Marktreport Wearables

Smartwatches laufen Analoguhren den Rang ab

Uhr | Aktualisiert

Der Wearables-Markt ist in der Schweiz stark gewachsen. Activity- und Fitnesstracker sind immer noch Marktleader. Doch Smartwatches werden immer beliebter. Die analoge Uhrenwelt überholten sie bereits. Dank einer neuen "Killer-Funktion" sprechen Marktexperten von einem Game Changer.

(Source: Todor Tsvetkov)
(Source: Todor Tsvetkov)

Wearables werden von immer mehr Menschen getragen. Smarte Fitnesstracker und intelligente Uhren sind beliebte Accessoires geworden. Der Wearables-Markt ohne Earpods erzielte in der Schweiz zwischen Januar bis November 2015 41,4 Millionen Franken Umsatz. Im gleichen Zeitraum 2017 kommt er auf fast 60 Millionen Franken.

Der grösste Anteil im Schweizer Markt gehört immer noch den Activity-Trackern, die Fitness- und gesundheitsrelevante Daten aufzeichnen können. Ihr Kuchenstück wird aber kleiner. Lag der Anteil am Gesamtmarkt Anfang 2017 noch bei über der Hälfte, betrug er vergangenen November noch etwa mehr als ein Drittel. Kommt hinzu, dass Activity-Tracker nur rund 15 Prozent zum Gesamtmarktumsatz beitragen. Dieselbe Marktentwicklung gilt für Sportuhren, die aber nur rund 10 Prozent des Marktes ausmachen.

Der Anteil der verkauften Smartwatches, also Armbanduhren mit Internetzugang, die Apps von Drittanbietern ausführen, lag im vergangenen Jahr fast immer auf stabilem Niveau bei gut einem Drittel des Gesamtmarktes. Der Umsatzanteil liegt aber mit 44,1 Prozent deutlich höher. Nur im September fiel der Smartwatch-Anteil stark auf 24,2 Prozent. Einige Konsumenten warteten wohl die Markteinführung der neuen Apple Watch Series 3 ab, die Apple Mitte September vorstellte.

Der iPhone-Hersteller dominiert den Smartwatches-Markt deutlich. Laut dem Marktforscher IDC verkaufte Apple im zweiten Quartal 2017 3,4 Millionen Smartwatches. Das ist mehr als viermal so viel wie die Nummer zwei Samsung mit 800'000 Stück, gefolgt von Garmin mit 600'000 und Continental mit 500'000 Stück.

Schweizer Uhrenwelt ist aufgeschreckt

Dennoch wollen vermehrt auch traditionelle Uhrenhersteller in den Smartwatch-Markt einsteigen oder haben dies bereits getan. Es gibt Smartwatches von Tag Heuer, Breitling, Mondaine und weiteren. Denn Apple hat mit seiner Apple Watch auch die analoge Uhrenwelt überholt. Laut Aussage von Apple-Chef Tim Cook war die Apple Watch im vergangenen Jahr die meistverkaufte Uhr der Welt. Die bisherige Nummer eins Rolex muss sich mit dem zweiten Platz begnügen, falls Apples Behauptung stimmt. Denn konkrete Zahlen zu Umsatz und Stückzahl der Apple Watch gibt der US-Konzern keine bekannt. Doch schon 2015 war Apple mit seiner Smartwatch der zweitgrösste Uhrenhersteller mit einem geschätzten Umsatz von 4,5 Milliarden Franken, wie die "NZZ am Sonntag" schreibt. Gemäss der Marktforschungsfirma Canalys setzte Apple allein im vierten Quartal 2016 rund 2,6 Milliarden US-Dollar mit seiner Uhr um. Den Umsatz von Rolex schätzte die «Bilanz» auf rund 5 Milliarden Franken.

Klar ist: Apple ist mit seiner Apple Watch zur Bedrohung für die klassische Schweizer Uhrenindustrie geworden, vor allem im unteren und mittleren Tiefpreissegment. Als Apple vergangenen September seine neue Uhr vorstellte, verloren die Schweizer Uhrenhersteller an der Börse. Die Swatch-Aktie gab um 3,5 Prozent nach, die Richemond-Titel (mit Marken wie Cartier, Piaget, Montblanc und IWC) um 1,35 Prozent, obwohl Richemont am selben Tag bekannt gab, den Umsatz in den ersten fünf Monaten um 10 Prozent gesteigert zu haben.

E-Sim als "Killer-App"

Lange waren die Möglichkeiten der Smartwatches beschränkt, eine "Killer-App" fehlte vielen. Wohl auch deshalb betrug ihr Anteil am Wearables-Markt nur etwa ein Drittel. Doch mit der Apple Watch Series 3 ist es seit Dezember möglich, unabhängig vom iPhone zu telefonieren. Der Besitzer braucht dazu eine E-Sim, um mit der Apple Watch das Mobilfunknetz nutzen zu können. Dass die Uhr unabhängig vom iPhone funktioniert, könnte der Game Changer sein, sagte etwa Jon Cox, Analyst bei Kepler Cheuvreux, gegenüber Bloomberg. "Im Kampf um das Handgelenk steht eine super Funktionalität den simplen Quartz-Uhren gegenüber. In vielen Fällen wird die Quartz-Uhr verlieren." Ein weiteres Feature der dritten Apple-Watch-Generation: Die Uhr unterstützt nun auch drahtloses Laden. Dadurch kommt eine Vielzahl neuer Ladegeräte auf den Markt, was dem Handel Möglichkeiten zu Zusatzverkäufen bietet. Wearables anderer Hersteller unterstützen zwar bereits induktive Ladetechnologien, sind aber bei Weitem nicht so erfolgreich wie Apple und verleihen dem Markt deshalb auch weniger Impulse.

Starkes Wachstum im Wearables-Markt zeigten Earables. Die Ohrstöpsel, die etwa Noise-Cancelling- oder eine Telefonierfunktion bieten, schiessen von null durch die Decke. Ihr Anteil am gesamten Schweizer Wearables-Markt nahm von Anfang 2017 mit 4,6 Prozent auf über ein Fünftel im November 2017 zu.

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