal auf die Apple-Homepage, dort wird es angekündigt." Astrid bedankte sich für weniger als eine Minute Beratung und beendete die Mystery-Shopping-Tour.

Fazit

Astrid war enttäuscht, dass sie nirgendwo einen Smart Speaker in Aktion erleben konnte. Einen bestellen, ohne ihn vorher zu testen, wollte sie nicht. Zum Ausprobieren müsste sie wohl an die Messe, wo der Euronics-Fachhändler ein Sonos-Modell ausstellte. Auch negativ bewertete sie, dass ihr kein Verkäufer sagen konnte, welche Funktionen nicht in der Schweiz verfügbar sind. Generell wussten die Verkäufer wenig über Verfügbarkeiten und Möglichkeiten der Smart Speaker. Manch einer wie der Interdiscount-Verkäufer wusste nicht einmal, dass diese Bestandteil ihres Sortiments sind. Auch zeigten sich Verkäufer wie beim EP-Fachhändler und bei Digitec wenig angetan von Smart Speakern. Astrid war aber zuversichtlich, dass die Händler ihr Wissen über die Geräte vertiefen werden, sobald diese offiziell in der Schweiz erhältlich sind. Nur wüsste Astrid gerne, wann es so weit ist.

Webcode
DPF8_85549

Kommentare

« Mehr